Mit markigen Worten attackiert Kia-Deutschland-Geschäftsführer Martin van Vugt die europäischen Wettbewerber - und heizt den Verkaufsstart des neuen Kompaktvans Carens an.

Minus 7,2 Prozent: Nach dem steilen Aufstieg des koreanischen Automobilproduzenten Kia in den vergangenen Jahren konnte auch der "Wachstumsweltmeister“ unter den Autobauern in den ersten beiden Monaten des Jahres die aktuellen Gesetze des deutschen Marktes (minus 9,6 Prozent) nicht außer Kraft setzen. Und büßte wie fast alle Volumenhersteller im Vorjahresvergleich an Zulassungen ein.

"Das sind wir nicht gewohnt und ich bin entsprechend unzufrieden, auch wenn unser Marktanteil sogar noch gewachsen ist. Aber für Marktanteile können wir uns nichts kaufen. Wir leben vom Umsatz“, erklärt Deutschland-Geschäftsführer Martin van Vugt auf Nachfrage von Der Handel. Neben der allgemeinen Kaufzurückhaltung der Kundschaft führt der red- und leutselige Niederländer auch Verfügbarkeitsprobleme bei den Kleinwagenmodellen Picanto und Rio für die sachte Bremsspur an.

Ehrgeiziges Ziel: 70.000 Einheiten in 2013 geplant

Dass der Weg der Koreaner aber weiter nach oben führt, daran lässt van Vugt erst gar keine Zweifel aufkommen. Für 2013 hat sich der gebürtige Rotterdamer trotz des Fehlstarts 70.000 Einheiten vorgenommen – nach 54.798 in 2012. Und auch an der Ankündigung für 2016, hierzulande dann 100.000 Kia-Fahrzeuge absetzen zu wollen, hält der 57-Jährige unbeirrt fest.

Die keinesfalls unbegründete Zuversicht stützt sich vor allem auf die Innovationsfreude der Asiaten, die mit dem Deutschen Peter Schreyer zudem eine branchenweit anerkannte Designerkoryphäe in ihren Reihen haben.

Nischenmodelle werden erneuert

Standen die vergangenen beiden Jahre im Zeichen der Erneuerung der Volumenmodelle Picanto, Rio und Ceed sowie der vielbeachteten Einführung der Mittelklasselimousine Optima, so sind nun die Nischen an der Reihe.

Am 4. Mai startet der neue Carens im Segment der kleinen Vans und auch bei dieser Neueinführung spart der Deutschland-Geschäftsführer nicht mit markigen Worten: "Wir rütteln mit diesem Auto alle europäischen Wettbewerber wach. Die bieten in dieser Klasse doch nur Langeweile!“ Schönen Gruß nach Wolfsburg, Paris, Rüsselsheim und Köln.

Praktischer Dienstwagen

Tatsächlich haben die Südkoreaner mit der dritten Generation des vor exakt zehn Jahren eingeführten Kompaktvans ein attraktives 4,53-Meter-Auto auf die Räder gestellt, das sich in Kombination mit dem 1,7 Liter-Diesel (100 kW/136 PS) und dem optionalen Automatikgetriebe (1.250 Euro) auch als praktischer Dienstwagen anbietet.

Dafür sprechen schon die Maße des Laderaums (536 bis 1.694 Liter Volumen, 1,10 Meter Breite, 2,15 Meter Länge bei umgeklappter Rücklehne des Beifahrersitzes). Dafür spricht aber auch der variable Innenraum mit der horizontal verschiebbaren zweiten Sitzreihe und der optional erhältlichen dritten Reihe, die den Carens dann zum Siebensitzer macht. Wenngleich Erwachsene auf den hinteren Plätzen keine Reisefreuden genießen.

Zahlreiche Pluspunkte

Foto: Kia
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Weitere Trümpfe des Herausforderers sind die ungezählten Ablagen und Staufächer für Kleinutensilien, die reichhaltige Grundausstattung, die augenscheinlich sehr hohe Verarbeitungsqualität und die siebenjährige Garantie des Herstellers, der bei Bestellung vor dem 30. Juni auch noch ebenso lange für die Wartungsarbeiten aufkommt.

Allerdings gilt dieses Angebot nur für Privatkunden und Kleingewerbetreibende, die ihre Fahrzeugflotte nicht mit einem Rahmenvertrag und entsprechenden Rabatten erwerben.

Nur Weiß ohne Aufpreis

Als 1,6-Liter-Benziner (99 kW/135 PS) steht der Carens zwar bereits ab 19.990 Euro in der Preisliste. Wer allerdings kein weißes Fahrzeug haben möchte, muss allein schon 530 Euro Aufschlag für die Metallic-Lackierung einkalkulieren. Kia-Produktmanager Matthias Troge geht ohnehin davon aus, dass die gehobenen Ausstattungsvarianten "Vision“ und "Spirit“ besonders gefragt sein werden.

Der durchzugsstarke Selbstzünder (maximales Drehmoment 331 Newtonmeter), für den der Hersteller einen Normverbrauch von 4,8 Litern ermittelt hat, startet bei 23.990 Euro.

Zudem baut die aufstrebende Hyundai-Schwestermarke in der Kompaktklasse auch noch die im vergangenen Jahr eingeführte Ceed-Baureihe mit dem coupéhaften "Pro_Ceed“ aus. Auch mit dem sportlich-dynamischen Zweitürer will Kia ein optisches Ausrufezeichen setzen. Gekrönt wird das Fahrzeug im Juni noch durch eine GT-Version mit 150 kW/204 PS. Martin van Vugt schwärmt jetzt schon: "So etwas gab es bei Kia noch nie.“

Bernd Nusser