Vor dem Hintergrund der allgemeinen SUV-Beliebtheit erlebt die amerikanische Marke Jeep einen wahren Boom. Aus dem einstigen Nischenanbieter ist ein Flottenkandidat geworden. Das unterstreicht das Modell Cherokee im Praxisbetrieb.

Gleich ob von einem Geländewagen oder den neudeutschen "Sport Utility Vehicles" (SUV) die Rede ist, der Volksmund spricht häufig einfach vom „Jeep“ – obwohl längst jeder Hersteller der im automobilen Haifischbecken überleben will, mindestens ein eigenes, hochbeiniges Fahrzeug in seinem Portfolio führt. Die ur-amerikanische Marke ist fraglos noch immer der Inbegriff für geländegängige Gefährte.

Mit dem allgemeinen SUV-Trend im Rücken und unter dem Dach der Fiat-Chrysler-Liaison lebt das Label gerade so richtig auf. Und das ist noch untertrieben: Jeep boomt. Hierzulande stiegen die Zulassungen nach Angaben des Kraftfahrt-Bundesamtes in Flensburg in den ersten elf Monaten des Jahres im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um satte 52,1 Prozent auf fast 14.000 Einheiten – nach einer Steigerung um 48,8 Prozent in 2014. Nur Smart kann 2015 aufgrund des Modellwechsels eine höhere Steigerungsrate (79 Prozent) verbuchen.

Getragen wird der Aufschwung der bisherigen Insidermarke vor allem vom kompakten Modell Renegade (4.963 Zulassungen), doch auch der ebenfalls im vergangenen Jahr neu aufgelegte Cherokee trägt mit 1.917 Zulassungen (plus 16,8 Prozent) zum Erfolg bei.

Komfortabler Gleiter für die Langstrecke

Längst haben die Italo-Amerikaner von rustikaler Gangart auf gefällige Designlinien umgestellt und sind damit nun auch im Mainstream angekommen. Ein Jeep im Fuhrpark? Warum nicht! Das gilt besonders für die aktuelle Cherokee-Variante. Aus dem einstigen „Kastenwagen“ der 90er-Jahre mit spritfressendem 4,0-Liter-Benzinmotor und extremem Kurvenradius im Allradbetrieb ist ein eleganter, komfortabler Gleiter für die Langstrecke geworden. Und wenn man sich länger mit dem Fahrzeug beschäftigt, wirkt auch das zunächst gewöhnungsbedürftige Design plötzlich passend und zeitgemäß.

Zwar gibt es den Cherokee in der 103 kW/140 PS-Dieseleinstiegsversion auch mit Frontantrieb, doch so ganz hat die einstige Militärmarke ihre Wurzeln dann doch nicht gekappt. Alle anderen hierzulande angebotenen Varianten verfügen selbstverständlich über Allradantrieb – zumindest bei Bedarf. Denn im „Auto“-Modus werden lediglich die Vorderräder angetrieben, um Kraftstoff zu sparen. Erst wenn zusätzliche Traktion notwendig ist, schaltet sich der Hinterradantrieb selbstständig zu.

Allradprogramm mit Wahlmöglichkeit

Und damit man auch wirklich durch Dick und Dünn kommt, lässt sich das 4x4-Programm mittels Drehregler auf der Mittelkonsole auch noch präzise auf den jeweiligen Untergrund von Schnee bis Schlamm einstellen. Für den Trip durch die Wüste oder durch den Tiefschnee steht für 1.700 Euro Aufpreis zudem eine Geländeuntersetzung im Angebot.

Das Allradsystem funktioniert ebenso reibungslos und für den Fahrer unmerklich wie der virtuose Wechsel zwischen den neun (!) Fahrstufen. Das Getriebe findet stets den passenden Gang und trägt so maßgeblich zum entschleunigten Reisen in der immerhin rund zwei Tonnen schweren Karosse bei. Auch das Geräuschniveau des neuen 2,2-Liter-Selbstzünders unterstreicht den positiven Eindruck.

Neuer 2,2-Liter-Diesel in zwei Leistungsstufen

Mit Blick auf den Vortrieb ist der neue Diesel, der mit zwei Leistungsstufen (136 kW/185 PS und 147 kW/200 PS) den bisherigen 2,0-Liter (125 kW/170 PS) ersetzt, auf jeden Fall eine gute Wahl. Vor allem die stärkere Version verrichtet ihren Dienst unaufgeregt und beschleunigt den Koloss dynamisch. Dann steigt allerdings der Kraftstoffverbrauch deutlich an und nähert sich zweistelligen Werten. Bei gemäßigter Fahrweise kann mit sieben Litern „plus X“ kalkuliert werden. Der Normverbrauch von 5,7 Litern ist in der Praxis unerreichbar.

Einhundert Prozent gibt es bekanntlich nirgendwo, und so wundert man sich bei diesem großen Auto doch über den eher kleinen Kofferraum, oder über den selbstständigen Bremseingriff beim Rückwärtsfahren – obwohl weit und breit kein Hindernis in Sicht ist.

Kein Schnäppchen, aber umfangreiche Ausstattung

Wer die 200-PS-Variante wählt, landet automatisch beim umfangreich ausgestatteten „Limited“ zum Listenpreis von 45.900 Euro. Kein Schnäppchen, doch immerhin fällt dann die Aufpreisliste erfrischend kurz aus: Lediglich das „Technologie-Paket“ (2.250 Euro) mit den gängigen Assistenzsystemen für Spurhaltung, Abstandsüberwachung, Parkmanöver und Fernlicht, ein Glasdach (1.450 Euro) und die Metalliclackierung (790 Euro) wollen oder können dann extra geordert werden.

Ganz aktuell hat der Hersteller auch noch das Sondermodell „Night Eagle“ aufgelegt, das mit dem 147 kW/200 PS-Antrieb auf Basis der Ausstattungsstufe „Longitude“ bereits ab 43.900 Euro zu haben ist.

Bernd Nusser