Pünktlich zur heißen Phase der sommerlichen Rabattschlacht tut sich etwas bei den Tarifverhandlungen im Einzelhandel. Als erstes haben sich die Partner in Baden-Württemberg geeinigt.

Der Vertrag im Südwesten sei mit Blick auf die Lage der Branche und der Inflation ein „tragfähiger Kompromiss“. Mit genau diesem Ausdruck hatte zuvor ein Sprecher der Gewerkschaft Verdi die Einigung bewertet. Daran könnten sich nun alle anderen Tarifgebiete der Branche orientieren, sagte der Handelsverband Deutschland (HDE).

Im Südwesten bekommen die Beschäftigten im Einzelhandel rückwirkend zum 1. Juli 2,5 Prozent mehr Lohn. Ab 1. April 2016 soll es noch einmal zwei Prozent mehr geben. Außerdem wird die Vergütung der Auszubildenden angehoben. Einen Tag nach dem Abschluss in Baden-Württemberg übernahmen die Tarifpartner im hessischen Einzel- und Versandhandel die Gehaltsvereinbarungen.

„Der Abschluss war hart umkämpft und stellt zugleich die Grenze des Machbaren für die Handelsunternehmen dar“, sagte der Verhandlungsführer der Arbeitgeber, Philip Merten. In ganz Deutschland laufen derzeit Verhandlungen.

Keine Warnstreiks während Schlussverkauf

Dass die Warnstreiks diesmal nicht in die Rabattsaison reichen wie bei der Tarifrunde vor zwei Jahren, dürfte die Händler hoffen lassen. Besonders Modehändler dürfte die Nachricht freuen, vielfach laufen die Sommer-Rabattaktionen bereits. Viele Bekleidungsgeschäfte geben schon jetzt bis zu 50 Prozent Nachlass, obwohl die traditionelle Lagerräumung erst Ende Juli beginnt. Angesichts des schwachen Halbjahrs versuchen viele Händler, das Sommerwetter auszunutzen.

Während der Hitzewelle am vergangenen Wochenende seien die Läden zwar vergleichsweise leergeblieben, sagte der Vizepräsident des Einzelhandelsverbands HDE, Horst Lenk. Die moderaten sommerlichen Temperaturen, die sich inzwischen eingestellt haben, animierten aber zum Einkauf.

Die Margen im Handel sind dünn, der Wettbewerb durch Onlinekonkurrenz verschärft. Die Branche rechnet nach der Prognose des Handelsverbands in diesem Jahr mit einem schmalen Plus von 1,5 Prozent - ähnlich fiel das Wachstum in den vergangenen Jahren aus.