Kaufkraft und Einzelhandelsumsätze in Europa steigen wieder. Allerdings gibt es große regionale Unterschiede - und der Anteil der Einzelhandelsausgaben am Konsum der Europäer sinkt.

Im Auftrag des European Shopping Center Trust (ESCT) untersuchten die Marktforscher von GfK GeoMarketing die Einzelhandelssituation in den europäischen Ländern inklusive Russland und der Türkei. Ein Ergebnis der Studie: Die Kaufkraft in Europa steigt insgesamt wieder an.

Im Durchschnitt hatte jeder europäische Bürger im vergangenen Jahr 11.945 Euro zur Verfügung, das waren 2,1 Prozent mehr als 2009. Allerdings sind die Unterschiede zwischen den Ländern enorm: Die Differenz zwischen den kaufkraftstärksten Europäern, den Liechtensteinern, und den kaufkraftschwächsten, den Moldawiern, beträgt rund 48.200 Euro. 

Deutsche geben 5.329 Euro pro Kopf im Einzelhandel aus

Ein Trend setzte sich auch im vergangenen Jahr fort: Der Anteil der Einzelhandelsausgaben am privaten Konsum nahm 2010 europaweit weiter ab. Ein Grund dafür sind die gestiegenen Energiekosten.

Die Deutschen geben durchschnittlich 5.329 Euro pro Kopf und Jahr im Einzelhandel aus. Das sind rund 27 Prozent ihrer gesamten Kaufkraft. Dieser Anteil ist kleiner als bei den meisten europäischen Nachbarn, verschafft dem deutschen Einzelhandel laut GfK-Prognose für 2011 in der Summe aber einen nominalen Umsatz von gut 400 Milliarden Euro.

Auch innerhalb Deutschlands sind die Unterschiede in der regionalen Einzelhandelskaufkraft enorm: Das Spektrum reicht von 6.900 Euro im hessischen Hochtaunuskreis bis zu 4.240 Euro im Kreis Uecker-Randow (Mecklenburg-Vorpommern) am unteren Ende der Skala. 

Vorsichtiger Optimismus

Trotz der weiterhin angespannten Wirtschaftslage in einigen EU-Ländern sehen die Autoren der Studie Anlass dafür, dass "der europäische Handel wieder vorsichtig optimistisch in die Zukunft blicken kann".

Laut GfK stiegen die Umsätze im europäischen Einzelhandel 2010 im Vorjahresvergleich um 4,8 Prozent - wobei allerdings die Türkei (plus 22,4 Prozent) und Russland (plus 16,3 Prozent) das Feld anführten.

Für das Jahr 2011 progostiziert GfK GeoMarketing ein Umsatzwachstum von 3,4 Prozent in Europa. Der preisbereinigte Zuwachs könne aber angesichts der anziehenden Inflation in vielen Ländern geringer ausfallen, heißt es. Die einzigen Länder mit einer negativen Entwicklung bei den Einzelhandelsumsätzen sind Portugal Irland, Griechenland und Spanien.

Flächenwachstum gebremst

Im Rahmen der Studie nahm die GfK auch die Verkaufsflächenausstattung der EU-Länder unter die Lupe. Hier zeigte sich die Dynamik des Flächenwachstums deutlich gebremst: Europaweit wuchs die Verkaufsfläche nur noch um zwei Prozent.

Die komplette Studie in englischer Sprache ist auf Anfrage bei GfK GeoMarketing über c.lichter@gfk-geomarketing.com erhältlich.