Im Jahresvergleich verzeichnet der Einzelhandel im Juli trotz der schlechten Witterung nur leichte Umsatzrückgänge. Tarifabschlüsse und Arbeitsmarkt stimmen optimistisch, und der Handel im Netz legt kräftig zu.

Nach einer guten Umsatzentwicklung in der ersten Jahreshälfte haben die deutschen Einzelhändler im Juli einen leichten Umsatzrückgang hinnehmen müssen. Gegenüber dem Vorjahr sanken die Erlöse um nominal 0,4 Prozent und preisbereinigt (real) um 1,6 Prozent, wie das Statistische Bundesamt (Destatis) am Mittwoch in Wiesbaden mitteilte.

Allerdings hatte der Juli 2011 einen Verkaufstag weniger als der Vorjahresmonat. Im Vergleich zum Juni stagnierte der Umsatz preisbereinigt. Die nasskalte Witterung sorgte im Juli insbesondere im Textilhandel für eher maue Umsätze, der Schlussverkauf wurde in vielen Unternehmen vorgezogen.

Im Vergleich zum Vormonat sanken die Umsätze - bereinigt um Kalender- und Saisonschwankungen - laut Destatis nominal um 0,2 Prozent. Real blieben die Umsätze in beiden Monaten unverändert.

Internet- und Versandhandel mit den größten Zuwächsen

Der Einzelhandel mit Lebensmitteln, Getränken und Tabakwaren setzte im Juli 2011 nominal 1,6 Prozent und real 3,5 Prozent weniger um als im Juli 2010. Dabei lag der Umsatz bei den Supermärkten, SB-Warenhäusern und Verbrauchermärkten nominal um 1,6 Prozent und real um 3,5 Prozent niedriger als im Vorjahresmonat. Im Facheinzelhandel mit Lebensmitteln wurde nominal 1,6 Prozent und real 3,8 Prozent weniger als im Juli 2010 umgesetzt.

Im Einzelhandel mit Nicht-Lebensmitteln lagen die Umsätze im Juli 2011 nominal (plus 0,5 Prozent) und real (plus 0,2 Prozent) höher als im Vorjahresmonat. Hier erzielten drei der Unterbranchen nominal und real höhere Umsätze als im Juli 2010.

Unternehmen, die den größten Teil ihrer Waren über das Internet- und den Versandhandel vertreiben, hatten mit nominal plus 6,5 Prozent und real plus 5,5 Prozent die höchsten Umsatzzuwächse gegenüber dem Vorjahresmonat.

Von Januar bis Juli 2011 setzte der deutsche Einzelhandel nominal 2,5 Prozent und real 1 Prozent mehr um als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum.

Gute Nachrichten vom Arbeitsmarkt

Die Wiesbadener Statistiker haben darüber hinaus heute noch eine weitere gute Nachricht für die Handelsbranche: Die gute Konjunktur hat im ersten Halbjahr 2011 höhere Tarifabschlüsse ermöglicht. Nach einer ebenfalls am heutigen Mittwoch vorgestellten Auswertung des Statistischen Bundesamts lagen zahlreiche in dieser Zeit vereinbarte Tariferhöhungen bei 3 Prozent und mehr.

Das hatten die Gewerkschaften 2010 nur in wenigen Fällen erreicht. Häufiger hatten sie sich mit den Arbeitgebern wegen der unsicheren Konjunkturaussichten auf Einmalzahlungen geeinigt.

Laut der Bundesagentur für Arbeit blieb zudem die Arbeitslosenquote in Deutschland trotz der Sommerferien im August mit 7 Prozent stabil. Im August 2010 lag die Arbeitslosenquote bei 7,6 Prozent.