In privater Atmosphäre sitzt das Geld offenbar besonders locker: Verkaufspartys sind Trend in der boomenden Direktvertriebsbranche. Immer mehr Vertreter sorgen für steigende Milliardenumsätze.

Vom Kochtopf bis zum Erotikzubehör: Mit einem ständig wachsenden Vertreterheer bringt die boomende Direktvertriebsbranche in Deutschland ihre Produkte an die Kunden. Bereits im vergangenen Jahr seien knapp 100.000 zusätzliche sogenannte Vertriebspartner engagiert worden, so dass derzeit rund 823.000 Berater überwiegend nebenberuflich für die Branche in Deutschland unterwegs seien, teilte Leonie Heitmüller vom Bundesverband Direktvertrieb Deutschland (BDD) mit. Bis 2019 soll das Vertreterheer nach einer von dem Verband vorgelegten Prognose um weitere 25 Prozent wachsen und damit Millionenstärke erreichen.

Wichtigste Produkte der Branche seien Schmuck, Accessoires und auch Erotikartikel, berichtete Heitmüller. Im Angebot seien aber auch High-Tech-Kochtöpfe, Wein, Energielieferverträge, Bastelmaterialien und Nahrungsergänzungsmittel. Nach einem Umsatzplus um 5 Prozent auf
15,3 Milliarden Euro im vergangenen Jahr rechne die Branche auch für 2015 mit einem weiter rasanten Wachstum. Erwartet werde ein Plus von 9 Prozent auf 16,7 Milliarden Euro, hieß es.

Persönlich und individuell

"Wir verzeichnen einen Gegentrend zum Internet. Viele Verbraucher finden es toll, wenn sie persönlich und individuell beraten werden", sagte Heitmüller. Wichtigster Vertriebsweg der Branche seien mit einem Anteil von 41 Prozent sogenannte Verkaufspartys. Bei den oft mehr als eine Stunde dauernden Veranstaltungen würden die Produkte nach vorheriger Einladung meist im eigenen Wohnzimmer vorgeführt.

Derzeit im Trend seien etwa Bastel- oder Kochpartys, oder auch die in der Regel ausschließlich auf den Besuch von Frauen oder auch Paaren ausgerichtete Präsentation von Erotikartikeln. Speziell bei männlichen Kunden gefragt seien dagegen etwa Vorführungen von Elektroartikeln, High-Tech-Kochtöpfen oder auch Weinverkostungen. Mit einem Anteil von nur noch 18 Prozent spiele dagegen der klassische Vertreterverkauf nur noch eine Nebenrolle.

Die Verdienstspanne der sogenannten Berater reiche von einem kleinen Zubrot bis zum Familieneinkommen. Mit einem Anteil von 58 Prozent stellten Frauen die Mehrheit, so Heitmüller.