Um Lastschriften im SEPA-Zeitalter als sicheres Zahlverfahren im Internet anbieten zu können, suchen die europäischen Banken nun nach einer neuen Lösung für die elektronische Mandatserteilung.

Die europäischen Banken entdecken das Internet: "Um sicherzustellen, dass die Lastschriftverfahren den Marktbedürfnissen gerecht werden, hat das European Payment Council eine Umfrage gestartet, um existierende oder geplante Lösungen für elektronische Mandatierungen in der Single Euro Payments Area (SEPA) zu finden", schreibt das Gemeinschaftsgremium der europäischen Kreditwirtschaft seit vergangener Woche sinngemäß auf seiner Homepage.

Anhand der Ergebnisse der Erhebung will das European Payment Council (EPC) überprüfen, ob die Regeln für das so genannte "eMandat" überarbeitungsbedürftig sind. Das eMandat wurde im Jahr 2008 in den SEPA-Regelwerken der europäischen Banken definiert, um Lastschriftabbuchungen auch auf elektronischem Wege mandatieren zu können. Es sollte eine Alternative zum papierhaften, vom Kontoinhaber eigenhändig unterschriebenen Lastschriftmandat sein.

Das Konzept des eMandats stieß in der Praxis jedoch kaum auf Resonanz und wurde in Deutschland, dem Land mit dem höchsten Lastschriftaufkommen in Europa, von der Kreditwirtschaft nicht umgesetzt.

EPC: "Rapide technologische Veränderungen seit 2008"

"In Anbetracht der rapiden technologischen Veränderungen seit 2008 will das EPC sicherstellen, dass die Lastschriftverfahren für alle Beteiligten im Zahlungsverkehr durch weit verbreitete elektronische Mandatierungen attraktiv und praktikabel bleiben", betont das Bankengremium, das die konkreten Umsetzungsregeln für alle europäischen Zahlungsverfahren in den so genannten "SEPA-Rulebooks" festlegt.

In Deutschland beschäftigt die Frage, wie eine Lastschrift nach dem SEPA-Stichtag, 1. Februar 2014, wirksam mandatiert werden kann, Zahlungsverkehrsexperten, Unternehmensberater und Interessensverbände seit Monaten. Der IT-Branchenverband Bitkom schlug der Deutschen Kreditwirtschaft (DK) im Juni dieses Jahres ein "eMandat light" vor, um wenige Monate vor dem SEPA-Start eine praktikable Lösung für Onlinehändler und E-Commerce-Anbieter offerieren zu können.

Dem Vernehmen nach genügt das vorgeschlagene Procedere einer Mandatierung per PDF-Dateiaustausch den deutschen Banken jedoch nicht, da nicht sichergestellt sei, dass das elektronische Dokument tatsächlich vom Kontoinhaber stammt. Überdies müsse das alternative Mandatierungsverfahren nicht nur die Zustimmung der deutschen, sondern der europäischen Kreditwirtschaft finden, hört man als Reaktion auf den Bitkom-Vorstoß aus dem Bankenumfeld.

Richtiger Adressat für Vorschläge zur elektronischen Mandatierung von Lastschriften ist das European Payment Council. Mit der am Mittwoch vergangener Woche veröffentlichten Erhebung räumt die europäische Kreditwirtschaft zudem ein, dass es einen Bedarf für praktikablere Lösung zur papierlosen Mandatierung von Lastschriften gibt.

Keine hohen Erwartungen an europäisches eMandat

Branchenkenner warnen allerdings vor hohen Erwartungen an die Bemühungen des EPC: "Ein europäisches eMandat wird nicht so unkompliziert werden, wie die heute in Deutschland übliche Praxis der Einzugsermächtigung", sagt ein Zahlungsverkehrsexperte der Kreditwirtschaft, der nicht namentlich zitiert werden möchte. In vielen europäischen Ländern gebe es erhebliche Vorbehalte gegenüber dem Lastschriftverfahren, daher würden hohe Sicherheitsanforderungen an die Mandatierung gestellt. In Irland beispielsweise schalten Bankkunden ihr Konto am Geldautomaten per PIN-Eingabe für Lastschriften frei.

Aber auch aus einem anderen Grund wird die EPC-Umfrage die aktuellen Diskussionen um die Zukunft der Online-Lastschrift in Deutschland nicht beenden. Denn selbst wenn das EPC in den nächsten Wochen eine für E-Commerce-Anbieter und ihre Kunden praktikable technische Lösung für elektronische Mandate finden sollte, würde diese aufgrund der Vorlauffristen der SEPA-Rulebooks erst im November 2015 realisierbar sein.

Der einheitliche europäische Zahlungsverkehrsraum (SEPA) beginnt jedoch am 1. Februar 2014, das deutsche Lastschriftverfahren wird dann Geschichte sein. In Deutschland werden mit jährlich 8,4 Milliarden Transaktionen rund 40 Prozent des gesamten Lastschriftaufkommens in Europa abgewickelt. Von den mittlerweile 33 SEPA-Ländern wird dieses Zahlungsverfahren nur in Österreich und Holland in vergleichbaren Umfang genutzt.