Tablets sollten in jeder E-Commerce-Strategie eine wichtige Rolle spielen. Aber über welche Apps spricht man die mobilen Nutzern am besten an? Über native Apps, die schnell und einfach auf dem jeweiligen Gerät installiert werden können, weil sie quasi ein Anwendungsprogramm dafür darstellen? Oder über mobile Web-Apps, die nicht auf dem Gerät installiert, sondern über den Webbrowser abgerufen werden? Christian Henschel, CEO und Mitgründer des Tracking-Unternehmens Adjust, plädiert klar für native Tablet-Apps. In einem Gastbeitrag für etailment erklärt er seine Gründe.

In einer unserer aktuellen Untersuchungen über das durch unseren mobilen Analytics- und Business-Intelligence-Service erfasste Nutzungsverhalten von Millionen von App-Nutzern haben wir den verwendeten Gerätetypen besondere Aufmerksamkeit geschenkt.  Interessanterweise hat sich gezeigt, dass der Großteil der iPads immer noch ausschließlich über WLAN genutzt wird. Genaugenommen: ungefähr zwei Drittel. Das ist überraschend. Mobilfunkbetreiber versuchen seit langem, Nutzer davon zu überzeugen, zusätzliche Daten-Tarife für ihre iPads zu kaufen. Diese Pläne würden den Nutzern uneingeschränkte Konnektivität von egal wo aus ermöglichen. Die Nutzer haben jedoch deutlich zu erkennen gegeben, dass eine Internetnutzung per WLAN für die meisten von ihnen ausreichend ist.

 

Dieses Ergebnis unterstreicht die Dominanz von Native Apps und den Trend weg von HTML5- und hybriden Anwendungen. Herausragende HTML5-basierte mobile Nutzererlebnisse sind vollständig an eine stabile Wireless-Netzwerkverbindung gebunden - das immer noch große Manko der Mobilfunknetze. Daher überrascht es nicht, dass sich sowohl LinkedIn als auch Facebook von HTML5-App-Strategien abgewandt haben und stattdessen auf native Anwendungen setzen. Diese Analytics-orientierten Unternehmen haben genau wie wir herausgefunden, dass die Nutzer Native Apps den HTML5-Seiten vorziehen.

 

Für Publisher im Bereich E-Commerce, die sich der nativen App-Welt gegenüber etwas zögerlich zeigen, sollte dies als weiterer Hinweis dafür dienen, dass auf native Apps für Tablets nicht verzichtet werden sollte, wenn sie ihre wichtigsten Kunden nicht verlieren wollen. Merkwürdigerweise haben die meisten Einzelhändler noch keine eigenen Apps programmiert.  Und das, obwohl Nutzer über alle Plattformen hinweg deutlich mehr Native Apps als HTML5-Web-Anwendungen nutzen. Demzufolge dürften sogar die meistverkauften Anwendungen für Tablets der letzten Saison nur einen kleinen Vorgeschmack darauf geben, was die Einzelhändler bezüglich Nachfrage und Ausgaben erwarten können, wenn sie glaubwürdige native Apps für Tablets zur Kundenbindung auf den Markt bringen.

 

Was lassen sich die Publisher entgehen, die keine Native Tablet-Apps haben? Indem wir vergleichen, wie Käufer mit mobilen Webseiten - von denen die meisten jedoch nicht für Tablets optimiert wurden - interagieren, lassen sich ungefähre Schätzungen diesbezüglich anstellen. Aus der zusammengefassten Studie von Thomas Tunguz lässt sich ableiten, dass die Konversionsraten von Tablet-Usern 300 Prozent über den Konversionsraten von Smartphone-Nutzern liegen. Diese Tablet-Nutzer bringen 65 Prozent mehr Transaktionen mit 14 Prozent  mehr Volumen. Und das, obwohl der Traffic der Tablet-Nutzer nur 60 Pro8zent des Datenverkehrs der Smartphone-Nutzer beträgt. Letztendlich geht Tunguz davon aus, dass der durchschnittliche Tablet-Nutzer 3,5-mal so viel wert ist wie der durchschnittliche Mobiltelefon-Nutzer.

 

Andere Studien belegen dies ebenfalls. Eine amerikanische Untersuchung über den Verkehr von Affiliate-Links zeigte, dass die Konversionsraten von Smartphones auf CyberMonday 2013 ein Rekordniveau von 3,66 Prozent erreichten. Diese Zahl blieb jedoch weit hinter der zum gleichen Zeitpunkt gemessenen Konversionsrate von 8,7 Prozent für Tablets zurück. In der letzten Weihnachtszeit wurden mehr als doppelt so viele Käufe über Tablets getätigt als über Smartphones. Und dabei muss man noch bedenken, dass die Nutzung von Tablets momentan schneller ansteigt als die Nutzung von Smartphones.

 

Natürlich können Tablet-Nutzer nur neue Apps kaufen, solange sie mit dem Internet verbunden sind. Aber die zielgerichtetere Ansprache und Bindung über Native Apps auf Tablets lässt Bedenken über die Anforderungen hinsichtlich Konnektivität schnell in den Hintergrund treten. Und letzten Endes sind diese Apps die meiste Zeit über mit dem Internet verbunden. Und was ist das Fazit? Einzelhändler sollten ihr Angebot an Tablet-Apps überdenken und gegebenenfalls neue Wege beschreiten, wenn sie sich nicht die Kunden mit der größten Kaufbereitschaft entgehen lassen möchten.