Das Bundeskartellamt hat gegen etliche Kaffeeröster Bußgelder in Millionenhöhe verhängt. Ihnen werden illegale Preisabsprachen vorgeworfen. Ein Insider gab den Tipp.

Das Bundeskartellamt hat gegen acht Kaffeeröster und den deutschen Kaffeeverband (DKV) wegen illegaler Preisabsprachen im Außer-Haus-Vertrieb Bußgelder in Höhe von insgesamt 30 Millionen Euro verhängt.

Auch zehn verantwortliche Mitarbeiter der Unternehmen müssen Bußgelder zahlen. Zu den betroffenen Unternehmen gehören Kraft Foods, Tchibo, Darboven, Melitta, Luigi Lavazza, Seeberger, Segafredo Zanetti und die Gebrüder Westhoff, teilte das Amt heute in einer Presseerklärung mit.

Dallmayr war der Whistleblower

Eingeleitet wurde das Verfahren durch einen so genannten Bonusantrag der Firma Alois Dallmayr Kaffee, gegen die deshalb keine Geldbuße verhängt wurde. Melitta und Darboven wurde für ihre Kooperation bei der Aufklärung der Vorwürfe im Laufe des Verfahrens eine Reduktion ihrer Geldbußen gewährt. 

Nach den Erkenntnissen des Bundeskartellamtes existierte seit mindestens 1997 bis Mitte 2008 ein Arbeitskreis beim DKV, bestehend aus den Geschäftsführern und Vertriebsleitern der Kaffeeröster. In dem Arbeitskreis wurden demnach Preiserhöhungen und Preissenkungen für Röstkaffee im so genannten Außer-Haus-Bereich koordiniert, also das Geschäft mit Gastronomie, Hotels, Automatenaufstellern und anderen Großverbrauchern.

Der Kreis der betroffenen Unternehmen unterscheidet sich daher teilweise von dem im Dezember letzten Jahres mit Bußgeldern belegten Kaffeerösterkartell, das Preisabsprachen im Vertrieb gegenüber dem Lebensmitteleinzelhandel traf. Damals hatte das Bundeskartellamt Geldbußen in Höhe von insgesamt rund 160 Millionen Euro gegen Tchibo, Dallmayr und Melitta verhängt.

Nach Erkenntnissen der Bundesbehörde waren in dem aktuellen Fall etwa die beiden Preiserhöhungen von Anfang 2005 (Preiserhöhung bis zu 1,40 Euro/kg) und von Anfang 2008 (Preiserhöhung bis zu 0,90 Euro/kg) abgesprochen.

Auch gegen Cappuccino-Hersteller läuft ein Verfahren

Mit dem DKV war auch ein Verband unmittelbar beteiligt, indem er die Preiserhöhung von Anfang 2005 nach Aufforderung der Kartellanten durch eine eigene Pressemitteilung begleitet und unterstützt hatte. Der DKV hat den Verstoß inzwischen in einer eigenen Pressemitteilung eingeräumt und bedauert.

Die Geldbußen sind noch nicht rechtskräftig. Allerdings haben sechs der acht Unternehmen sowie deren Mitarbeiter sich zu einer einvernehmlichen Verfahrensbeendigung bereit erklärt.

Neben den zwei nun abgeschlossenen Verfahren gegen Kaffeeröster in den Bereichen des Lebensmitteleinzelhandels und des Außer-Haus-Vertriebs führt das Bundeskartellamt noch ein Verfahren gegen Hersteller von Cappuccino wegen des Verdachts von Preisabsprachen. Dieses Verfahren wird voraussichtlich Mitte dieses Jahres abgeschlossen, teilen die Wettbewerbshüter mit.