Verdi hat bei Karstadt vorerst nur noch ein Ziel: die Jobs retten. Dass schon feststeht, welche Filialen dichtgemacht werden, bestreitet Arno Peukes, der für die Gewerkschaft im Aufsichtsrat des Unternehmens sitzt.

In einer Woche, am 21. August, kommt der Aufsichtsrat von Karstadt zusammen. Und Arno Peukes will an diesem Tag Klarheit haben. "Ich erwarte, dass uns endlich gesagt wird, wohin der Wagen fährt, und wer ihn lenkt", sagte der Verdi-Mann, der für die Gewerkschaft in diesem Gremium sitzt, der Tageszeitung "Die Welt".

Peukes erneuerte seine Forderung an Karstadt-Besitzer Nicolas Berggruen, mehr in das angeschlagene Warenhausunternehmen zu investieren. "Bisher hat er kaum mehr als den einen Euro in das Unternehmen gesteckt, den er als Kaufpreis gezahlt hat. Aber er hat über 40 Millionen Euro über die Namensrechte aus dem Unternehmen herausgezogen", klagte der Gewerkschafter. "Zumindest diesen für die Beschäftigten und das Unternehmen dringend erforderlichen Betrag muss er umgehend zurückzahlen." Zudem müsse Berggruen endlich sagen, welches Konzept er für die Warenhäuser habe, mit welcher Idee Karstadt wieder nach vorne gebracht werden solle.

Rückkehr zur Tarifbindung hat nicht mehr oberste Priorität

Angesichts der großen Krise bei Karstadt ist Verdi offenbar davon abgerückt, für die Rückkehr in die Tarifbindung zu kämpfen. "Im Augenblick hat die Standort- und Beschäftigungssicherung oberste Priorität für uns. Alle Karstadt-Häuser müssen erhalten bleiben", forderte Peukes. Von zuletzt immer wieder diskutierten Schließungslisten wollte der Gewerkschafter nichts wissen. "Es gibt keine Schließungsliste, von der wir wüssten."

Peukes fragte sich zudem, warum Geld für Schließungen ausgegeben werden solle, "wenn doch laut der ehemaligen Karstadt-Chefin Eva-Lotta Sjöstedt kein Geld für die so wichtigen Investitionen da war". Zuletzt hatte der Aufsichtsratschef Stepahn Fanderl von "schmerzhaften Einschitten" gesprochen. Diese Äußerungen hätten bei den Beschäftigten Ängste geschnürte, schimpfte Peukes. "Das ist unverantwortlich." Generell sei die Stimmung in vielen Häusern desolat.

Grundsätzlich lobte der Gewerkschafter in dem Interview die bisherige Karstadt-Chefin Sjöstedt mit ihren Ideen, die Stammkunden zu reaktivieren und den Filialen mehr Eigenständigkeit zu geben. Einer der Fehler der Vergangenheit sei gewesen, die Multimediaabteilungen aufzulösen, weil dieser Schritt Frequenz gekostet habe. Als Beispiele dafür nannte Peukes die Häuser in den Hamburger Stadtteilen Wandsbek und Eimsbüttel.