Ingeborg Trampe hat mit  "Pussy Diary" ihren ersten Porno-Roman (Droemer / Knaur) geschrieben. Darin erzählt die Hamburger PR-Beraterin die Geschichte der Berliner Kommunikationsberaterin und Ich-Erzählerin Suzette Oh, die keine Lust mehr auf eine feste Beziehung hat, sondern lieber ihre wahre sexuelle Identität sucht und kaum etwas anbrennen lässt. Es geht ordentlich zur Sache. Und wie sehr knistern Erotik-Shops im Web? Machen Sie Lust auf mehr? Das wollte etailment von der Erotik-Autorin Suzette Oh alias Ingeborg Trampe wissen.

Dass mit dem Internet-Shoppen natürlich auch der Verkauf von Dessous, Sex-Spielzeug und anderen Erotikartikeln boomt, ist nicht erstaunlich. Auch wenn die jüngere Generation keinerlei Probleme hat etwa in den Fun Factory-Flagship-Store inmitten von Berlin-Mitte zu gehen, bevorzugen es andere wesentlich diskreter. Mal abgesehen davon ist das Online-Angebot von Sex-Shops natürlich riesengroß. Aber deswegen auch gut?

Heiße Ware aus dem Netz? Erotik-Autorin Ingeborg Trampe macht den Praxis-Test (Foto: Sebastian Fuchs)
Heiße Ware aus dem Netz? Erotik-Autorin Ingeborg Trampe macht den Praxis-Test (Foto: Sebastian Fuchs)

Amorelie

Das Berliner Start-up Amorelie, gerade von der ProSiebenSat1-Gruppe gekauft, macht den etablierten Playern wie Beate Uhse und Orion, das Leben ganz schön schwer. Und das zu recht, denn das Portal kommt wie ein glossy Lifestyle-Magazin daher. Look & Feel: clean, modern, weiblich und classy.

Es macht einfach Spaß, hier zu surfen, auch weil man einen schnellen Überblick bekommt. Die Range reicht von Sextoys in großer Auswahl über sehr schöne, hochwertige Dessous bis hin zu Überraschungsboxen mit kuratiertem Inhalt. Bei den Sextoys gibt es auch den letzten heißen Scheiß wie etwa den Auflegevibrator Womanizer und man kann sehen, welches Produkt in den letzten 24 Stunden besonders häufig gekauft wurden. Top: In kurzen Videos wird völlig unaufgeregt erklärt, was die einzelnen Spielzeuge so können. Und wer sich dennoch nicht entscheiden kann, schaut einfach auf den Liebling des Monats.



Bei den Dessous findet man hochpreisige Marken wie Maison Close, die es nicht in jeder Ecke gibt. Auch für Männer gibt es eine größtenteils nicht peinliche Grundausstattung an erotischer Wäsche. 

Manko: Kaum erotische Bücher und auch keine Filme oder Streaming-Angebote. Schade ist außerdem, dass man das gut gemachte Online-Magazin wirklich suchen muss, das tabulos so ziemlich jedes Thema covert.

Gesamteindruck: Sinnlicher Erotikshop mit zeitgemäßer Lifestyle-Attitude.

Beate Uhse

Die Flensburger Unternehmerin Beate Uhse ist ja so etwas wie die Erotik-Mutti der Nation. Doch trotz ausgewiesener Expertise im Erotikgeschäft hat das Unternehmen Probleme, Anschluss an die Neuzeit zu finden.  Das Portal ist jedoch überraschend aufgeräumt und angenehm bildlastig und richtet sich zumindest auf den ersten Eindruck eindeutig an Frauen. Das Sortiment ist breit: Wäsche, Spielzeug, Liebespuppen und Filme sind ebenso im Angebot wie Partymode. Alle über 18 können außerdem auf Beate Uhse TV switchen, wo man Erotikfilme gucken kann.



Die Toys sind nach Empfehlungen und Bestsellern sortierbar, allerdings fehlen trotz großer Auswahl einige gerade sehr angesagte Spielzeuge. Die Dessous liegen eher im unteren und mittleren Preisbereich. Marken wie Leg Avenue und Kissme sind dabei genau richtig für den Mainstream-Geschmack. Gut: Man kann sich Marken in der Übersicht anzeigen lassen. Top: Das interessante Online-Magazin, das unverständlicherweise aber leider nicht genug auf der Seite promotet wird.

Gesamteindruck: Gut sortiertes Erotikportal für die breite Bevölkerung.

