Die Kauflaune der Deutschen ist gedämpft. Der Einzelhandel hat im März ein leichtes Umsatzminus hinnehmen müssen. Bezogen aufs gesamte erste Quartal sieht die Bilanz noch schlechter aus.

Wie das Statistische Bundesamt am Montag in Wiesbaden mitteilte, lagen die Erlöse im März 1,8 Prozent unter dem Niveau des Vorjahresmonats. Bereinigt um Preisschwankungen hat dies einen realen Umsatzeinbruch von 1,5 Prozent zur Folge.

Dabei ist zu berücksichtigen, dass der März 2009 mit 26 Verkaufstagen zwei Verkaufstage mehr hatte als der gleiche Monat im Jahr 2008. Im Vergleich zum Februar dieses Jahres sanken die Umsätze in der Branche im März nominal um 1,4 Prozent und real um ein Prozent.

SB-Warenhäuser verlieren deutlich

Im gesamten ersten Quartal dieses Jahres waren die Umsätze sogar nominal 3,1 und real 3,2 Prozent niedriger als im Vorjahresquartal.

Der Einzelhandel mit Lebensmitteln, Getränken und Tabakwaren setzte im März nominal 2,6 Prozent und real 3 Prozent weniger um als im Vorjahresmonat. Dabei verzeichneten Supermärkte, SB-Warenhäuser und Verbrauchermärkte einen Rückgang von nominal 2,5 Prozent und real 2,8 Prozent. Beim Facheinzelhandel mit Lebensmitteln lagen die Umsätze nominal um 3,7 Prozent und real um 5,4 Prozent niedriger als im März 2008.

Versandhandel weiter stark

Auch im Einzelhandel mit Nicht-Lebensmitteln wurde nominal und real weniger als im März 2008 umgesetzt (jeweils 0,4 Prozent). Lediglich der Internet- und Versandhandel (nominal plus 4,4 Prozent; real plus 3,2 Prozent) sowie der Einzel­handel mit kosmetischen, pharmazeutischen und medizinischen Produkten (nominal plus 3,1 Prozent; real plus 0,6 Prozent) können Umsatzsteigerungen gegenüber dem Vorjahresmonat verbuchen.  

Gegensätzliche GfK-Analyse

Diese insgesamt negativen Zahlen stehen im Widerspruch zur Anlayse der Gesellschaft für Konsumgüterforschung (GfK), die in der vergangenen Woche von einem "robustem Konsumklima" gesprochen hatte.

ING-Volkswirt Carsten Brzeski führte die anhaltend schwache Entwicklung der Einzelhandelsumsätze auf den starken Anstieg der Kfz-Umsätze zurück, die von der staatlichen Abwrackprämie profitiert hätten.

Dank dieser Umsätze dürfte der private Verbrauch im ersten Quartal einer der wenigen Bereiche mit einem positiven Wachstumsbeitrag zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) gewesen sein, sagte er. Die Bundesregierung geht davon aus, dass das BIP gegenüber dem Vorquartal um 3,5 Prozent gesunken ist. Das Statistische Bundesamt wird den ersten BIP-Ausweis am 15. Mai veröffentlichen.

HDE kritisiert Abwrackprämie

"Die Abwrackprämie ist ein schwerer Fehler", sagte der Sprecher des Hauptverbandes des Deutschen Einzelhandels (HDE), Hubertus Pellengahr, in Berlin. "Es muss einen nicht wundern, dass die Verbraucher jetzt an anderer Stelle gespart haben."

Davon sei vor allem der Verkauf langlebiger Konsumgüter wie Wohnungseinrichtungen betroffen. Autoverkäufe werden im Einzelhandelsumsatz nicht berücksichtigt.

"Rezession greift nun auf den Einzelhandel über"

"Die schwere Rezession, die zunächst hauptsächlich die Industrie getroffen hat, greift auch auf den Einzelhandel über", stellte Commerzbank-Volkswirt Simon Junker fest. Die Verbraucher hielten sich angesichts der düsteren Aussichten auf dem Arbeitsmarkt mit ihren Ausgaben nun stärker zurück - obwohl derzeit die niedrigen Preise die Kaufkraft stärkten.

Für den Einzelhandel seien weitere spürbare Umsatzrückgänge zu erwarten, da die Lage auf dem Arbeitsmarkt bis über das kommende Jahr hinaus schlecht sein dürfte.

rdu/Dow Jones