Der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels erwartet ein nominales Umsatzminus von zwei Prozent in diesem Jahr - und hofft auf Steuersenkungen nach der Wahl.

Von einer Krise im Einzelhandel kann nach wie vor nicht gesprochen werden, auch wenn die Umsätze dieses Jahr leicht nachgeben haben:  Die Verbraucher gaben von Januar bis Juli 2009 insgesamt 3,8 Milliarden Euro weniger im Einzelhandel aus als im Vorjahreszeitraum, teilte der Hauptverband des Einzelhandels (HDE) am heutigen Mittwoch in seiner Herbstpressekonferenz mit.

Aufgelaufen liegt der Umsatz des Einzelhandels in den ersten sieben Monaten bei 221,7 Milliarden Euro. Im ersten Quartal setzten die Einzelhandelsunternehmen nominal 2,9 Prozent weniger um als im Vorjahr. Das zweite Quartal sah mit einem Minus von 0,9 Prozent etwas besser aus. In den ersten sieben Monaten des Jahres sank der Umsatz des klassischen Einzelhandels (ohne Kfz, Brennstoffe, Apotheken) um nominal 1,7 Prozent.

Ein Drittel der Händler erzielte Umsatzzuwächse

Die Zahlen der amtlichen Statistik decken sich mit den Ergebnissen der aktuellen HDE-Konjunkturumfrage. Ein knappes Drittel der befragten Unternehmen konnte im ersten Halbjahr ein Umsatzplus erzielen. 42 Prozent mussten Einbußen hinnehmen.

Vergleichsweise gut verlief die Entwicklung im Einzelhandel mit Mode und Schuhen, Möbeln sowie Kosmetik und Körperpflegemitteln. Unternehmen im Bereich Bau- und Heimwerksartikel verzeichneten hingegen häufiger Umsatzrückgänge.

Bescheidene Erwartungen für das 2. Halbjahr

Der HDE geht daher weiterhin davon aus, dass der Einzelhandel 2009 einen Umsatzrückgang von nominal minus zwei Prozent verkraften muss. Laut der Konjunkturumfrage gehen lediglich sechs Prozent der Unternehmen aktuell davon aus, dass der Tiefpunkt der Krise bereits vorbei ist. Rund 40 Prozent der Befragten rechnen damit, dass erst 2010 die Talsohle erreicht wird.

Die Umsatzerwartungen für das zweite Halbjahr 2009 sind entsprechend bescheiden. Lediglich ein Viertel der befragten Betriebe erwartet ein Umsatzplus, gut ein Drittel rechnet mit Umsatzrückgängen zum Vorjahr. Vergleichsweise optimistisch blickt der Handel mit Lebensmitteln sowie mit elektronischen Erzeugnissen auf die zweite Jahreshälfte.

Signalwirkung nach der Bundestagswahl erhofft

Für den Handel komme es entscheidend darauf an, welche Signale von der neuen Bundesregierung ausgehen, so HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth. "Steuer- und Abgabenerhöhungen wären das letzte, was der Einzelhandel gebrauchen kann." Von der künftigen Bundesregierung fordert der Verband, jeden Spielraum zur Steuer- und Abgabensenkung zu nutzen.

Oberste Priorität für die neue Bundesregierung müsse die Stärkung des privaten Verbrauchs haben. Am einfachsten und effektivsten ginge dies, indem die kalte Progression beseitigt wird, so Genth. Ebenso dringend seien Korrekturen bei der Besteuerung von Kosten wie zum Beispiel Ladenmieten im Rahmen der Unternehmensteuerreform.