Beim Händler "Kauf Dich Glücklich" ist der Name Programm. Das Berlin-Gefühl aus Shoppen, Sozialkontakten und hausgemachter Eiscreme funktioniert auch in anderen Städten.

Die ehemaligen Berliner Designstudenten Andrea Dahmen und Christoph Munier sind bekennende Flohmarkt-Junkies. Doch irgendwann wurde es mit den gesammelten 50er-Jahre-Möbeln zu eng in ihrer Wohngemeinschaft. "Also hatten wir die Idee, die Möbel zu verkaufen und dafür etwas eigenes zu starten", erinnert sich Christoph Munier. "Und da ein Freund unglaublich gute Eiscreme selbst macht, haben wir 2002 Räume am Prenzlauer Berg angemietet, die Möbel reingestellt und Eis verkauft."

Der durchaus ironisch gemeinte Name des Ladens "Kauf Dich Glücklich" wurde beim Abwasch gemeinsam überlegt. Die Mischung aus Möbelladen, Eiscafé, Trödel, Schmuck, Sonnenbrillen und Spielzeug aus den 50er- bis 70er-Jahren ebenfalls: "Langsam drehende Produkte wie Möbel und schnelldrehendes Eis sind ein gutes Mischkonzept", ist Munier überzeugt. "Denn die Leute müssen nichts kaufen und halten sich doch gerne für eine Waffel und eine Tasse Kaffee bei uns auf. Sie haben das Gefühl, dazuzugehören. Und genau so einen Treffpunkt wollten wir schaffen."

Deutschlandweite Expansion

Inzwischen sind Kleidung und Bücher dazugekommen - und es gibt einen zweiten Laden in Berlin. 2006 expandierte "Kauf Dich Glücklich" zudem nach Bremen, 2008 nach Münster und Stuttgart, 2009 kam Hamburg dazu und seit Mai dieses Jahres gibt es einen Laden in der Düsseldorfer Altstadt. "Wir wollen das Berlin-Gefühl in die ganze Republik transportieren", so Munier.
 
Und das funktioniert auch in Lagen, bei denen so mancher Unternehmensberater vermutlich verzweifeln würde: "Die Läden sind oft an ungewöhnlichen Orten", erläutert Andrea Dahmen. "In Stuttgart beispielsweise befinden sich zwei Drittel der Verkaufsfläche unter der Erde, in Bremen muss man eine Treppe hochgehen, um das Geschäft zu betreten und in Hamburg muss dazu ein langer Flur durchquert werden." Allen Läden ist gleich, dass sie einen hellrosa Boden haben, mit 50er-Jahre-Möbeln dekoriert sind und Spielzeug in Gläsern verkaufen.

Läden nie ganz fertig

Franchise oder Lizenzen kommen für die Händler-Gastronomen nicht infrage: "Wir wollen alles selbst machen, was allerdings dazu führt, dass wir in keinem Laden so richtig fertig werden", berichtet Munier. "Zudem verkaufen wir die Möbel. Wenn also jemand an einem Tisch sitzt und seinen Kaffee trinkt, kann es schon mal sein, dass er den Platz wechseln muss, weil wir den Tisch verkauft haben."

Zu dem Berlin-Gefühl à la Dahmen und Munier gehört auch ein gewisser Spaßfaktor für die rund 75 Angestellten. "Wir möchten, dass sich die Arbeit auch für unsere Mitarbeiter nicht nach Arbeit anfühlt", so Munier. Und auch wenn sich das Konzept chaotisch anhört, sei es doch auch wirtschaftlich erfolgreich: "Sowohl wir als auch unsere Mitarbeiter können ganz gut davon leben."

Sybille Wilhelm

Der Beitrag ist in der Oktober-Ausgabe des Wirtschaftsmagazins Der Handel erschienen.
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