Die Wirtschaft entdeckt die älteren Mitarbeiter. Beispiele aus dem Handel zeigen, welches Potenzial in ihnen steckt.

In Deutschland sind schon heute mehr als 45 Millionen Menschen älter als 45, und die Bevölkerungsgruppe „50plus” wächst weiter an - das sagt die Statistik. Doch in vielen Stellenanzeigen werden nach wie vor hauptsächlich Endzwanziger bis Mittdreißiger gesucht, vorzugsweise mit Hochschulstudium.

In Wirklichkeit ist das Image der alten Generation aber gar nicht so schlecht, wie es zunächst aussieht. Das Bewusstsein für den Wert der „Best Ager” hat sich verändert, weil deutlich wird, dass das Wissen und die Erfahrung älterer Mitarbeiter in Zukunft auf dem Arbeitsmarkt fehlen werden.

„Es herrscht eine immer größer werdende Verknappung von jungen Fachkräften”, sagt Dr. Jürgen Pfister, Leiter des Konzernbereichs Personal & Soziales beim Handelskonzern Metro Group. „Ältere Mitarbeiter gewinnen an Wert, weil ihr Können gefragt ist.”

Erfahrung und Wertschätzung

Das Erfahrungswissen von Best Agern sei sehr stark ausgeprägt, deswegen adressieren mittlerweile einige Unternehmen bewusst Stellenangebote an ältere Fachkräfte.

Dr. Jürgen Pfister, Leiter Personal & Soziales, Metro Group
Dr. Jürgen Pfister, Leiter Personal & Soziales, Metro Group
„Wir führen das verstärkt durch und nutzen zum Beispiel das Potenzial von unseren Ruheständlern für spezielle Projekte und Mentoring-Programme”, sagt Pfister. Ein enormes Plus fürs Unternehmen - denn so bleibt das Wissen im Betrieb erhalten und kann an junge Mitarbeiter weitergegeben werden.

Zuverlässig und loyal

Auch Konrad Kreuzberg, Inhaber zweier Edeka-Märkte in Koblenz, baut auf seine Mitarbeiter ab 50: „Sie haben einfach mehr Erfahrung, sind sehr flexibel und machen alles zu 110 Prozent.” In seinen Supermärkten ist jede zehnte Stelle durch ältere Mitarbeiter oder Auszubildende besetzt.

Gerade die zeitliche Flexibilität von Best Agern schätzt Kreuzberg sehr: „Die Jüngeren haben nach Feierabend oft anderes vor und scheuen Mehrarbeit eher als die älteren, die gerne auch mal länger bleiben.”

Am wichtigsten sind Kreuzberg die Erfahrung und die Leidenschaft für den Beruf, die seine über 50-jährigen Angestellten mitbringen: „Sie haben einfach ein anderes Wissen, das sie den Jüngeren beibringen können.”

Doch wie steht es mit Internet und moderner Technik? „Kommt es zu technischen Fragen, tun sich ältere Mitarbeiter häufig schwerer”, stellt Konrad Kreuzberg fest. „Doch dafür zeichnen sie sich in anderen Bereichen wie Kundenservice besonders aus, wo sich die Jungen noch schwer tun.”

Arbeitsbedingungen anpassen

„Die Arbeitsbedingungen müssen auf die Bedürfnisse aller Altersgruppen im Betrieb eingestellt werden”, sagt Metro-Personaler Pfister.

Auch im Alter ist die Lernfähigkeit hoch und sollte gefördert werden. „Der Betrieb sollte Weiterbildung unabhängig vom Alter anbieten, denn das schafft gleiche Chancen für alle.” Dazu gehört dann beispielsweise auch der PC- und Internetkurs.

Auch wenn die körperliche Belastungsfähigkeit im Alter abnimmt, so liegt doch enormes Potenzial in den Stärken der Best Ager: „Im Alter nehmen Erfahrung, Wissen und auch die Loyalität zum Unternehmen zu”, weiß Pfister. „Ältere haben ihre Karriere meist schon hinter sich und sind außerdem weniger auf Konkurrenz eingestellt.”

Gutes Miteinander gefragt

Junge verdrängen Alte vom Arbeitsplatz - diese Annahme muss korrigiert werden, meint Pfister: „Das Unternehmen selbst ist maßgeblich dafür verantwortlich, wie sich das Betriebsklima entwickelt. Wird den Älteren signalisiert, dass sie sowieso bald in den Vorruhestand geschickt werden, schürt das Konflikte mit den Nachfolgern und senkt die Motivation.”

Ein Lösungsvorschlag sei das „Miteinander der Generationen”, so Pfister. „Das bedeutet arbeiten in altersgemischten Teams. Das Unternehmen kann hierbei das Beste von beiden Gruppen nutzen: die Erfahrung der Älteren und die Dynamik der Jüngeren.”

Lisa Stumpf