Eigentlich gibt es genug Handelsfläche in Deutschland, sollte man meinen. Trotzdem stürzen sich Investoren und internationale Filialisten weiterhin auf den Markt hier. Allerdings suchen sie auch immer mehr Flächen für andere Segmente.

Deutschland bleibt beliebt bei Investoren in Handelsimmobilien. Der Markt wird zwar immer enger, die Renditen sinken langsam - doch das Interesse ebbt nicht ab. "Die enorme Vielfalt an Top-Einzelhandelsstandorten in Deutschland bietet mit neuen Flächen oder der Modernisierung von Bestandsobjekten viele spannende Möglichkeiten", sagt Jan Linsin, Head of Research Deutschland bei weltweit tätigen Immobiliendienstleister CBRE. Die guten wirtschaftliche Rahmendaten (Beschäftigung, Kaufkraft, Konsumlust) sind dabei attraktiv für Einzelhändler wie für Investoren. "Daher gehen wir davon aus, dass der deutsche Einzelhandelsimmobilienmarkt in den kommenden Jahren weiterhin ein Schlüsselmarkt für internationale Investoren sein wird", sagt Linsin.

Wenn internationale Filialisten expandieren wollen, gilt derzeit grob die Reihenfolge: erst nach London, dann nach Deutschland.

CBRE hat seinen dritten Report über die Handelsimmobilienlandschaft aufgelegt, liefert Details von über 20 Standorten und erläutert Trends im deutschen Einzelhandel. Die Topstandorte im deutschen Einzelhandel sind weiterhin Berlin, Hamburg, München und Köln sowie Frankfurt und Düsseldorf - nur Stuttgart fehlt hier erstaunlicherweise. Bei der Nachfrage in den Städten gibt es auch für CBRE einen klaren Trend: In den 1A-Lagen werden kleinere Flächen gesucht. Das heißt in der Regel, Läden mit 100 bis maximal 200 Quadratmeter.

Gastronomie sucht verstärkt Flächen

Allerdings sorgt nicht mehr nur der Handel für hohe Dynamik im Vermietungsmarkt, was auch ein Zeichen dafür sein dürfte, dass die hohen Mieten nicht mehr von allen Handelsunternehmen akzeptiert werden. Vielmehr suchen die Segmente Gastronomie und Freizeit verstärkt Flächen. Bei neuen und renovierten Shoppingcentern ist es schon lange üblich, die sogenannten Food Courts zu vergrößern. Branchweit gilt die Regel, dass künftig 12 Prozent und sogar mehr der Fläche eines Centers von Gastronomie gemietet wird. Vor einiger Zeit waren es um die 8 Prozent. 

Insgesamt verzeichnen die Segmente Freizeit, Restaurants, Lebensmittelhandel/Tabakwaren, Gesundheit/Kosmetik sowie Sport höhere Mietaktivitäten als in der Vergangenheit, schreibt CBRE. Dabei machen vor allem das Segment Freizeit und das Segment Körper und Gesundheitspflege aktuell einen signifikant höheren Anteil der Anmietungen aus. Ihr Anteil am Gesamtmietvolumen ist um 3,1 Prozent beziehungsweise 1,9 Prozent zum Durchschnitt der Jahre 2010 bis 2014 gestiegen.

Im Gegensatz dazu sind die Mietaktivitäten in den Segmenten Haushaltswaren, Schuhe und Lederwaren, Multimedia, Bücher und Geschenke und teilweise auch im Bekleidungshandel - jeweils gemessen an der Anzahl der Vermietungen - zurückgegangen. Auch dies steht im Zusammenhang mit dem erstarkenden Onlinehandel. Einzelhändler aus Segmenten wie Multimedia oder Bücher setzten daher vermehrt auf Multichannel-Konzepte, schreibt CBRE weiter.