Mit einer neuen Motorengeneration erfüllt der Fuso Canter die Euro-5-Norm. Nun soll das deutsche Händlernetz für den „Welt-Lkw" ausgebaut werden.

Mitsubishi-Händler verkaufen ihn mit gutem Erfolg, Mercedes-Benz-Partner finden zunehmend Gefallen an dem Produkt. Doch das Objekt der Begierde soll den deutschen Markt weder unter Mitsubishi- noch unter Mercedes-Flagge erobern. Und so müssen sich nun auch europäische Interessenten für den kompakten Lkw Canter an den in Asien bekannten Markennamen "Fuso" gewöhnen.

2001 stieg Mercedes-Benz bei der japanischen Nutzfahrzeug-Sparte ein, seit 2006 halten die Schwaben 85 Prozent der Anteile an der Mitsubishi Fuso Truck and Bus Corporation (MFTBC). Doch "mit der Integration und dem Markenaufbau tun wir uns noch ein bisschen schwer", verrät Unternehmenssprecher Heinz Gottwick. „Das braucht alles seine Zeit."

Gegen den Markttrend

Jetzt will Vertriebschef Piotrek Urban mit dem Welt-Lkw in der Klasse zwischen 3,5 und 7,5 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht, der seit 1963 in sieben Generation 3,5 Millionen Mal vom Band lief, auch in Deutschland durchstarten. Nach 1.400 Zulassungen in 2008 lässt der Manager keine Zweifel an seinen Ambitionen aufkommen: "In fünf Jahren sind wir mindestens doppelt so groß."

Das Händlernetz will Urban von derzeit 75 auf 85 Stützpunkte ausbauen. Da schreckt den in Berlin ansässigen Verkäufer auch nicht, dass der europäische Nutzfahrzeugmarkt in diesem Krisenjahr wohl mit minus 40 und das deutsche Geschäft mit minus 26 Prozent abschneiden wird.

Erfolgreicher Laster

Immerhin ist der Fuso Canter mit weltweit 144.000 verkauften Einheiten der meistverkaufte Lkw im Daimler-Imperium und Fuso die Marke mit den meisten Zulassungen (197.724; 42 Prozent Verkaufsanteil) - noch vor Mercedes-Benz (170.000; 36 Prozent) und Freightliner (104.070; 22 Prozent). In 33 europäischen Ländern wurden 2008 insgesamt 10.201 Einheiten verkauft. Die Europa-Fahrzeuge werden seit 1980 im portugiesischen Tramagal gefertigt.

Ab sofort tritt der preisgünstige Canter (Urban: "Wir liegen im Schnitt 20 Prozent unter den Preisen von Mercedes-Benz") mit einer neuen Motoren-Generation an.

Warum der Weltkonzern die Aggregate ausgerechnet beim härtesten Widersacher Iveco einkauft, bleibt zwar ein Geheimnis. Doch die Ingenieure haben die Antriebseinheit gezielt optimiert, für die Euro 5-Norm ausgelegt und den Verbrauch damit um fünf bis acht Prozent gegenüber dem Vorgänger reduziert.

Für jeden Einsatzzweck

Daimler-Lkw-Chef Andreas Renschler verspricht den Kunden nichts Geringeres als "einen der modernsten, technisch fortschrittlichsten und umweltfreundlichsten Leicht-Trucks." Der 3,0-Liter-Motor steht in den Varianten mit 96 kW/130 PS (3,5 bis 5,5 Tonnen), 107 kW/145 PS (3,5 bis 7,5 Tonnen) und ab Februar 2010 mit 129 kW/175 PS (6,5 und 7,5 Tonnen) zur Wahl.

Mit vier Kabinenvarianten und einem großen Angebot der Aufbau-Hersteller ergibt sich ein Programm für jeden Einsatzzweck. Partikelfilter und ABS sind serienmäßig an Bord. Für den Top-Motor wird Blue Tec angeboten.

Bernd Nusser