Die Geschichte hinter dem Startup PhraseApp hätte eine PR-Agentur nicht besser erfinden können. Die Gründer erhalten einen fast unmöglich erscheinenden Auftrag, lösen ihn gemeinsam und herauskommt ein neuer Ansatz für die Lokalisierung von Inhalten und ein erfolgreiches Unternehmen.

Tatsächlich haben Frederik Vollert, Wolfram Grätz und Tobias Schwab bereits 2009 ein Unternehmen gegründet, das Startups in Sachen Softwareentwicklung behilflich war. Darunter auch das zu Rocket gehörende Wimdu. Binnen vier Wochen sollte die Plattform in 20 Sprachen übersetzt werden. Die drei entwickelten eigene Tools und Lösungen für das Problem und brauchten zwei Monate für die Lokalisierung. Und hatten die grundlegenden Ideen von PhraseApp in der Tasche.

Lokalisierung - ein unterschätztes Thema

Eine (möglichst) fehlerfreie und vollständige Übersetzung ist die Grundlage für den Erfolg im grenzüberschreitenden Handel. Denn der Kunde aus dem Ausland möchte nicht über aus seiner Sicht fremdsprachliche Begriffe stolpern. Ein Sprachenmix wirkt selten vertrauenserweckend und führt im ungünstigsten Fall zum Abbruch.

Was in der Theorie sehr einfach klingt, ist in der Praxis eine doch komplexe Herausforderung, die noch größer wird, wenn das zu übersetzende Produkte oder Portal noch in der Entwicklung steckt. Denn dann haben sich die originalsprachlichen Texte vielleicht bereits schon wieder geändert, noch bevor die Übersetzung der ersten Version fertiggestellt wurde. Bis zur endgültigen Lokalisierung folgt die Übersetzung in aller Regel mehreren Zyklen von Bearbeitung, Kontrolle und Überarbeitung. Und um die Aufgabe zu lösen, bedienen sich Agenturen und Entwicklern gar nicht selten seltsamer eigener Konstruktionen auf Excel-Basis, um eine Beziehung zwischen Original und Übersetzung herzustellen.

Der In-Kontext-Editor ermöglicht die Übersetzung direkt am Objekt
Der In-Kontext-Editor ermöglicht die Übersetzung direkt am Objekt

Und genau diese Prozesse erleichtert PhraseApp.

Übersetzungen on the Fly

Gut, ein neues Übersetzungswerkzeug zu entwickeln, kommt zwar nicht so häufig vor, ist aber noch nicht sonderlich berichtenswert. Wenn es sich um ein Unternehmen aus Deutschland handelt, das völlig ohne Risikogeldgeber auskommt, seine Dienste als Webanwendung anbietet und gleiche viele Branchenriesen als Kunden an Land ziehen konnte, wird es schon interessanter. Und das liegt unter anderem an den vielen Möglichkeiten, die PhraseApp zur Integration bietet.

Es sind eine Reihe von Faktoren, die PhraseApp für Agenturen und große E-Commerce-Anbieter interessant machen:

  • Unterstützung einer Vielfalt an aktuellen Datenformaten aus unterschiedlichen Entwicklungsumgebungen und Bibliotheken. In welcher Umgebung oder Programmiersprache die Anwendung auch entsteht. PhraseApp scheint das Format zu unterstützen.
  • Arbeitet im Browser, kommt also ohne die Installation eines komplexen Systems aus. Die Sprachdateien lassen sich direkt online bearbeiten und das auch im Team.
  • Integration in eigene Projekte dank API. Dank einer umfassend dokumentierten API kann der Service in eigene Projekt integriert werden. Damit werden beispielsweise individuelle Workflows möglich.
  • Innovativer In-Kontext-Editor: Eine Website oder einen Shop direkt im Shop übersetzen? Das geht! Der In-Kontext-Editor kann relativ problemlos in beliebige Web-Frameworks integriert werden. Und anschließend wird dann tatsächlich direkt am Objekt übersetzt.
  • Interessantes Preismodell: Abgerechnet wird wie immer am Schluss, aber die Preise von PhraseApp richten sich nach der Anzahl der verwalteten Wörter. 20.000 Wörter (und das ist eine Menge Text) sind ab 19 Euro pro Monat zu bekommen. Denn dabei sollten Sie bedenken, dass Sie mit einem System wie diesem ja nicht Artikelbeschreibungen übersetzen und verwalten, sondern sichtbare Bedienelemente eines Shops.

Achja: Wem es an Übersetzern für die Zielsprache mangelt, dem vermitteln die Betreiber auch tatkräftige Unterstützung.