Über die Finanzierung von Unternehmen sprach Der Handel mit Jochen H. Ihler, Bereichsvorstand der Commerzbank AG und verantwortlich für das mittelständische Firmenkundengeschäft in Deutschland.

Foto: Commerzbank AG
Foto: Commerzbank AG
Herr Ihler, gibt es trotz Finanzkrise derzeit noch Kredite für Unternehmen?

Auch im aktuellen Umfeld vergeben wir weiter Kredite. Im vergangenen Jahr sind die Kreditinanspruchnahmen unserer mittelständischen Kunden um elf Prozent auf ein Gesamtvolumen von 46,5 Milliarden Euro angestiegen. Im November des letzten Jahres haben wir mit dem Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung (Soffin) der Bundesregierung ein zusätzliches Kreditprogramm zur Stärkung des Mittelstands vereinbart, das 2,5 Milliarden Euro umfasst. Auch im laufenden Jahr stehen in unserem Kreditgeschäft die Zeichen auf Wachstum.

Mittelständler sprechen dennoch von einem erschwerten Zugang zu Finanzierungen. Was muss ein Unternehmer heute ins Bankgespräch mitbringen, um einen Kredit zu erhalten?
Kreditentscheidungen beruhen auf gewachsenem Vertrauen. Eine offene Kommunikation zur Hausbank ist also nötig und eine langjährige Beziehung zum Bankberater bewährt sich gerade in schwierigen Zeiten. Neben dieser Vertrauensbasis ist natürlich die transparente Dokumentation der wirtschaftlichen Situation des Unternehmens wichtig. Gibt es eine Planung für die nächsten ein bis drei Jahre? Werden dabei verschiedene Szenarien zu Umsatz und Ertrag berücksichtigt? Wie flexibel reagiert das Unternehmen auf die Herausforderung, Kosten zu reduzieren? Solche Fragen fließen heute in Kreditentscheidungen ein. Und last but not least ist selbstverständlich der zeitnahe Dialog über den Jahresabschluss für uns wichtig.

Und die Konditionen für Kredite?
Die haben sich tatsächlich verändert. Finanzierung ist insgesamt teurer geworden, was auch mit der verteuerten Refinanzierungder Banken zusammenhängt. Dennoch:  Es gibt Neugeschäft, unsere Kreditzusagen sind im ersten Quartal 2009 deutlich gewachsen. Zudem nutzen wir auch gerne die Kreditprogramme aus dem Konjunkturpaket I und II mit der Möglichkeit der Haftungsfreistellung über die staatliche KfW Bank.

Ist die Commerzbank auch noch bereit, bei der Kreditvergabe ein Risiko einzugehen, beispielsweise sanierungsfähige Unternehmen zu begleiten?
Betriebe aus einer gewachsenen Kundenbeziehung, die in Schwierigkeiten geraten, aber nach unserer Einschätzung sanierungsfähig und chancenreich sind, begleiten wir auch durch die aktuelle Krise. Wir haben im Haus eigens Beraterteams, die darauf spezialisiert sind, Unternehmen in schwierigen Phasen beim Turnaround zu begleiten.

Was tritt an die Stelle von Finanzierungsinstrumente wie Mezzanine-Kapital oder Schuldscheindarlehen, nachdem der Verbriefungsmarkt zum Erliegen gekommen?
Wir bieten derzeit keine Standard-Mezzanine-Programme an (Anm. d. Red.: Mischform zwischen Eigen- und Fremdkapital), möglich sind aber weiterhin Mezzanine-Beteiligungen auf individueller Basis, die wir ins eigene Kreditbuch nehmen. Für Unternehmen, die in den vergangenen Jahren drei, vier Mezzanine-Tranchen bei unterschiedlichen Banken gezeichnet haben, können sich aber in der Tat schwierige Fragen stellen, wenn demnächst eine Nachfinanzierung ansteht. Auch für Schuldscheindarlehen ist die Situation ähnlich herausfordernd. Hier greifen als Ersatz aber die Kreditprogramme aus den Konjunkturpaketen.

Foto: Commerzbank
Foto: Commerzbank
Sind "Club Deals" das neue Zauberwort bei den Finanzierungsinstrumenten? Was verbirgt sich dahinter?
Club Deals sind eine Form von Konsortialkrediten mit drei bis vier Banken, bei denen ein gemeinsamer Kreditvertrag mit einheitlichen Konditionen vereinbart wird. Die Laufzeiten betragen in der Regel bis zu fünf Jahre und das Kreditvolumen für Club Deals beginnt bei rund 15 Millionen Euro. Sie sind etwas teurer als bilaterale Vereinbarungen, bringen aber auch viele Effizienzvorteile für beide Seiten.

Was bedeutet der Integrationsprozess von Commerzbank und Dresdner Bank für die mittelständische Kundschaft? Müssen sich viele Unternehmer auf einen Wechsel des Bankberaters einstellen?
Die Fusion bringt für unsere Kunden vor allem Vorteile: Wir werden noch dezentraler aufgestellt sein, mit mehr als 100 Regionalfilialen und unsere Schlagkraft bei den Produkten wird sich durch das zusätzliche Know-How aus der Dresdner Bank erhöhen. Darüber hinaus werden wir international stärker präsent und leistungsfähiger sein. Einschränkungen bei der Beratungsqualität wird es nicht geben. Unsere Ziel ist, dass bei der persönlichen Betreuung Kontinuität gewahrt bleibt.

Interview: Hanno Bender

Zur Person: Jochen H. Ihler, ist Bereichsvorstand der Commerzbank AG und verantwortlich für das mittelständische Firmenkundengeschäft in Deutschland.

Das Interview erschien in der April-Ausgabe des Wirtschaftsmgazins Der Handel.