Der deutsche Einzelhandel leidet an der wirtschaftlichen Großwetterlage und hausgemachten Problemen, sagt eine Studie der IKB-Bank.

Die Belebung der Binnennachfrage ist weiterhin schleppend, die Sparquote steigt, die Preise leider auch und die Kaufkraft driftet immer weiter auseinander: Die Zukunftsaussichten sind alles andere als rosig für den deutschen Einzelhandel, ist Johannes Sausen, Volkswirt bei der IKB Deutsche Industriebank, überzeugt. Vor allem kurzfristig sind die Aussichten wieder stark eingetrübt, sagt er im Gespräch mit Der Handel.

Umsatzminus erwartet

Für das Jahr 2008 prognostiziert der Ökonom ein Umsatzminus von real mindestens 1,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Und Besserung ist nicht wirklich in Sicht, denn: "Die Strukturverschiebungen beim privaten Verbrauch, die aktuell durch die steigenden Preise wie Energie und Benzin beschleunigt werden, gehen stark zulasten des Einzelhandels", sagt Sausen.

2012 werde der Anteil des Einzelhandelsumsatzes nur noch 26,7 Prozent ausmachen, im Jahr 2020 vermutlich nur noch 25 Prozent. Zum Vergleich: Im Jahr 1998 lag der Anteil immerhin noch bei knapp 33 Prozent.

Produktivität sinkt

Während die Flächenexpansion weitergeht, nimmt die Produktivität weiter ab: Mit 1,4 Quadratmeter je Einwohner ist die Verkaufsfläche hierzulande im Vergleich mit Frankreich (ein Quadratmeter) und Großbritannien (1,1 Quadratmeter) recht üppig bemessen.

Grafiken zur Studie
Grafiken zur Studie
Doch die europäischen Nachbarn setzen auf der Fläche deutlich mehr um: In Frankreich "bringt" ein Quadratmeter 5.700 Euro Umsatz, in Großbritannien 5.400 Euro. In Deutschland prognostizieren die IKB-Ökonomen hingegen gerade einmal ein Umsatz von rund 3.200 Euro im Jahr 2010. "Das ist eine fatale Situation, denn die Flächenproduktivität ist schließlich der entscheidende Ertragshebel", so Sausen.

Insolvenzgefahr steigt

Das durchschnittliche Jahresergebnis vor Steuern sieht der IKB-Ökonom bei 3 Prozent: "Das bedeutet, dass 25 Prozent der Händler aktuell ohne Gewinn sind", sagt der Volkswirt. Und Entwarnung gibt es nicht: "Mittelfristig sehen wir keine nachhaltige Verbesserung der wirtschaftlichen Situation im Einzelhandel."

Die Folge ist eine steigende Insolvenzgefährdung: "Die aktuellen Beispiele wie Wehmeyer, Hertie oder SinnLeffers sind nur die Spitze des Eisbergs", warnt der Handelsexperte. Die Zahl der „leisen" Marktaustritte sei ohnehin auf einem hohen Niveau. "Mehr denn je sind also im Einzelhandel stimmige Konzepte gefragt."