Neue Studie, altes Problem: Die EU bemängelt, dass die Europäische Idee nicht bei den Konsumenten ankommt. Sie kaufen auch online nicht grenzüberschreitend ein und sind schlecht über ihre Rechte informiert.

Eigentlich wird es besser in Europa: Das Verbrauchervertrauen hat sich im vergangenen Jahr innerhalb der Europäischen Union (EU) nach einer Verschlechterung 2009 zum zweiten Mal in Folge verbessert, wie die heute veröffentlichte Frühjahrsausgabe des Verbraucherbarometers der Europäischen Kommission zeigt.

In dem "7th Consumer Scorboard" wird das Vertrauen der Verbraucher in Behörden, Handel und Verbraucherorganisationen gemessen. Berücksichtigt werden zudem die Produktsicherheit sowie die Bearbeitung von Beschwerden.

Demnach sind die Bedingungen für Konsumenten in Luxemburg, Großbritannien, Dänemark, Österreich, Irland, Finnland, den Niederlanden, Belgien, Deutschland, Frankreich und Schweden besser als in den anderen Ländern der EU.

Allerdings bemängelt die Kommission auch in diesem Jahr wieder, dass der Internethandel zwar grundsätzlich weiter zunimmt, die Verbraucher aber immer noch weitestgehend in ihrem Heimatland einkaufen und der Handel über Grenzen hinweg nach wie vor schlechter läuft, als die Politiker es wollen.

Skeptische Verbraucher fürchten unseriöse Angebote

Viele Verbraucher seien skeptisch, ob Anbieter aus dem europäischen Ausland wirklich seriöse Angebote haben - und sind selbst recht schlecht informiert. So können der Studie zufolge neun von zehn Verbraucher Fragen zur Garantie, zum  Widerrufsrecht und wie sie bei dem Erhalt unbestellter Ware vorgehen müssen, nicht richtig beantworten. Selbst viele europäische Unternehmen sind sich demnach ihrer gesetzlichen Pflichten gegenüber den Verbrauchern ganz nicht im klaren: So wüssten nur 27 Prozent der Händler, wie viel Zeit den Verbrauchern zusteht, um ein mangelhaftes Produkt zurückzugeben.

Weil die Konsumenten weitgehend national und nicht grenzüberschreitend einkaufen, verpassten sie eine größere Auswahl – und Einsparungen bis zu 204 Milliarden Euro im Jahr, bemängelt der für Gesundheit und Verbraucherschutz zuständige EU-Kommissar John Dalli: "Ich appelliere daher an die nationalen Politiker und Entscheidungsträger, die aktuellen Ergebnisse zu nutzen, ein entsprechendes Qualitätsumfeld für den Verbraucher aufzubauen.

EU-Kommissar Dalli fordert aufgeklärte Konsumenten

Nur wenn die Verbraucher sich ihrer Rechte bewusst sind und Vertrauen fassen, wird das Potenzial des Europäischen Binnenmarktes für Innovation und Wachstum gestärkt und ausgeschöpft. Dafür ist es entscheidend, zum Wohle der europäischen Wirtschaft, Verbraucher und Unternehmen qualitativ hochwertiger Rahmenbedingungen für Verbraucher zu schaffen."

Die EU-Kommission hatte in der vergangenen Woche eine neue Verbraucheragenda auf den Weg gebracht. Mit ihr wollen die Politiker die Verbrauchersicherheit erhöhen, den Rechtsschutz verbessern, die Rahmenbedingungen besser an die digitale Gesellschaft anpassen und die Verbraucher besser informieren.