Knapp ein Jahr nach dem Fabrikeinsturz in Bangladesch will Entwicklungsminister Gerd Müller die Textilbranche zu Mindeststandards in der Produktion verpflichten - notfalls per Gesetz.

Der neue Bundesentwicklungsminister Gerd Müller will die deutsche Modebranche mit einem neuen Textilsiegel dazu bewegen, soziale und ökologische Mindeststandards einzuhalten.

"Wir bereiten gerade ein Textilsiegel vor, das für nachhaltig produzierte Kleidung stehen und noch in diesem Jahr eingeführt werden soll", sagte der CSU-Politiker der "Welt am Sonntag" (WamS). Deutschland wolle damit in Europa Vorreiter sein. Seine Kollegen in Frankreich und den Niederlanden hätten schon signalisiert, dass sie mitmachen wollten.

Staatliches Siegel für nachhaltig produzierte Kleidung

Müller, der seit Dezember 2013 Minister für Entwicklung und wirtschaftliche Zusammenarbeit ist und zuvor parlamentarischer Staatsekretär im Landeswirtschaftsministerium war, hatte bereits bei der Verleihung der Fairtrade Awards 2014 vor einigen Wochen angekündigt, einen Runden Tisch mit der deutschen Textilwirtschaft einzuberufen und sich verärgert darüber gezeigt, dass bislang keine ernstahften Konsequenzen aus dem Fabrikeinsturz in Bangladesch gezogen wurde.

Der Minister verlangt eine Selbstverpflichtung der Branche: "Wir brauchen soziale Standards, was Arbeitsschutz und Mindestlöhne betrifft. Aber auch ökologische Standards, etwa für Gerbereien, die mit aggressiven Chemikalien arbeiten", sagt er nun der WamS. Er erwarte von der Textilbranche, dass sie für die gesamte Produktionskette vom Baumwollfeld bis zum Bügel die vereinbarten Standards garantiere.

Vergleichbares hatte Müller bereits in seinem Grußwort zum Fairtrade Award 2014 gefordert, doch nun verlieh der Minister seinen Worten mit der Androhung von gesetzgeberischen Maßnahmen Nachdruck: "Wenn das nicht auf freiwilliger Basis funktioniert, werden wir einen gesetzlichen Rahmen vorgeben", sagte er.

Darüber hinaus arbeite das Ministerium an einem Internetportal auf dem Verbraucher ab 2015 überprüfen können, ob ein Hersteller die geforderten Mindeststandards einhalte. Die Textilwirtschaft sei eingeladen, daran mitzuwirken, so der Minister.

dpa, DH