In Baden-Württemberg haben sich die Tarifparteien im Einzelhandel auf Lohnerhöhungen verständigt. Es ist der bundesweit erste Abschluss in der Branche, er könnte nach ersten Reaktionen von HDE und Verdi Pilotfunktion haben.

Im Tarifkonflikt des deutschen Einzelhandels gibt es den ersten Abschluss. Die 220.000 Beschäftigten in Baden-Württemberg bekommen ab Juni dieses Jahres drei Prozent mehr Lohn sowie ab Juni 2012 noch einmal zwei Prozent mehr Geld, wie Verdi-Verhandlungsführer Bernhard Franke am frühen Freitagmorgen in Korntal-Münchingen (Kreis Ludwigsburg) mitteilte.

Es war die bundesweit sechste Verhandlungsrunde. Tarifgespräche im Handel werden regional geführt. Der Verhandlungsführer der baden-württembergischen Arbeitgeber, Philip Merten, sagte, der Abschluss habe Pilotfunktion.

Verdi und HDE kommentieren das Ergebnis

Auch nach Ansicht von Verdi ist das nächtliche Verhandlungsergebnis wegweisend für die gesamte Branche. "Ich gehe davon aus, dass dieser Abschluss eine Signalwirkung auch für die Verhandlungen in den anderen Bundesländern hat und die Arbeitgeber sich dort jetzt entsprechend bewegen", teilte die stellvertretende Verdi-Vorsitzende Margret Mönig-Raane am Freitag in Berlin mit. Sie sei "zufrieden, dass es gelungen ist, zu einem Ergebnis mit akzeptablen Entgeltsteigerungen zu kommen".

Der tarifpolitische Ausschuss des HDE wird sich am 14. Juni mit der Frage beschäftigen, ob Baden-Württemberg als Vorbild dienen kann. Das sagte der Leiter des Gremiums, Rainer Marschaus, der Nachrichtenagentur dpa. "Ich erwarte eine kontroverse Diskussion", sagte Marschaus. "Der Abschluss ist sicherlich, was das Entgelt angeht, für die übrigen Gebiete nicht unerheblich." Allerdings gebe es darüber hinaus unterschiedliche Probleme in den verschiedenen Tarifgebieten. "Eine Eins-zu-eins-Übernahme wird nicht erfolgen."

Verhandlungen bis in die Morgenstunden

Bernhard Franke betonte, der Tarifabschluss in Baden-Würrtemberg stelle einen Erfolg dar, weil es gelungen sei, für beide Jahre eine dauerhafte Lohnerhöhung durchzusetzen, die voraussichtlich die Teuerungsrate ausgleichen könne. Philip Merten kommentierte den Abschluss für die Arbeitgeberseite als "gerade noch vertretbar". Es seien schwierige Gespräche gewesen.

Für April und Mai dieses Jahres bekommen die Beschäftigten keine Gehaltserhöhung. Für April 2012 ist dann eine Einmalzahlung von 50 Euro vorgesehen und im Mai gibt es dann wieder einen "Nullmonat", bevor die Löhne im Juni um zwei Prozent angehoben werden, wie Franke weiter mitteilte.

Arbeitgeber und Verdi vereinbarten für Baden-Würrtemberg auch Änderungen im Manteltarifvertrag. Es sei die  altersabhängige Urlaubstaffel abgeschafft worden, die von Gerichten als diskriminierend gewertet wurde, erläuterte Franke. In Zukunft haben alle Beschäftigten Anspruch auf sechs Wochen Urlaub.

Verdi hatte 6,5 Prozent mehr Geld gefordert und mit Warnstreiks Druck auf die Arbeitgeber ausgeübt. Die Einzelhandelsbranche hat bundesweit 2,9 Millionen Beschäftigte und erzielt einen Jahresumsatz von 400 Milliarden Euro.