Die Handelsumsätze waren 2009 fast in ganz Europa rückläufig. Doch für 2010 prognostiziert die GfK eine "merkliche Verbesserung" - aber nicht in allen Staaten.

Der Einzelhandelgesamtumsatz in den 29 europäischen Ländern, inklusive Kroatien, Russland und der Türkei, umfasst 2.764 Milliarden Euro. Er war 2009 in fast allen Ländern Europas rückläufig, teilt GfK mit. 

Ausnahmen waren demnach lediglich Belgien (plus 0,3 Prozent), Österreich (plus 2,1 Prozent) sowie die Schweiz (plus 6,0 Prozent). Das hohe Wachstum bei den Eidgenossen im Wesentlichen sei allerdings wechselkursbedingt.

Bezogen auf die Größe der Märkte ragen Deutschland, Frankreich und Großbritannien mit einem Gesamtumsatz von knapp 400 Milliarden Euro heraus. Russland, Italien und Spanien repräsentieren zusammen über 200 Milliarden Euro Umsatz.

Das Marktvolumen der Türkei und der Niederlande umfasst zusammen 100 Milliarden Euro. Auf die übrigen 24 betrachteten Staaten entfällt ein Gesamt-Einzelhandelsumsatz von 689 Milliarden Euro. 

Konsumausgaben driften auseinander

Frankreich hat laut GfK mit gut 60 Millionen Einwohnern den annähernd gleichen Einzelhandelsumsatz wie die über 80 Millionen Konsumenten in Deutschland.
 
Die niedrigsten Anteile des Einzelhandelsumsatzes an den privaten Konsumausgaben - mit Werten von unter 30 Prozent und weniger - haben Italien, Deutschland und Griechenland. Mit 31 Prozent liegen Österreich, die Schweiz sowie die Slowakei geringfügig darüber.

Demgegenüber habe Russland die mit Abstand höchste Einzelhandelsquote (61 Prozent). In Bulgarien, Estland, Ungarn, Kroatien sowie Slowenien registrierte die GfK Anteile von jeweils 45 Prozent.

Die Ursachen für das unterschiedliche Ausgabeverhalten in Europa sehen die Konsumforscher vor allem im unterschiedlichen Stand der wirtschaftlichen Entwicklung und des Wohlstandes. Aber auch in den stark variierenden Einkaufskulturen und Lebensstilen.

Wachstum: Konjunktur zieht an

Für 2010 wird gegenüber dem Vorjahr eine merkliche Verbesserung der Einzelhandelskonjunktur erwartet. Allerdings hätte das Krisenjahr 2009 das Vergleichsniveau deutlich relativiert. Die GfK erwartet für 2010 in 14 europäischen Ländern wieder zunehmende nominale Einzelhandelsumsätze.

Die positiven Entwicklungen in der Türkei (plus 8,5 Prozent) und Russland (plus 2,5 Prozent), den beiden Ländern mit dem höchsten nominalen Umsatzwachstum, würden jedoch durch eine relativ hohe Geldentwertung konterkariert. Die übrigen Staaten mit Zuwächsen verzeichnen nur ein geringes nominales Wachstum bis gut zwei Prozent.

Eine stagnierende Entwicklung wird für sechs Staaten erwartet - darunter auch die beiden großen Märkte Frankreich und Italien. Für immerhin elf Staaten werden sinkende Umsätze erwartet, darunter Deutschland (minus 2,4 Prozent), Großbritannien (minus 1,3 Prozent) und Spanien (minus 1,5 Prozent).

Mitteleuropa: Höchste Verkaufsflächenausstattung

Klare Schlusslichter in der Umsatzerwartung für 2010 sind die beiden baltischen Staaten Litauen und Lettland. Die für Griechenland erwartete Umsatzveränderung von minus 2,5 Prozent stehe unter dem Vorbehalt, dass zum Prognose-Zeitpunkt die Maßnahmen zur Bewältigung der griechischen Euro-Krise noch nicht absehbar waren.

Ein wesentliches Kriterium beim Vergleich der nationalen Einzelhandelsstrukturen innerhalb Europas stellt die Verkaufsflächenausstattung pro Kopf dar. Im Jahr 2009 sind hier trotz europäischem Binnenmarkt und Einigungsprozess noch erhebliche Unterschiede festzustellen.

Die Länder mit der höchsten Verkaufsflächenausstattung sind in Mitteleuropa. Am besten liegen hier Österreich und die Niederlande mit Werten um 1,6 Quadratmeter Verkaufsfläche je Einwohner. Am Ende der Skala stehen Russland, Bulgarien und die Türkei mit unter 0,6 Quadratmeter Verkaufsfläche je Einwohner.