Mittelständische Handelsunternehmen erzählen über ihre Erfahrungen mit der betrieblichen Altersvorsorge.

Wie viele andere Chefs sehen auch die verantwortlichen bei den Handelsunternehmen Schuhkay aus Hamburg oder Lorey aus Frankfurt am Main die Bedeutung der privaten Altersvorsorge für ihre Mitarbeiter.

So betont Philipp Keller, Geschäftsführer der Karl Keller J.G. Lorey Sohn Nachfolger KG: „Wir wollen unsere Mitarbeiter bei der Alterssicherung so gut wie möglich unterstützen."

Dabei geht es dem Chef des führenden Frankfurter Haushaltsfachgeschäfts mit knapp 50 Mitarbeitern in Voll- und Teilzeit um die Balance zwischen Wirtschaftlichkeit für sein Unternehmen und einem guten Angebot für seine Angestellten.

„Wenn ein Mitarbeiter auf uns zukommt, bieten wir gerne eine betriebliche Altersvorsorge an. Unternehmer sollten positiv auf die entsprechenden Wünsche der Angestellten reagieren", fordert der Lorey-Chef.

Skeptische Mitarbeiter

Auch Martina Kay-Bellack, Geschäftsführerin der Schuhhaus Kay GmbH & Co. KG bringt Kollegen die Einführung einer zusätzlichen Alterssicherung für die Mitarbeiter nahe. Wie Keller betont auch Kay-Bellack, dass die Einführung mit Hilfe der Versicherer reibungslos vonstatten geht - allerdings seien „die Belastungen für das Unternehmen relativ hoch".

Der Grund ist einfach: „Neben der Direktversicherung vor allem für jüngere Mitarbeiter bieten wir auch eine Pensionskasse für die älteren." Keller greift wie viele Kollegen auf arbeitnehmerfinanzierte Modelle zurück. „Insbesondere bei der Direktversicherung sind die Arbeitgeberbelastungen überschaubar."

Doch die Mitarbeiter zu motivieren ist nicht einfach. So stößt Tina Hansmann, die Geschäftsführerin des Hamburger Fahrradhändlers Fahrrad XXL Marcks, beim Großteil ihrer Belegschaft auf wenig Interesse beim Thema betriebliche Altersversorgung: „Von mehr als 30 Mitarbeitern haben gerade mal sieben das Angebot angenommen."

Und das, obwohl Hansmann sehr offensiv mit dem Thema umgeht: „Schon bei der Einstellung bieten wir Informationsveranstaltungen mit unserem Versicherungspartner." Zur Auswahl steht neben der Direktversicherung auch die Pensionskasse.

Mit gutem Beispiel voran

Die Chefin geht dabei selbst mit gutem Vorbild voran, denn: „Wer hier nicht vorsorgt, wird im Alter oftmals mit sehr wenig Geld auskommen müssen. Das möchte ich vermeiden." Dieses Argument zieht jedoch nur bedingt, viele Mitarbeiter fühlen sich offensichtlich ausreichend versorgt.

Dabei legt Hansmann Wert auf das Gesamtkonzept: „Ich sehe die betriebliche Altersversorgung als wichtigen Teil der Gesamtvergütung. Sie lässt sich beispielsweise bei der Forderung nach Gehaltserhöhungen gut mit einbringen."

Die Belastungen für ihr Unternehmen sieht die Hamburgerin gelassen: „Im Verhältnis zu anderen Lasten ist die bAV noch recht billig und auch aus steuerlichen Gründen sicher kein Nachteil."

Ein Angebot zur Alterssicherung bedeutet nach Hansmanns Überzeugung auch ein Stück Verantwortung für die Mitarbeiter: "Sogar mein Großvater hat sich hier im Betrieb schon um Vorsorgeleistungen für seine Leute gekümmert", sagt sie.

Martin Schwer