Der Einzelhandel zieht eine äußerst positive Vorweihnachts-Bilanz: Millionen Geschenkjäger drängten sich durch die Innenstädte, füllten Online-Warenkörbe und kauften Gutscheine. Lange Gesichter gab es dagegen auf den Weihnachtsmärkten.

Auf vielen Gabentischen werden diesmal mehr Pakete liegen als im vorigem Jahr: Der deutsche Einzelhandel verkaufte im Weihnachtsgeschäft so viel wie seit Jahren nicht.

Vor allem warme Kleidung und Schmuck waren gefragt. Und wer sich wegen des Schneetreibens nicht aus dem Haus traute, bestellte Waren und Gutscheine oft online - der Versandhandel jubelt.

Ein gutes Weihnachtsgeschäft hat für die 400.000 Einzelhändler eine extrem große Bedeutung. Es macht rund ein Fünftel des gesamten Jahresumsatzes aus. In typischen Geschenke-Branchen wie Spielzeug, Uhren, Schmuck, Bücher und Unterhaltungselektronik liegt der Jahresanteil nach HDE-Angaben sogar noch höher.

Kein Wunder also, dass sich eine festliche Stimmung ausbreitet, wenn Spielzeughändler und Elektronikhändler von einem Wachstum von rund 5 Prozent sprechen.

Schlechtes Wetter hat Kauflust nicht gebremst

"Die Menschen haben sich das Einkaufen von den chaotischen Wetterverhältnissen nicht verderben lassen", bilanziert der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes HDE, Stefan Genth, und atmet dabei tief durch. Für November und Dezember rechnet der Verband mit einem Umsatzplus von zwei Prozent auf 77 Milliarden Euro.

Oft war es gerade das Winterwetter, das die Kassen klingeln ließ. "Immer, wenn es kalt ist, kaufen die Leute warme Sachen", freut sich Axel Augustin vom Verband der Textileinzelhändler.

Der Mode-Trend in diesem Winter? "Warm." Vor allem Daunenjacken und Outdoor-Bekleidung seien gut gelaufen. Wegen der guten Umsätze hätten die Geschäfte bisher weniger Winterkleidung reduziert als in den vergangenen Jahren. "Manche Händler hätten doppelt so viele Handschuhe verkaufen können", berichtet HDE-Chef Genth.

Spielzeug-Bestseller ausverkauft

Einige Spielzeuge waren vor Weihnachten ausverkauft - das habe aber an den sprunghaft wechselnden Vorlieben der Kinder gelegen, erklärt Steffen Kahnt vom Branchenverband. "Da hat der Trend die Hersteller und Händler überrannt." Die bei Kindern beliebten Kampfkreisel seien schon seit Wochen nicht mehr zu bekommen.

Das Winterwetter sorgte zwar für Weihnachtsstimmung, doch wenn die Flocken zu dicht fielen, machte der Schnee den Ladenbetreibern zu schaffen. "In der letzten Woche haben wir ein Minus eingefahren, weil die Leute nicht gerne rausgegangen sind", bedauert Axel Augustin vom Textilverband.

An vielen Orten konnten die Kunden wegen ungeräumter Parkplätze ihre Autos nicht abstellen, die Parkhäuser waren brechend voll. Auch Züge und Busse brachten die Kunden oft nicht zuverlässig in die Innenstädte.

Standbetreiber an Weihnachtsmärkten unzufrieden

Trübe Stimmung herrschte auf vielen Weihnachtsmärkten: Weil viele Menschen lieber gleich zu Hause im Warmen blieben, mussten zahlreiche Budenbesitzer Einbußen hinnehmen.

"Das Winterwetter war eine Katastrophe für uns", sagte der Präsident des Bundesverbandes Deutscher Schausteller, Hans-Peter Arens. Der Weihnachtsmarkttourismus und die ausgelassene Stimmung hätten gefehlt. Außerdem habe Angst vor Terroranschlägen zu den schlechten Umsätzen auf den 2500 Weihnachtsmärkten beigetragen.

Der Versandhandel jubelt

Des einen Leid ist des anderen Freund: "Es war für uns ein gutes und erfolgreiches Weihnachtsgeschäft", freut sich Christin Schmidt vom Bundesverband des Deutschen Versandhandels (bvh).

Immer mehr Menschen griffen zum Telefon oder der Computer-Maus, was dem Versandhandel dieses Jahr rund sechs Milliarden Euro Umsatz einbrachte. Besonders stark sei das Online-Geschäft gestiegen, das nun 60 Prozent des gesamten Versandhandelsumsatzes ausmache.

Allerdings hatten die Transportunternehmen bei Schnee und Eis Probleme, die Pakete rechtzeitig vor dem Fest zu den Kunden zu bringen. Der größte Onlinehändler Amazon hatte eingeräumt, Kunden hätten mit Verzögerungen von ein bis zwei Tagen rechnen müssen.

bvh-Sprecherin Schmidt erklärte, die Logistikunternehmen Hermes und DHL arbeiteten seit drei Wochen rund um die Uhr. Die Deutsche Post versicherte, dass Pakete, die bis zum 22. Dezember mittags in Auftrag gegeben wurden, pünktlich bis Heiligabend empfangen werden können.

Gutscheine voll im Trend

Die flachsten Geschenke unter den Christbäumen dürften wieder Geschenkgutscheine sein: Die Textilhändler verzeichneten genauso einen aufsteigenden Trend wie die Verkäufer von Online-Gutscheinen, die ein Erlebnis wie Wildwasserfahren, Bergsteigen oder Drachenfliegen versprechen.

Jüngsten Studien zufolge wird in diesem Jahr jedes zweite Geschenk an Heiligabend eine Gutscheinkarte sein.

Damit sind die wichtigsten Konsumwochen des Jahres am 24. Dezember keineswegs vorbei. HDE-Chef Genth erwartet erst danach die umsatzstärkste Woche des Jahres, wenn die Geldgeschenke und Gutscheine in die Läden getragen werden.