Mehr Jobs plus höhere Löhne ist gleich steigende Kauflaune bei den Verbrauchern. Nach dem fulminanten Weihnachtsgeschäft blickt die Einzelhandelsbranche deswegen optimisch ins Jahr 2011.

Die Deutschen bleiben in Kauflaune: Nach einem erstaunlich gut gelaufenen Jahr rechnen die rund 400.000 Einzelhändler 2011 mit einer Fortsetzung der Shoppingstimmung. Hoffnung macht ihnen die erwartete weitere Entspannung am Arbeitsmarkt sowie das insgesamt gute Wirtschaftsklima. Allerdings müssen die Verbraucher mehr bezahlen für Gesundheit und Sozialversicherung.

Der Handelsverband Deutschland (HDE) erwartet dennoch mindestens eine Eins vor dem Komma bei den Umsatzzuwächsen. 2010 könnte es mindestens ein Plus von 1,5 Prozent sein. Allein das beste Weihnachtsgeschäft seit Jahren ließ die Ladenbesitzer jubeln - dem Winterchaos auf den Straßen zum Trotz.

Teurer Sprit lässt Kauflaune sinken

Die Zeichen stehen nach den Krisenjahren weiter auf Erholung. "Positive Verbraucherstimmung und günstige Rahmenbedingungen sind eine solide Grundlage für 2011", freut sich HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth. Ein Risiko könnte noch die Entwicklung bei den Energiekosten sein. "Wenn Heizöl- und Spritpreise steigen, schlägt das auch auf die Kauflaune."

Wachstumsbranche werde aber in jedem Fall die Unterhaltungselektronik bleiben, da dort immer wieder neue Technik auf den Markt komme, die zum Kaufen anrege. Auch der Möbel- und Einrichtungshandel könnte anziehen. "Das, was sich die Leute Anfang 2010 auf die hohe Kante gelegt haben, fließt jetzt aus den Sparbüchern in den Konsum - für einen neuen Flachbildfernseher oder das Sofa fürs Wohnzimmer", prognostiziert Genth.

Alle Hoffnungen ruhen auf dem Onlinehandel

Wichtiger Impulsgeber sei zudem der Onlinehandel, der auch künftig überproportional wachsen werde: Der Umsatzanteil könnte mit knapp 20 Milliarden Euro im kommenden Jahr schon bei mehr als sechs Prozent liegen, vor zwei Jahren waren es gerade einmal etwas mehr als drei Prozent.

Genth rechnet mit nur wenig "Kannibalisierungseffekten". Das Geschäft im Internet ergänze immer mehr den stationären Handel.

Das Wetter macht, was Händler wollen

Von guten Rahmenfaktoren gehen auch die rund 34.000 Textilhändler aus. Bei höheren Tarifabschlüssen dürfte den Verbrauchern wohl netto mehr in der Tasche bleiben, kalkuliert Siegfried Jacobs, stellvertretender Hauptgeschäftsführer vom Bundesverband des Deutschen Textileinzelhandels (BTE). 2010 werde die Branche mit ihren 330.000 Beschäftigten schätzungsweise rund 57 Milliarden Euro umsetzen und damit ein Plus von gut vier Prozent einfahren.

Das neue Jahr dürfte nicht ganz so stark ausfallen. Ein Wachstum von mindestens zwei Prozent sei aber durchaus drin, betont Jacobs. Im abgelaufenen Jahr habe auch das Wetter gut mitgespielt. "Es war zum richtigen Zeitpunkt warm oder kalt.“

Gestiegene Rohstoffpreise für Baumwolle und synthetische Fasern sowie knappere Produktionskapazitäten in den Herstellerländern in Asien und Lateinamerika könnten sich aber auf die Preise für Textilien niederschlagen. Das dürften die Kunden teils zu spüren bekommen, auch wenn der Handel versuchen werde, die höheren Kosten
nicht weiterzureichen.

Die Kaufkraft steigt - wahrscheinlich

Nach Berechnungen von Marktforschern könnte die Kaufkraft der Verbraucher 2011 im Schnitt um knapp 500 auf fast 20.000 Euro steigen. Die privaten Haushalte dürften nicht nur von den erwarteten höheren Löhnen profitieren, sondern auch von der raschen Erholung der deutschen Wirtschaft, erwartet die Nürnberger Gesellschaft für Konsumforschung GfK. "Das wird auch der Einzelhandel spüren", betont Wolfgang Adlwarth, Geschäftsführer von GfK Panel Services Deutschland.

Die Prognose sei aber mit Risiken behaftet: Eine über 1,7 Prozent liegende Inflation könnte einen Teil des Kaufkraftzuwachses aufzehren. Auch höhere Beiträge für die Kranken- und Arbeitslosenversicherung schmälern das Budget. Mit einem kräftigen Umsatzschub rechnen die Einzelhändler in den kommenden Tagen: Viele Modehändler werden weiter den Rotstift ansetzen, und die günstigen Preise dürften die Verbraucher in die Geschäfte locken.

dpa