Die geplante Single Euro Payments Area (SEPA) wird die Kartenzahlung in Europa verändern. DerHandel sprach mit Marcus W. Mosen, Geschäftsführer der easycash Holding, über Risiken und Chancen.

Um den europäischen Kartenmarkt der Zukunft konkurrieren Mastercard, Visa, die Bankeninitiativen EAPS und Monnet und die private Organisation PayFair. Wird sich der Einzelhandel langfristig auf zwei, drei oder gar fünf Debitkartenverfahren einstellen müssen?
Mit den beiden internationalen Verfahren V PAY und Maestro muss im Zuge des SEPA-Prozesses auf jeden Fall gerechnet werden, beide werden sich weiter durchsetzen und Marktanteile hinzugewinnen. Bei den Initiativen der europäischen Banken - EAPS und Monnet - darf man gespannt sein, wohin sich die Kräfteverhältnisse entwickeln. Die Institute werden sich über kurz oder lang auf eine Marschrichtung einigen müssen, in Deutschland scheint das besonders schwierig zu sein. Chancen sehe ich aber auch für ganz neue Zahlungsverfahren, die von dritter Seite in den Markt kommen könnten. Die großen Mobilfunkbetreiber etwa könnten gemeinsam mit den großen deutschen oder europäischen Handelsunternehmen neuartige Zahlungslösungen etablieren. Auch diese Möglichkeit sollte man bei SEPA nicht vergessen.

Sehen Sie Chancen, dass der Handel vom SEPA-Prozess in absehbarer Zeit profitiert - etwa durch geringere Gebühren bei den Kartentransaktionen?
Durch die Konsolidierung auf Seiten der Zahlungsdienstleister und durch günstigere Preise für die Terminals profitiert der Handel bereits - und diese Effekte werden mittelfristig noch weiter eine Rolle spielen. Aber auch bei den Gebühren für die Transaktionen wird Bewegung in den Markt kommen, wenn der Wettbewerbsdruck der konkurrierenden Verfahren steigt und sich die Interchangedebatte einem weiteren Wettbewerb ausgesetzt sieht.

Wie steht es Ihrer Meinung nach um die Zukunft des kartengestützten Lastschriftverfahrens im SEPA-Raum?
Der Markt - und damit der Handel - verlangt nach dem kosteneffizienten und für den Verbraucher bequemen Lastschriftverfahren per Karte. Daher wird es dieses Verfahren auch weiterhin geben. Durch Innovationen wie SignPads und die digitale Belegarchivierung wird es noch attraktiver. Mit der kommenden SEPA-Lastschrift ist es vielleicht möglich, dieses hocheffiziente, bankenunabhängige Kartenverfahren auch in andere europäische Länder zu tragen.

Interview: Hanno Bender
Das Interview erschien in Der Handel 01/09