Die erste Rede von Karl-Gerhard Eick als neuer Arcandor-Chef war unmissverständlich: Der Konzern soll effizienter werden. Auf Arcandor kommt ein Sparprogramm zu.

Eick sprach erstmals als neuer Vorstandsvorsitzender der Arcandor AG auf der Hauptversammlung des Unternehmens in Düsseldorf. Der ehemalige Telekom-Finanzvorstand hat einen konsequenten Konsolidierungskurs für den Touristik- und Handelskonzern angekündigt.

Eick, der seit dem 1. März die Geschäfte des Konzerns führt, versprach den Aktionären, den Banken und den Mitarbeitern einen "transparenten Dialog", um Vertrauen für das Unternehmen zurückzugewinnen. Dabei verwies er auf die Erfahrungen aus seiner knapp zehnjährigen Arbeit bei der Deutschen Telekom.

"Harte Kärnerarbeit vor uns

Als Priorität der Arbeit des Vorstandes bezeichnete Eick die operative Leistungsfähigkeit der Unternehmensbereiche sowie die Stabilisierung der Finanzierung. Voraussetzung dafür sei es, eigene Ziele zu erreichen, insbesondere bei Ergebnis und Cash Flow.

"In den Kerngeschäften müssen wir effizienter werden. Was wir vor uns haben, ist harte Kärnerarbeit und keine visionären Zukunftsszenarien. Pflicht statt Kür. Kosten senken und das operative Kerngeschäft auf Ergebnis trimmen", kündigte der neue Vorstandsvorsitzende an. 

In der aktuellen Wirtschaftskrise sieht Eick auch Chancen für die drei Geschäfte der Konzerntöchter Thomas Cook, Primondo und Karstadt. Thomas Cook federe verändertes Buchungsverhalten durch flexible Kapazitätsanpassungen ab. Die Primondo-Versender hätten Potenziale wegen der weiter wachsenden Internet-Umsätze und ihrer Ratenkauf-Angebote.

Alles gut bei Karstadt?

Erstaunliches hatte Eick über Karstadt zu berichten. Das Warenhaus habe mit einer besonderen Kundenwertschätzung durch die Mitarbeiter die Chance, in der Krise Kunden aus dem Facheinzelhandel im gehobenen Segment zu gewinnen. Karstadt bleibe auf Kurs und verzeichne weiterhin eine insgesamt stabile Umsatz- und Ergebnisentwicklung auf bereinigter Basis.

Dieser Aussage widersprechen jedoch negative Zahlen, die die "Wirtschaftswoche" am Montag veröffentlich hatte. Das Blatt zitierte interne Karstadt-Unterlagen, wonach vom 1. Oktober 2008 bis zum 28. Februar 2009 die Warenhäuser einen unbereinigten Umsatz von 1,575 Milliarden Euro erzielt hätten. Karstadt soll aber mit 1,627 Milliarden Euro Umsatz geplant haben. Im Februar sei der Karstadt-Umsatz um 5,1 Prozent eingebrochen, schreibt das Magazin.

Thomas Cook solide

Laut Eick bestätigt die Thomas Cook Group trotz veränderten Buchungsverhaltens erst kürzlich die Ergebnisziele für das laufende Geschäftsjahr.

Primondo spüre Nachfragerückgänge in einzelnen Spezialversendern und muss Währungseffekte in Russland sowie in Mittel- und Osteuropa verkraften. Im E-Commerce setze Quelle seinen Wachstumskurs dagegen fort, heißt es in einer Konzernmitteilung.

"Operative Performance verbessern

Die Arcandor AG wird zukünftig als strategische Management-Holding mit Aktivitäten in den Bereichen Touristik und Handel geführt, teilt das Unternehmen mit. Eick erklärte: "Ich bin überzeugt, dass Arcandor mit drei Geschäftsbereichen bestehen kann. Voraussetzung dafür ist, dass wir die operative Performance deutlich verbessern."