Der Schmähpreis "Plagiarius" bestraft Hersteller oder Vertreiber von dreisten Produktfälschungen. Diesmal belegte Platz eins ein Werkzeug-Nachmacher. Aber auch ein deutsches Renommierunternehmen sieht sich Plagiatvorwürfen ausgesetzt.

Immer Mitte Januar demonstrieren auf der Messe "Ambiente" die Konsumgüterhersteller aus aller Welt die Ergebnisse ihrer Schaffenskraft. Und diese Schau ist auch ein wichtiger Termin für den Frankfurter Zoll. Dreißig Beamte sind etwa an diesem Freitag unterwegs, unterstützt von der Staatsanwaltschaft und Original-Herstellern, um in den Messehallen nach Anbietern von Produktfälschungen zu suchen. Und jedes Jahr sind sie erfolgreich. Allein heute fanden die Ermittler bei sieben Ständen Produkte, die mehr oder weniger gut kopiert worden sind.

Es gehört auch zur Tradition der "Ambiente", dass das Problem der Produktfälschungen ins öffentliche Licht gerückt wird. Mit dem Schmähpreis "Plagiarius" werden die dreistesten Ideendiebe ausgezeichnet. Eine Art Trostpreis, wenn man so will, bekommen die Unternehmen, die für die Originale stehen.

70 Prozent der Plagiate kommt aus China und Hongkong

Zum 39. Mal wurde an diesem Freitag der "Plagiarius" vergeben - und es gibt keine Anzeichen dafür, dass im Jahr 2016 mit der vierzigsten Auflage ein Jubiläum gefeiert werden kann. Oder muss, wie man eher sagen sollte. Denn die wirtschaftliche Wucht der Fälscherindustrie ist nach wie vor enorm.

Allein 2013 haben die Zollbehörden der Europäischen Union (EU) an den Außengrenzen der EU knapp 36 Millionen rechtverletztende Produkte im Wert von rund 760 Millionen Euro beschlagnahmt, wie die Aktion Plagiarius mitteilt, die den Schmähpreis vergibt. Fast 80 Prozent der Waren stammten aus China und Hongkong. Rund 70 Prozent der Aufgriffe betrafen demnach Post- und Kurierpakete von privaten Onlinebestellungen.

Selbst Rosenthal sieht sich Vorwürfen ausgesetzt

Dass so gut wie alles gefälscht wird, war auch bei der Preisverleihung in Frankfurt zu sehen. Parfüm, Küchnenschneidegeräte, Käsereibe aus Plastik - das Angebot ist kunterbunt. Den ersten Preis gewannen in diesem Jahr zwei Heißluftgebläse der Firma Steinel aus Herzebock-Clarholz. Die optisch kaum zu unterscheidende Fälschungen der Produkte wurden von der chinesischen Firma Shenzen Jin Xiong of internal und external Electronic Tools C. Ltd. vertrieben.

Dass Nachmachen aber nicht nur im Fernen Osten praktiziert wird, beweist der Preis für die Firma Wunasia Handelsgesellschaft aus Wunsiedel, die 16 Jahre Handelspartner war vom renommierten deutschen Porzellanhersteller Rosenthal aus Selb in Bayern. Und nun beklagt Wunasia, dass Rosenthal porzellane Engelsfiguren kopiert hat, die eigentlich in Wunsiedel entworfen worden sind. Rosenthal ist sich keiner Schuld bewusst. "Rosenthal kopiert nicht, sondern wird kopiert", richtete das Unternehmen aus. Einen Plagiarius, einen schwarzen Zwerg mit goldener Nase, muss es trotzdem in Kaufnehmen.

Lob für Ebay

Freilich wären die Kopien wertlos, wenn nicht deren Vertrieb funktionieren würde. Und hier spielt das Internet eine große Rolle. Das chinesische Onlinekaufhaus Alibaba gilt als bestes Absatzportal für Fälschungen. Originalhersteller stehen auf verlorenem Posten, wenn sie für ihr jeweiliges Produkt keine Schutzrechte für den chinesischen Markt erworben haben. Doch so etwas ist für ein mittelständisches Unternehmen schwer zu bezahlen. Eine mittlere fünfstellige Summe koste so etwas, berichtete Stephan Koziol, Geschäftsführer des gleichnamigen Unternehmens aus Erbach im Odenwald, das erfolgreich originelle Haushaltsgegenstände aus Plastik herstellt und seit Jahren unter Produktpiraterie zu leiden hat. Auch an diesem Freitag waren Koziol-Produkte unter den Preisträgern.

Bei Alibaba Deutschland gestalte sich die Nachverfolgung leichter, betonte Aliki Busse, Markenrechtsjuristin und Tochter des "Plagiarius"-Erfinders Rido Busse. Vorbildlich hingegen sei Ebay, hier gelinge es innerhalb von nur zwei Stunden, nachgemachte Produkte von der Website zu verbannen.

Aber ohne Schutzrechte geht auch hierzulande nichts. Nur ist der Preis dafür niedrig: 90 Euro kostet ein Schutzrecht für Deutschland, 350 innerhalb der EU. So ein Investment schützt zwar nicht davor, nachgemacht zu werden. Aber es ermöglicht einen erfolgreichen Kampf gegen den Ideendieb.

Eine Bildergalerie mit allen prämierten Fälschungen finden Sie hier.

Steffen Gerth, Frankfurt