Über eine Fusion von Karstadt und Kaufhof wird schon lange spekuliert. Doch ist eine solche Deutsche Warenhaus AG überhaupt sinnvoll? Und welche Folgen würde eine Fusion für die Beschäftigten haben?

Karstadt-Chef René Benko will Medienberichten zufolge auch noch den Konkurrenten Kaufhof übernehmen. Eine Elefantenhochzeit unter den beiden letzten großen Warenhausketten würde die Handelslandschaft in Deutschland verändern. Doch bislang sind alle Anläufe zur Gründung einer Deutschen Warenhaus AG gescheitert.

Was plant der Karstadt-Chef?
Medienberichten zufolge will René Benko Kaufhof und Karstadt fusionieren. Es entstünde eine Art Deutsche Warenhaus AG. Die Idee an sich ist nicht neu. Ähnliche Pläne hatte schon der frühere Chef des Karstadt-Mutterkonzerns Arcandor Thomas Middelhoff 2008. Auch der bislang vorletzte Karstadt-Eigentümer Nicolas Berggruen versuchte 2011 eine gemeinsame Warenhaus-Kette zu schmieden. Alle Anläufe scheiterten jedoch bisher.

Was spricht für eine solche Elefantenhochzeit?
Vor allem der harte Wettbewerb, mit dem sich die Warenhausketten konfrontiert sehen. Die Konkurrenz von Online-Händlern wie Zalando, von preisaggressiven Modeanbietern wie H&M oder Primark, von Einkaufszentren und der wachsenden Zahl von Markenshops hat die Marktanteile der Warenhäuser in den vergangenen Jahren immer mehr schrumpfen lassen. Nach Einschätzung von Karstadt-Chef Stephan Fanderl würde es eine Fusion einfacher machen, auf die sich ändernden Bedürfnisse der Kunden zu reagieren und mehr zu investieren. Doch auch die gesteigerte Einkaufsmacht einer Deutschen Warenhaus AG würde wohl die Position im Wettbewerb verbessern.

Ist der Kaufhof-Mutterkonzern Metro überhaupt bereit, seine Warenhauskette zu verkaufen?
Im Prinzip ja. Der Handelsriese zählt die Kaufhof-Warenhäuser schon lange nicht mehr zu seinem Kerngeschäft, weil die Sparte zu wenig Wachstumspotenzial hat und nicht wirklich internationalisierbar ist.  Voraussetzung für einen Verkauf sei aber, dass ein potenzieller Käufer "einen angemessenen Preis, eine solide Finanzierung und ein schlüssiges Zukunftskonzept vorlegt", betonte das Unternehmen am Mittwoch.

Ist Benko der einzige Interessent?
Offenbar nicht. Die Metro erklärte selbst, dass es "in diesem Kontext verschiedene Gespräche" gebe. Als möglicher weiterer Interessent gilt Medienberichten zufolge der kanadische Handelsriese Hudson's Bay.

Was würde ein Verkauf für die Mitarbeiter bedeuten?
Zumindest auf den ersten Blick nichts Gutes. "Bei einem Zusammenschluss sind Entlassungen sehr wahrscheinlich", meint der Handelsexperte Thomas Roeb. Schließlich gebe es dann eine Unternehmenszentrale und wohl auch etliche Kaufhäuser zu viel. Doch betont er auch: "Ohne einen Zusammenschluss könnte es noch viel schlimmer kommen." Alleine werde es Karstadt schwer fallen, wieder auf die Beine zu kommen.

Würde es denn keine Probleme mit dem Kartellamt geben?
Wahrscheinlich nicht. Karstadt und Kaufhof haben nach Einschätzung des Handelsexperten in keinem Produktbereich auch nur annähernd eine kartellrelevante Marktposition.

Was kommt auf die Kommunen mit Karstadt- und Kaufhof-Filialen zu?
Vor allem in Orten, wo Kaufhof und Karstadt fast Tür an Tür liegen, könnte es bei einem Zusammenschluss natürlich zu Schließungen kommen. Wie gravierend sich das dann auf die Nachbarschaft auswirkt, hängt nach Einschätzung des Handelsexperten Roeb allerdings ganz von der Attraktivität des Standorts ab: "In den größeren Städten werden sich geschlossene Warenhausstandorte relativ unproblematisch neu vermieten lassen", glaubt er. Schwieriger könne es in kleineren Kommunen werden.