Mit Kaiser's Tengelmann akzeptiert nun auch der letzte größere Lebensmittelhändler in Deutschland Kreditkarten. Der Zahlungsdienstleister Concardis will 2010 noch weitere Lücken schließen.

"Noch vor Jahresende 2010 wird der erste Discounter in Deutschland Kreditkarten akzeptieren", kündigte Rainer Sureth, Mitglied der Geschäftsführung von Concardis, auf der Jahrespressekonferenz des Zahlungsdienstleisters in Frankfurt am Main an.

Ob Lidl, Penny, Aldi Nord/Süd oder der Edeka-Discounter Netto als erster Visa und Mastercard an den Kassen akzeptieren wird, ließ Sureth jedoch offen. Der Discounter Norma wurde in diesem Zusammenhang nicht erwähnt.

Interessant sei die Kreditkartenakzeptanz für die Billiganbieter insbesondere im Non-Food-Aktionsgeschäft, also für die Bezahlung von Computer, Fernseher oder ähnlichen Angeboten. "Ich glaube nicht, dass die Kunden künftig Käse mit der Kreditkarte bezahlen werden", so Sureth.

Etwa ein Prozent des Gesamtumsatzes werde im Lebensmittelhandel mit Kreditkarten bezahlt. Diese Größenordnung sei auch bei den Discountern realistisch.

Deutliches Umsatzplus im Krisenjahr 2009

Concardis ist - neben der B+S Card Service - einer der größten Kreditkarten-Acquirer in Deutschland. Die so genannten Acquirer schließen für Visa, Mastercard, American Express und andere Kreditkartenunternehmen Akzeptanzverträge mit Händlern, Gastronomen, Hotels oder Dienstleistungsunternehmen.

Nach eigenen Angaben besitzt Concardis mit rund 400.000 Akzeptanzstellen einen Marktanteil zwischen 34 und 38 Prozent.

Im vergangenen Jahr konnte das Unternehmen seinen Transaktionsumsatz auf 20,4 Milliarden Euro erhöhen - und damit ein Plus von 7,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr verzeichnen. Die Umsatzerlöse stiegen von 278,2 Millionen Euro in 2008 auf 293,6 Millionen Euro in 2009. Das entspricht einer Steigerung um 5,5 Prozent.

Zweistelliger Umsatzzuwachs in 2010 erwartet

Zum Ergebnis macht das Gemeinschaftsunternehmen der deutschen Kreditwirtschaft seit 2009 keine Angaben mehr - mit dem Hinweis auf den zunehmenden Wettbewerb im Acquiringgeschäft.

"In 2010 verzeichnen wir bislang einen zweistelligen Umsatzzuwachs. Wir erwarten auch für das Gesamtjahr eine ähnliche Entwicklung", sagte Manfred Krüger, Vorsitzender der Concardis-Geschäftsführung.

Das Unternehmen ist derzeit auch in Österreich, der Schweiz und in den Benelux-Ländern aktiv und erwartet in Kürze die Zulassung der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) zum Zahlungsinstitut.

"Die Zulassung wird das europaweite Acquiring vereinfachen, da wir damit nicht in jedem europäischen Land eine eigene Genehmigung für unsere Dienstleistungen beantragen müssen", erläuterte Sureth. "Unsere deutschen Kunden im Handel erwarten, dass wir sie bei ihrer Expansion begleiten, daher wollen wir das Auslandsgeschäft weiter ausbauen."

Als Neukunden für die Kreditkartenakzeptanz konnte Concardis den Lebensmittelhändler Kaiser's Tengelmann für American Express gewinnen. Beim Konkurrenten Edeka kann laut Sureth in mittlerweile 600 Märkten mit der Kreditkarte bezahlt werden. Der größte deutsche Lebensmittelhändler will die Plastikkärtchen nach und nach ebenfalls bundesweit akzeptieren. Rewe bietet seinen Kunden diesen Service seit 2007, die Metro-SB-Warenhäuser real seit 1999 und Karten-Pionier Tegut seit 1997.

Bewegung im Debitkartengeschäft

Mit Spannung blickt Concardis auf die weitere Entwicklung im Debitkartenbereich: "Wir können auf ein sehr erfolgreiches Maestro-Geschäft in 2009 zurückblicken. Jetzt sind wir gespannt, ob V-Pay nachziehen wird", sagte Rainer Sureth.

Quelle: Concardis
Quelle: Concardis
Visa Europe hat die  Kartenausgabe des Debit-Produktes V-Pay in Deutschland im Herbst 2009 im größeren Stil begonnen und avisiert eine Zielmarke von rund 10 Millionen Karten bis zum Jahresende. Insgesamt gibt es in Deutschland derzeit rund 90 Millionen Debitkarten (EC-Karten).

Der Transaktionsumsatz mit Maestro-Karten bei Concardis stieg von 800 Millionen in 2008 um 62,5 Prozent auf 1,3 Milliarden Euro im vergangenen Jahr. Ein Großteil davon entfalle auf Schweizer und Österreicher, die ihre Maestro-Karten in Deutschland an Geldautomaten oder POS-Terminals einsetzen, erläuterte Krüger.

Wachstumsmärkte E-Commerce und M-Payment

Rund 10 bis 12 Prozent des Umsatzes der Concardis resultiere mittlerweile aus dem E-Commerce-Geschäft. Der Zahlungsdienstleister bietet mit der "PayEngine" eine E-Payment-Lösung für Onlineshops an, die mehr als 30 gängige Internetzahlverfahren in einem Modul integriert - von der Kreditkartenakzeptanz über Giropay, Sofortüberweisung.de, Paypal bis hin zu landesspezifischen Verfahren.

"Dieser Markt ist noch längst nicht gesättigt", freut sich Sureth. Der Anteil des E-Commerce-Geschäfts am Gesamtumsatz von Concardis wachse jährlich um einen Prozentpunkt. Man arbeite zudem an einer Applikation ("App") für die Apple-Produkte iPhone und iPad, die Kreditkartenakzeptanz über die mobilen Geräte ermöglichen soll.

Nachdem im Lebensmittelhandel mit Kaiser's Tengelmann nun der letzte größere weiße Fleck bei der Kreditkartenakzeptanz beseitigt werden konnte, hofft Concardis neben den Discountern auch noch auf die Elektrofachmärkte. Der Möbelhandel zeigt bislang offenbar kein Interesse an den Plastikkärtchen.