Von Schaufensterpuppen bis zur IT-Lösung für den Omnichannel-Retailer bietet die Fachmesse Euroshop alles, was Händler zum Handeln benötigen. Die Euroshop 2014 wird eine Leistungsschau der besonderen Art.

Die kommende Euroshop vom 16. bis zum 20. Februar 2014 wird ein Spiegelbild des Handlungsdrucks, aber auch der Investitionsbereitschaft im Einzelhandel abgeben. Alle drei Jahre präsentieren Ladenbauer, Figurenhersteller, Beleuchtungs- und Kühltechniker sowie IT-Dienstleister ihre Produkte und Lösungen auf dem Messegelände in Düsseldorf und bieten damit eine Gesamtschau der Investitionsgüter für die Handelsbranche.

"Die Euroshop ist das Weltwirtschaftsforum für die Handelsbranche", fasste Hans Werner Reinhard, stellvertretender Geschäftsführer der Messe Düsseldorf, die Bedeutung der "internationalen Leitmesse" gestern auf einer Pressekonferenz zusammen. Angesichts von Rekordzahlen bei der Flächenbelegung und mehr als 2.000 Austellern aus 56 Ländern zeige sich, dass "der Handel lebt", so Reinhard.
 
Die Euroshop 2014 werde "so groß sein wie nie zuvor" und erstmals 16 statt zuvor 15 Messehallen umfassen. Vor allem der unter dem Namen "EuroConcept" zusammengefasste Ladenbau-, Beleuchtungs- und Kühlmöbelbereich hat deutlich zugelegt. Ein Highllight wird laut Reinhard die "Lighting Designers' Zone", eine Sonderfläche speziell für unabhängige Licht-Designer und Lichtplaner, sowie der "re.lab + lounge"-Bereich, eine gemeinsam vom Europäischen Zentralverband für visuelles Marketing/Merchandising (VMM) und der FH Düsseldorf gestaltete Fläche, auf der spannende Retail-Konzepten der Zukunft präsentiert werden sollen.

"Die Branche steht vor großen Herausforderungen"

Für die Rekordzahlen und das Interesse an der Euroshop 2014 gibt es nach Auffassung von Reinhard gute Gründe: "In Zeiten, in denen sich das Einkaufsverhalten der Verbraucher rapide verändert und der Gebrauch des Onlinekanals stetig wächst, braucht der Kunde zusätzliche Anreize, ein Geschäft zu betreten und dort auch einzukaufen. Der Inszenierung des Geschäfts kommt deshalb eine enorme Bedeutung zu."

Auch Michael Gerling, Geschäftsführer des EHI Retail Institutes, das die Messe seit 1966 mitveranstaltet, sieht die "globale Handelsbranche vor den größten Herausforderungen seit Jahrzehnten". Der Onlinehandel führe zu Veränderungen, die in ihrer Dimension allenfalls mit der Einführung der Selbstbedienung im Jahr 1938 vergleichbar seien. Eine These, die man auch von HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth in letzter Zeit häufiger hört.

"Die Struktur der Handelslandschaft wird sich in vielen Ländern nachhaltig verändern: Es wird gerade in den gesättigten Märkten in Europa, Nordamerika und Ostasien zu Rückgängen in den Verkaufsflächen kommen, die Zahl der Geschäfte wird sich reduzieren", analysierte Gerling, der Kopf des Kölner Branchen-Thinktanks. "Handelsunternehmen mit einer langen Tradition, die in den letzten Jahren verpasst haben, sich an den veränderten Marktbedingungen auszurichten, werden vom Markt verschwinden. Gleichzeitig entstehen neue Player, die online und stationär auftreten und mit innovativen Sortimenten, mit neuen Ladenkonzepten, aber auch mit neuen Geschäftsmodellen punkten."

Mit "guten Geschäften gute Geschäfte machen"

In Deutschland erwirtschafteten die 1.000 größten Online-Shops im Jahr 2012 laut EHI einen Netto-Umsatz von 29,5 Milliarden Euro. Wenn man das Wachstum im Internethandel auf Basis der letzten Jahre fortschreibe, läge der Umsatz der größten Webshops in Deutschland im Jahr 2025 bei rund 100 Milliarden Euro - rund einem Viertel des gesamten Handelsumsatzes, rechnete Gerling vor.

An ein Ende des stationären Handels glaubt Gerling dennoch nicht: "Händler werden auch in zehn Jahren mit guten Geschäften noch gute Geschäfte machen", lautet sein Credo.

Wie solche "guten Geschäfte" aussehen, das konnten die versammelten Fachjournalisten gleich vor Ort in Anschau nehmen, denn die Pressekonferenz wurde im neuen Breuninger im Kö-Bogen abgehalten. Das im Oktober eröffnete, elfte Haus des schwäbischen Textilunternehmens setzt Maßstäbe in der Architektur, im Ladenbau und bei der Warenpräsentation. Es gilt als Hot-Spot der deutschen, aber auch internationalen Handelsszene.

Im von Daniel Libeskind entworfenen Kö-Bogen am Ende der Königsallee präsentiert Breuninger "Retail at it´s best", wie Messechef Reinhard formulierte. Fünf Architekten konnten ihre Visionen in dem 15.000 Quadratmeter Verkaufsfläche umfassenden Gebäude umsetzen. Der Kunde wandelt auf spanischem Naturstein durch "Exquisitabteilungen", die die in der Modebranche immer noch üblichen Stammabteilungen aufgebrochen haben. Das Personal kann per Tablet-PC überprüfen, welche Größen eines Kleidungsstück vorrätig sind oder per Smartphone-App einen Lagermitarbeiter losschicken, um die passende Schuhgröße herbeizuholen. Eine Click&Collect-Station, die einzige Sansibar auf dem Festland und VIP-Personalshopping - alles selbstverständlich im neuen Breuninger, der zeigen will, wie stationärer Handel heute funktioniert.

Hausherr Andreas Rebbelmund setzte bei einer Führung für die Journalisten freilich einen interessanten Kontrapunkt zur Bedeutung von Technologie und Store-Design im Verkaufsgeschäft: "Im Ladenbau gibt es aktuell einen Hype, aber der wird sich wieder legen. Das geht in Wellenbewegungen immer mal rauf und runter. Was aber bleiben wird, ist, was der Kunde annimmt und das sind die Mitarbeiter", so der Geschäftsführer von Breuninger Düsseldorf. 350 Mitarbeiter arbeiten für Breuninger im Kö-Bogen, sie sind das "wichtigste Kapital" des Hauses, so Rebbelmund.