Der Vorstandschef der Rewe Group, Alain Caparros, sprach Klartext bei der Auftaktrede des Peak-Symposiums.

„Damals dachte ich: Die Rewe ist doch eine alte Tante, ein staubiges Unternehmen, das für eine 80-jährige Geschichte steht."

Caparros führte 2003, als damaliger Vorstandssprecher der schweizerischen „Bon Appetit Group", die Verkaufsgespräche mit dem seinerzeitigen Rewe-Chef Hans Reischl. Heute ist er selbst Vorstandsvorsitzender der Rewe Group. Er verpasst dem Unternehmen neue Strukturen, verlagert Verantwortung von der Zentrale in die Business Units.  Caparros: „Die Kunst der Kooperation beginnt im eigenen Unternehmen. Früher waren für Erfolge alle, für Misserfolge keiner verantwortlich. Heute ist das anders."

„Vor einem Jahr drohte uns die Heuschreckenplage. Da haben wir erfahren, wie wichtig der genossenschaftliche Verbund und der gemein-same Zusammenhalt sind."

Der Finanzinvestor KKR versuchte Anfang 2007, Kapitalanteile der Rewe Group zu übernehmen. Der Angriff wurde gemeinsam abgewehrt, in ihrer „Travemünder Deklaration" bekannten sich Vorstand, Aufsichtsrat, Anteilseigner und Kaufleute zur genossenschaftlichen Struktur des Unternehmens. Caparros: „Alle Organe und Mitglieder verpflichteten sich damit, die Rewe in allen ihren wesentlichen Bestandteilen zu erhalten und weiterzuentwickeln."

„Groß hilft Klein, Reich hilft Arm: Das ist auch in der globalisierten Wirtschaft kein naives Geschäftsprinzip. Wir hinterlassen keine gescheiterten Existenzen."

Im Rewe-Partnerschaftsmodell, Herzstück der Gruppe, sind in Deutschland 860 Partner mit über 1.000 Märkten organisiert. Die Rewe Group bietet jungen Kaufleuten die Chance, mit 20 Prozent Eigenkapital selbstständig zu werden. Für das 80-prozentige Darlehen haftet die Gruppe unbeschränkt. Caparros will die Privatisierung im In- und Ausland weiter vorantreiben. Der Rewe-Chef: „Wir müssen den Spirit der Selbstständigkeit fördern, entwickeln und pflegen."

„Die Jahresgespräche mit der Industrie sind reine Lügenveranstaltungen. Man bekriegt sich, und wir im Handel sind daran mitschuldig."

Wenn in der öffentlichen Berichterstattung von der Absatzmacht des Handels gesprochen wird, verweist Caparros auf die Umsatzrenditen: Sie liegen im Handel zwischen 2 und 4 Prozent, Konsumgüterhersteller wie Unilever oder Nestlé dagegen erzielen zweistellige Umsatzrenditen. Der Rewe-Chef: „Wir bekriegen uns, aber wir müssen zusammenarbeiten. Die Industrie muss verstehen, dass der Handel nicht beliebig an der Preisschraube drehen und auf Renditepunkte verzichten kann."

Klaus Manz