Bei der Nutzung von SB-Kassen machen die amerikanischen Händler Pause, während Europa aufholt. In Deutschland stehen neue Installationen an.

Pro Minute zieht eine geübte Kassiererin bis zu 60 Artikel über den Scanner - eine stupide wie belastende Tätigkeit. Eine Alternative dazu wäre ein Tunnelscanner. "Würde er zuverlässig einlesen, auch sperrige Artikel erfassen und zudem noch schick aussehen - der Tunnelscanner wäre eine echte Innovation mit weltweitem Potenzial", glaubt Björn Weber, Forschungsleiter für Handelstechnologie beim Marktforschungsunternehmen Planet Retail.

Schickes Outfit ist machbar, ein komplettes und fehlerfreies Scannen der Ware aber noch nicht. Zwar stehen Tunnelscanner-Prototypen verschiedener Baujahre in den Labors der Hightech-Hersteller. Reif für die Fläche aber sind sie derzeit nicht.

The Kroger Co., nach Wal-Mart der größte Lebensmittelhändler in den USA, fährt nach Angaben von Planet Retail momentan den weltweit ersten Test mit vollautomatischen Tunnelscannern in einem echten Laden. Andere wie die britische Tesco-Gruppe, die französischen Handelsunternehmen Casino und Auchan, aber auch der deutsche Discounter Aldi Nord haben Interesse gezeigt, ihre Erprobungspläne aber zurückgestellt. Denn die Leserate der Maschinen ist einfach noch zu gering.

Bewegung auf dem europäischen Markt

Bis auf Weiteres also müssen sich Händler, die von bedienten Kassen weg wollen, damit begnügen, dem Kunden das mühsame Scannen jedes einzelnen Artikels aufzubürden. Dass sich ihr Glaube an einen schnellen Durchbruch des vollautomatischen Scannens in Grenzen hält, zeigen die weltweit hohen Investitionen in die bestehende SB-Technologie.

Wal-Mart, SuperValu,  Kroger, Ahold, Auchan, Albert Heijn, Delhaize, Sainsbury, Tesco, Carrefour, Metro Group - diese und andere internationale Größen des Lebensmittelhandels sind längst mit Self-Checkouts auf der Fläche.

"Wir werden in den kommenden Jahren sehr viele neue Installationen in Europa sehen", weiß Planet-Retail-Analyst Weber. Dagegen stagniert der Markt in Nordamerika, wo Self-Checkouts bereits seit 2003 in SB-Warenhäusern weit verbreitet sind. Weber: "Zuwachs gibt es fast nur bei kleineren Formaten, etwa dem Drogeriemarkt-Betreiber CVS, der sich derzeit mit größeren Implementierungen beschäftigt."

In Deutschland größere Rollouts bis 2012

In Europa dagegen "kommt Bewegung in den Markt", berichtet Leyla Feghhi, Marketing Director Retail bei Wincor Nixdorf. Dafür sorgen insbesondere Handelskonzerne in Großbritannien, Frankreich und Belgien. Aber auch Osteuropäer steigen ein, etwa Maxima in Lettland (mit Wincor Nixdorf) oder Spar in Slowenien (mit NCR). Greg Mann, Checkout Solution Manager NCR: "In Osteuropa werden künftig vermehrt modernste SB-Kassenlösungen installiert."

"Spätestens im Jahr 2012 stehen auch in Deutschland größere Rollouts an", vermutet Planet-Retail-Mann Weber. Die Rewe Gruppe, dm-Drogeriemarkt sowie mehre deutsche Baumarktbetreiber säßen in den Startlöchern, um die SB-Technologie zu testen.

Freudig nehmen die Technologiehersteller zur Kenntnis, dass der Trend inzwischen auch auf kleinere Food-Flächen und auf den Non-Food-Bereich überschwappt. Die Baumarktkette B & Q in Großbritannien, die zu Kingfisher gehört, sowie der Sportfilialist Declathon in Frankreich waren Vorreiter, inzwischen folgten Unternehmen wie Media Saturn und der Möbel-Riese Ikea, der schon in 14 europäischen Ländern mit der Technik arbeitet. Leyla Feghhi von Wincor Nixdorf ist sicher, dass weitere Non-Food-Filialisten folgen.
 

NCR ist Marktführer

Der Paderborner IT-Spezialist streitet dabei mit im Wesentlichen drei Konkurrenten um die Gunst investitionswilliger Handelskunden. In 21 Ländern besetzt NCR weltweit die Marktführerschaft. Dabei ist der Anbieter insbesondere in den USA, etwa bei Wal-Mart, breit vertreten. Weltweit auf Platz zwei, so Planet Retail, rangiert Fujitsu.

Wincor Nixdorf hat in den USA keine Installationen vorzuweisen, reüssiert aber in Europa und ist weltweit auf Platz drei. IBM schließlich ist zwar stark in den USA, hat es in Europa bislang jedoch nur zu kleineren Installationen gebracht - die Händler warten wohl darauf, dass die IBM-Produktlinie in Sachen Customizing, Ergonomie und Optik überarbeitet wird.

Klaus Manz

Der Beitrag ist in der Oktober-Ausgabe des Wirtschaftsmagazins Der Handel erschienen. Hier geht es zur Bestellung eines Probehefts.