Seit Monaten wird bei den Deutschen eine enorme Konsumlust ausgemacht. Doch im Einzelhandel kommt davon nicht viel an. Die Menschen geben ihr Geld woanders aus, sagt die GfK.

Die Ausgaben der privaten Verbraucher werden nach Einschätzung des Marktforschungsunternehmens GfK in diesem Jahr preisbereinigt (real) um 1,5 Prozent zulegen. "In Deutschland wird der private Konsum damit genauso stark wachsen wie das Bruttoinlandsprodukt", teilte die GfK am Mittwoch in Nürnberg mit.

Für die gesamte Europäische Union (EU) rechnen die Konsumforscher mit einem Anstieg des privaten Verbrauchs zwischen 1 und 1,5 Prozent. Zum Jahresende lag der GfK Konsumklimaindex für die EU bei 5,5 Punkten. Der Trend zeigt wieder nach oben.

In Deutschland zeigt der GfK-Konsumklimaindex für Februar mit 9,3 Punkten den höchsten Stand seit 13 Jahren. Die Anschaffungsneigung verzeichnete im Januar mit 57,4 Zählern ein Acht-Jahres-Hoch.

Kaum Wachstum im Lebensmittelhandel

Doch der Einzelhandel werde von der guten Stimmung der Deutschen nur wenig profitieren, sagen die Konsumforscher vorher. Der Lebensmitteleinzelhandel werde in diesem Jahr voraussichtlich lediglich um 0,5 Prozent wachsen. Dafür gebe es zwei Gründe: Erstens gehe seit Jahren die Menge an Lebensmitteln, die gekauft wird, zurück.

Das liege an der demografischen Entwicklung und am bewussteren Einkaufsstil der Verbraucher. Zudem werden die Preise auch 2015 sehr stabil bleiben. Laut Handelsverband Deutschland (HDE) waren die Verbraucherpreise im Jahr 2014 um 0,9 Prozent gestiegen, die Einzelhandelspreise gar um nur 0,6 Prozent. Grund sei hier eine geringere Dynamik bei Lebensmittelpreisen gewesen.

Im Non-Food-Handel sieht es laut GfK etwas günstiger aus. Der Markt werde in diesem Jahr voraussichtlich 1,3 Prozent zulegen und sich damit etwas besser entwickeln als im vergangenen Jahr. Dabei sollte auch der Textilbereich wieder besser abschneiden, wo die ungünstige Wetterlage den  Markt im letzten Jahresdrittel regelrecht einbrechen ließ. Am Ende stand ein Minus von 2 Prozent. Andererseits wird der Handel mit Elektroartikeln gegen ein gutes Jahr 2014 anlaufen müssen und an den guten Verkaufszahlen aufgrund der Fußball-Weltmeisterschaft gemessen werden.

Lieber essen gehen als einkaufen

"Profitieren werden wie im vergangenen Jahr vor allem der Wohnungsmarkt, die Touristikbranche sowie Restaurants", erläuterte Wolfgang Adlwarth, GfK-Handelsexperte. So stiegen beispielsweise die Wohnungsbaufertigstellungen 2014 im Vergleich zum Vorjahr um 14 Prozent, die Ausgaben für Renovierungen um 10 Prozent. Für Reisen gaben die Verbraucher 7 Prozent mehr aus, für Restaurantbesuche 3 Prozent.

Auch HDE prognostiziert für 2015 einen Anstieg der Einzelhandelsumsätze um 1,5 Prozent auf 466,2 Milliarden Euro. Aber das ist nominal, Preissteigerungen herausgerechnet. Das reale Plus würde daher noch unter der Vorhersage der GfK liegen.