2016 ist ein einschneidendes Jahr im Leben von Wilfried Hollmann. Gleich zwei Posten, die er jahrelang geprägt hat, werden von anderen Inhabern ausgefüllt. 

Wilfried Hollmann steht ab diesem Sommer möglicherweise vor einem Problem: Er hat für seine Verhältnisse unendlich viel freie Zeit. Denn innerhalb eines Jahres hat eine prägende Figur des deutschen Einzelhandels zwei Posten abgegeben. Im Mai zog er sich als Präsidenten des Mittelstandsverbundes zurück; nach neuen Jahren im Amt löste ihn ANWR-Chef Günter Althaus ab. 

Gut sechs Wochen später die nächste Zäsur in Hollmanns Leben: Er gibt den Posten des Vorstandsvorsitzenden der Apothekergenossenschaft Noweda ab - satzungsbedingt aus Altersgründen. Mit nun 66 Jahren übergibt er an Michael Kuck (57), den der Noweda-Aufsichtsrat einstimmig als Hollmanns Nachfolger bestimmt hat. Zum 1. Januar 2017 übernimmt Kuck offiziell.

Noweda zum Erfolg geführt

Seit 2005 führte Hollmann die Noweda mit Sitz in Essen, einer der großen fünf Spieler im Apothekengroßhandel. Als Hollmann den Vorstandsvorsitz übernahm lag der Umsatz der Kooperation bei 1,9 Milliarden Euro - mittlerweile sind es 5,5 Milliarden. Die Mitgliederzahl wuchs von 6.145 auf 8.700 Apotheker. "Nur die Noweda kann die Interessen der inhabergeführten Apotheken uneingeschränkt vertreten, weil die Apotheker die Eigentümer sind. Daher müssen Interessen von Aktionären, Gesellschaftern oder Investoren kein Gehör finden", sagte Hollmann einmal im Interview mit Der Handel.

Hollmann sah sich immer als Kämpfer für die inhabergeführte Apotheke, die er als maßgeblichen Versorger der Konsumenten mit Arznei sowie medizinischen Rat sah. Dass Deutschland zuviel Apotheken habe, dass die Branche wettbewerbsresistent sei, hat er stets vehement bestritten. Vielmehr beklagte er die Verdienstmöglichkeiten von Apotheken, die entgegen der landläufigen Meinungen schlecht sei. "Apotheken werden für ihre Leistungen, die sie für die Gesellschaft erbringen, nicht angemessen vergütet. Wenn die Apotheken für eine qualitativ hochwertige Arzneimittelversorgung im Auftrag des Staates von diesem innerhalb von zehn Jahren eine Honorarerhöhung von lächerlichen 5 Prozent erhalten, kann man nur den Kopf schütteln."

Mehr Zeit für Werder Bremen

Mit 66 Jahren gleitet Hollmann nun in den Ruhestand, aber auf ein stilles Leben als Pensionär sollte man sich bei ihm nicht gefasst machen. "Noweda ist mein Leben", hatte er einmal gesagt - und das lässt erkennen, mit welcher Wucht dieser Mann seinen Job erledigt hat. Diese Energie wird sich neue Betätigungsfelder suchen.

Vielleicht in seiner von ihm stets gepriesenen Heimatstat Münster in Westfalen, bestimmt bleibt ihm jetzt mehr Zeit für seine große Leidenschaft: den SV Werder Bremen. Am 26. August beginnt die neue Saison in der Fußball-Bundesliga - mit der Partie Bayern München gegen Werder. Dass Hollmann sich dieses Spiel nicht entgehen lässt, ob am Fernseher oder sogar in der Münchner Arena, dürfte klar sein. Er hat ja jetzt Zeit.