Qualität und Größe – damit will Euronics bald auf Augenhöhe mit dem Branchenführer im Elektronikhandel stehen. Zumindest im europäischen Markt. In Deutschland erzielte die Verbundgruppe einen neuen Umsatzrekord.

Gewiss ist es das Vertrauen in die eigene Stärke, aber bestimmt spielt auch die aktuelle Schwächephase des Konkurrenten eine Rolle. So selbstbewusst wie noch nie hat Euronics der Media-Saturn-Holding (MSH) den Kampf um die Vorherrschaft im europäischen Elektronikhandel angesagt.

Spätestens im Jahr 2015 will die Verbundgruppe in Europa die Schallmauer von 20 Milliarden Euro Umsatz durchbrechen "und auf Augenhöhe mit dem größten Wettbewerber sein", formulierte der Euronics-Vorstandschef Benedikt Kober an diesem Dienstag in Stuttgart seine Vision. Euronics erlöste im Geschäftsjahr 2009/2010 in Europa 15,1 Milliarden Euro, MSH 20,8 Milliarden Euro.

Schwächephase ausnutzen

Im Prinzip war die Verkündung der Bilanzzahlen eine große, aber versteckte Kampfansage an die übermächtige MSH, die gerade im Schlussquartal 2010 von einigen Turbulenzen erfasst worden war - inklusive Absetzung des bisherigen Chefs.

Diese Schwächphase will Euronics ausnutzen. Zum sechsten Mal in Folge meldet die Verbundgruppe mit Sitz im schwäbischen Ditzingen eine Umsatzsteigerung für den deutschen Markt. Im zurückliegenden Geschäftsjahr (Stichtag 30. September 2010) betrug der zentralregulierte Umsatz 1,85 Milliarden Euro – das ist ein bemerkenswertes Plus von 11 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. "Wir sind die Nummer Eins der Verbundgruppen und die Nummer zwei hinter dem größten Wettbewerber", betonte Kober.

Der Außenumsatz der 1.768 Mitgliedsbetriebe betrug im abgelaufenen Geschäftsjahr genau 4 Milliarden Euro. An die Händler wurden für das Geschäftsjahr 2009/10 114,9 Millionen Euro Boni ausgeschüttet - 16,6 Millionen mehr als im Vorjahr.

Insgesamt hat Kooperation die Lücke zu MSH etwas verkleinert. Geschätzt setzte der Konkurrent aus Ingolstadt im Jahr 2010 auf dem deutschen Markt 10,4 Milliarden Euro um.

Kober macht sich keine Illusionen, dass sich dieses Kräfteverhältnis in Deutschland irgendwann grundlegend verändern wird – aber im europäischen Vergleich sieht er die Aussichten rosiger. Derzeit steht Euronics vor der Übernahme von 34 französischen Saturn-Märkten, die für ein Umsatzvolumen von rund 700 Millionen Euro stehen. Kober ist anzumerken, dass ihm dieser Coup große Freude bereitet, denn er ist auch verbunden mit dem totalen Rückzug von Saturn in Frankreich.

Dreifachversprechen an die Verbraucher

Den neuen Größenanspruch will Euronics noch deutlicher kommunizieren. Die Kooperation wird künftig damit werben, mit 11.000 Standorten in Europa vertreten zu sein, "es gibt keine Organisation, die größer ist", sagt Kober. "Größe schafft Vertrauen und Preiswürdigkeit." Und dieses Vertrauen der Kunden will Euronics nicht über den einen Preiskampf gewinnen, sondern mit dem Slogan "Best of Kundennähe".

Beste Auswahl, beste Beratung, bester Service lautet das Dreifachversprechen, das in diesem Jahr auch durch eine deutlich ausgeweitete Marketingkampagne mit TV-Spots in den publikumswirksamen Sendungen ("Schlag den Raab", "Germanys next Topmodel", "Sportschau") abgegeben werden soll.

Mit "Superlativ-Strategie" bezeichnet Kober seinen Masterplan für 2011. Dazu gehört unter anderem eine individuelle Inszenierung und Vermarktung sogenannter "Top-Produkte", wovon sich Euronics drei Vorteile verspricht: bessere Orientierung für den Konsumenten, bessere Vermarktungsmöglichkeiten für den Händler sowie eine verbesserte Partnerschaft mit der Industrie. Klasse statt Masse lautet das Credo beim Warenangebot in den Mitgliedsgeschäften, "denn der Verbraucher ist oft überfordert", meint Kober.

Attraktiver Partner der Industrie

Dieser bisher schon gültige Anspruch wird von den Konsumenten goutiert. Der Durchschnittsbon von Euronics-Kunden ist laut Vorstandschef deutlich höher als in Geschäften im Gesamtmarkt. Bei Weißer Ware waren das im zurückliegenden Geschäftsjahr 560 Euro, das sind 70 Euro mehr als im Marktdurchschnitt. Kunden von Unterhaltungselektronik erzielten bei Euronics einen Durchschnittsbon von 793 Euro – im übrigen Markt 675 Euro. "Das macht uns zu einem attraktiven Partner für die Industrie", betont Kober.

Den größten Umsatzanteil hat traditionell der Warenbereich Unterhaltungselektronik – hier stiegen die Euronics-Erlöse um 13 Prozent auf 950 Millionen Euro. Der Gesamtmarkt wuchs laut Kober lediglich um 4 Prozent.

Frohe Weihnachten

Mit einem Seitenhieb auf MSH sprach Kober auch von einem zufrieden stellenden Weihnachtsgeschäft für Euronics, das in den Läden um „2 bis 3 Prozent“ über dem Vorjahr gelegen habe. In der Zentrale habe man immerhin noch das Vorjahresresultat erzielen können. Der Metrokonzern und dessen Tochter MSH hatten, wie viele andere Handelsunternehmen, unter dem schlechten Wetter gelitten.

Angesichts dieser guten Zahlen und der großen Visionen sind die Euronics-Ziele für 2011 bescheiden – aber das mag auch taktisch bedingt sein. Kober nannte es "schwäbische Zurückhaltung". Um lediglich 2 Prozent soll Euronics in diesem Jahr wachsen. Fernsehgeräte, Tablet-PCs, Smartphones, Haustechnik und Heimnetzwerke sind als Verkaufsschlager vorgesehen.

Zu schaffen macht nicht nur Euronics der stete Preisverfall der Geräte, allein bei der Unterhaltungselektronik gingen die Margen im vorigen Jahr um etwa 0,3 Prozent zurück. Trotzdem sprach Kober von einer noch "mehr oder weniger stabilen Margensituation".

Steffen Gerth, Stuttgart