Dem Elektronikhandel geht es so gut wie noch nie. Daran sind neue Produkte schuld, aber auch Großereignisse wie die Fußball-WM. Der Preis ist nicht mehr das schlagende Verkaufsargumente.

"Geiz ist geil" war gestern, heute ist "Alles eine Frage der Technik". Das neue Werbemotto der Kette Saturn spiegelt den Trend: Die Nachfrage zieht an, Marktforscher sprechen gar von einem "goldenen Herbst" für die Elektrobranche.

Der Bundesverband Technik des Einzelhandels (BVT) erwartet für 2010 einen Rekordumsatz von 25 Milliarden Euro für Unterhaltungselektronik, Computer und Telefone - nach 24,3 Milliarden Euro ein Jahr zuvor.

Fußball-WM lässt Nachfrage steigen

Gut 9 Millionen Fernseher werden dieses Jahr über die Ladentische gehen, schätzen BVT und der Hightechverband Bitkom. Damit steht oder hängt in fast jedem vierten Haushalt ein nagelneues Gerät, meistens schon in "Kinogröße", wie BVT-Geschäftsführer Willy Fischel angesichts von Bildschirmdiagonalen von 94 Zentimetern und mehr sagt.

Die Nachfrage wird aber nicht nur von sportlichen Großereignissen wie der Fußball-Weltmeisterschaft in diesem Sommer in Südafrika getrieben. Denn auch technische Neuerungen lassen die Kassen klingeln.

Das sind beispielsweise Flachbildfernseher mit Internetfunktion - so etwas hält auch die Preise stabil. Als neuester Clou gelten 3D-Filme, von denen in den ersten zehn Monaten 85.000 Stück verkauft wurden. Der BVT hebt daher seine Prognose für das Gesamtjahr an - auf bundesweit 150.000 verkaufte 3D-Fernseher.

Firmen investieren mehr in Technik

Am stärksten wächst allerdings Computertechnik. Bei mobilen Computern stieg der Umsatz im dritten Quartal zweistellig. "Verbraucher interessieren sich aufgrund sinkender Preise insbesondere für Rechner, bei denen die gesamte Technik in den Monitor integriert ist - sogenannte All-in-One-Computer", berichtet die Nürnberger Gesellschaft für Konsumforschung (GfK).

Bei Monitoren und Servern griffen Geschäftskunden zu, Firmen investierten wieder mehr. Der Umstieg auf neue Betriebssysteme mache oftmals auch andere Geräte erforderlich, so die GfK.

Der Preis ist nicht mehr heiß

Nach BVT-Einschätzung ist die Gruppe der "Preiskäufer" stabil, aber auch die Gruppe derjenigen, die Beratung suchen. Mit der Vernetzung von Geräten dürfte der Beratungsbedarf noch wachsen.

Darauf setzen viele Händler, die so kräftig wie noch nie in Schulungen investieren. Über 1.000 Verkäufer nutzten in diesem Jahr das marken- und branchenübergreifende Weiterbildungsangebot "PluralMedia".

Für Verbraucher spielt neben Innovationen und dem Energieverbrauch nach wie vor der Preis eine große Rolle. Das wird gerade im Internet deutlich. Nur mit Tiefstpreisen kann man in Preissuchmaschinen vorn sein.

Die Verbundgruppe ElectronicPartner (EP) hat im Frühjahr ihren Netshop nach Konflikten mit selbstständigen Händlern geschlossen. Der neue Auftritt soll anregen, zum EP-Händler im jeweiligen Ort zu gehen.

Der Marktführer Media Markt und Saturn, der zum Handelsriesen Metro gehört, nimmt dagegen Anlauf, einen Onlineshop zu eröffnen. Das Konzept wird aber zunächst im Ausland getestet.

Die Rewe-Tochter ProMarkt hat Anfang Oktober einen Onlineshop gestartet. "Multichannel-Handel" heißt in der Branche das Zauberwort - Kunden sowohl im Laden und als auch im Internet begeistern und nicht an die Konkurrenz verlieren.