Eis.de

Eis.de ist vor allem dank der aufmerksamkeitsstarken Werbung von Jung von Matt zu schneller Bekanntheit gelangt. Das Portal wirbt auf seiner Seite damit, dass sie sechs Millionen Kunden haben und es zehn Jahre Garantie auf die bestellten Artikel gibt. Verdammt rational für einen Shop, der eigentlich Lust auf Erotik machen sollte. Der Versuch möglichst viele Artikel zu zeigen, macht die Seite ziemlich unübersichtlich. Look & Feel: kühl und männlich. Man hat eher den Eindruck, auf einem Handwerker-Portal für Schrauben und Bohrern gelandet zu sein.


Vielleicht kaufen bei Eis.de besonders viele Männer? Wobei ich mir sehr eigentlich sicher bin, dass gerade im Erotikbereich die Frauen massiv den Warenkorb beeinflussen. Die weibliche Zielgruppe wird leider überhaupt nicht abgeholt. Auf Eis.de knistert nichts. Sex sieht nach Arbeit aus. Das macht nicht wirklich an. Dabei hat der Anbieter ein durchaus beeindruckendes Sortiment, in dem es quasi fast alles gibt, was das Genre so hergibt, wenn auch nicht immer die letzten Bestseller bei den Toys. Gut: Die Range ist sehr breit und bietet selbst hochwertige Wäsche, auch wenn man das auf dem Portal zunächst kaum vermutet. Top: Man kann Erfahrungsberichte von Käufern zu den unterschiedlichsten Produkten lesen.

Manko: Keinerlei Content, der die Fantasie beflügelt.

Gesamteindruck: Kühl wirkender Sexshop für rationale Shopper.

Coco de Mer

Online-shoppen bei Coco de Mer gleicht einem Besuch eines sehr lasziven Boudoirs. Der englische Premium-Sexshop-Versender, der auch nach Deutschland liefert, hat es einfach drauf,  Lust auf Erotik zu machen. Und zwar intelligenten Menschen, die keine Scheu haben, ihre Lust auszuleben. Erst vor kurzem drehte der englische Top-Fotograf Rankin einen aufsehenerregenden Film, der eine einzige Hommage an sündige Gedanken ist. Genau diese Stimmung bringt das Portal rüber.



Das Angebot  an Wäsche von Marken wie Mimi Holliday, Paul Seville und Bordelle ist exquisit.  Auch die Dessous ihres eigenen Labels sind sehr verführerisch. Die Toys wurden bewusst kuratiert. Die hochwertigen Design-Produkte von Lelo sind ebenso darunter wie eigene Spielzeuge von Coco de mer, die so schöne Namen wie  Georgiana und Catherine tragen. Ein Sex-Toy kommt sogar als vergoldete Version für 12.000 Pfund daher. In England ist man offensichtlich bereit, für Erotik richtig Geld rauszuhauen. Daneben gibt es wirklich schönen Intimschmuck, Körperöle und einige Bücher (kein Shades-of-Grey, sondern Klassiker wie Anais Nin).
Absolut top: Das Unternehmen bietet eine eigene Salon-Reihe, wo Menschen mehr über Sex lernen können etwa „Playing the flute.“ Alles in allem schafft es Coco de mer, das Shoppen von Erotikartikeln im Internet zu einer überaus sinnlichen Erfahrung zu machen. Einfach alles an dieser Seite wirft das Kopfkino an. Wow!

Gesamteindruck: Der Rolls Royce unter den Erotikversendern: Verspielt, aufregend, sündig.

Yes we cum

Dieser Erotik-Online-Shop ist der Online-Nachfolger vom Insideher-Webshop, den Sandra Maravolo betrieben hat. Sandra ist in Frankfurt eine Institution und hat als Pionierin in den 90er Jahren den ersten Erotikshop mit Dessous und Spielzeugen in Frankfurt. Gerade hat sie in der Stiftstraße in Frankfurt ihren nagelneuen Laden eröffnet.

Bei Yeswecum merkt man einfach, dass Frauen hinter dem Portal stecken, die zehn Jahre Erfahrung beim Verkauf von Sex-Toys haben und wissen, was dem weiblichen Geschlecht im Bett wichtig ist. Der erste Eindruck: clean, aufgeräumt und nach Bestsellern sortiert. Yeswecum bietet dabei das Beste vom Besten: Fun Factory, Lelo und Embrace-Toys. Abgerundet wird das Angebot durch Nippelschmuck, Strap-ons und einige Drogerieartikel.

Top: Jedes Spielzeug wird ausführlich beschrieben mit allem, was es so kann. Schön, dass dabei auch der Humor nicht zu kurz kommt.

Gesamteindruck:  Der Geheimtipp unter den Erotik-Online-Versendern, der besonders gut versteht, was Frauen wollen.