Das kleine Weiterstadt in Hessen hat in der ­Peripherie eine gewaltige Einzelhandelsagglomeration geschaffen - mit dem Shoppingcenter Loop5 an der Spitze. Allerdings verödet die Innenstadt.

Nein, sagt Christiane Worgull, einen Umsatzrückgang habe sie noch nicht hinnehmen müssen. Seit gut 15 Jahren gibt es ihr Geschäft Optik 26 in Weiterstadt. Doch seit Oktober 2009 hat die Optikerin zwei Konkurrenten in der Nähe, die einem kleinen Fachgeschäft normalerweise große Sorgen bereiten.

Im neuen Einkaufszentrum Loop5 haben sich mit Fielmann und Apollo-Optik zwei Filialisten angesiedelt, die den Brillenmarkt in Deutschland dominieren. Bei Optik 26 habe es aber bisher keine Kundenabwanderung gegeben, versichert Christiane Worgull und sagt: "Eine Brille kauft man nicht im Vorbeigehen."

Wirtschaftsstandort Weiterstadt

Das Loop5 ist ein neues Wahrzeichen von Weiterstadt, das andere ist der Megamarkt von Möbelhändler Segmüller auf der anderen Seite der Autobahn A 5.

Es spricht wenig für eine Stadt, wenn Einkaufszentren auf der Grünen Wiese die Hauptattraktionen sind. "Ein Kurort sind wir nicht, aber ein Wirtschaftsstandort", sagte Bürgermeister Peter Rohrbach der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Und er ist froh, dass seine südhessische Stadt nicht mehr nur mit dem als "Luxusknast" verpönten Gefängnis in Verbindung gebracht wird.

Läden im Überfluss

Heute steht Weiterstadt mit seinen nur 24.000 Einwohnern für eine einzigartige Ansammlung von Einzelhandelsgeschäften: Kölle Zoo, Media Markt und Shoe4You sind nur drei weitere der vielen Anbieter in der Peripherie. Eigentlich muss ein Weiterstädter niemals seine Stadtgrenzen verlassen, um einzukaufen - er hat Läden im Überfluss. Nur in der Innenstadt nicht mehr.

Selbst Lebensmittelgeschäfte finden sich nur noch am Stadtrand, sind aber schnell zu erreichen, wie Bürgermeister Rohrbach betont. Trotzdem würde er sich über die Ansiedlung eines Rewe-Nachbarschaftsmarktes in der City freuen.

Eine Bereicherung

Der Einzelhandel findet vor allem in der Darmstädter Straße statt - eine laute Ost-West-Achse, die zum Einkaufen nicht einlädt. Es habe hier einen Wandel zu Dienstleistungsbetrieben gegeben, sagt Rohrbach. Wer kritisiert, dass der Weg zu den Geschäften am Stadtrand für alte Menschen beschwerlich ist, den verweist der Bürgermeister auf städtische Seniorenbusse. Zweimal in der Woche befördert so ein Transporter die Rentner kostenlos ins Gewerbegebiet.

Auch der Vorsitzende des örtlichen Gewerbevereins schwärmt von der Koexistenz mit den Handelsgrößen. "Das Loop5 ist eine Bereicherung für Weiterstadt", sagt Peter Klink. Dass inhabergeführte Laden am Ort schließen, begründet er mit den fehlenden Nachfolgern, großflächiger Handel ist für ihn zeitgemäß.

Schlimmer vorgestellt

"Die Leute wollen mit dem Auto bis vor die Geschäfte fahren." Dass dieses Einkaufsverhalten Weiterstadt seit der Loop5-Eröffnung samstags oft einen Verkehrsinfarkt beschert, bedauert der Gewerbevereinsvorsitzende. "Aber ich habe mir das schlimmer vorgestellt."


Dieser Artikel ist in der Februar-Ausgabe von Der Handel erschienen.
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