Die Valovis Bank AG und die Valovis Commercial Bank sollen verschmolzen werden. Als "Finanzspezialist für den Handel" will das Institut neue Kunden in der Branche gewinnen.

Rückwirkend zum 1. Januar 2011 soll die Valovis Commercial Bank (ehemals KarstadtQuelle Bank) auf ihre derzeitige Muttergesellschaft, die Valovis Bank AG (ehemals Karstadt Hypothekenbank) verschmolzen werden.

"Die zuständigen Gremien unserer Banken-Gruppe haben Ende 2010 den Beschluss gefasst, die Verschmelzung anzustreben", sagte Theodor Knepper, Vorstandsmitglied der Valovis Bank AG, am heutigen Mittwoch vor Journalisten in Frankfurt am Main an.

Auf der Hauptversammlung Ende April soll die Fusion beschlossen werden. Eigentümer beider Banken ist der KarstadtQuelle Mitarbeitertrust e.V. (KQMT), der Pensionsansprüche von ehemaligen Konzernmitarbeitern verwaltet.

Fünf Kerngeschäftsfelder im Portfolio

Die Verschmelzung sei der dritte strategische Schritt zur Herauslösung der Banken aus dem untergegangenen Arcandor-Konzern - nach der 2008 vollzogenen Übertragung an den KQMT und der im März 2010 erfolgten Umbenennung.

Als "Finanzspezialist für den Handel" will sich die Valovis Bank AG künftig positionieren, mit Produktangeboten in fünf Kerngeschäftsfeldern: Kreditkartenprogramme, Absatzfinanzierung, Konsumentenfactoring für Versender (B-2-C), Mittelstandsfactoring (B-2-B) und der Finanzierung von Handelsimmobilien.

"Diese Geschäftsbereiche bilden exakt ab, was der Handel an Bankgeschäft braucht, um seine Produkte abzusetzen", so Knepper, der auch Vorstandsvorsitzender der fusionierten Valovis Bank werden soll. Der bisherige Vorstandschef der Valovis Bank AG, Robert Gogarten, scheidet aus Altersgründen aus dem operativen Geschäft aus.

Durch die Zusammenführung der beiden Institute erwartet Knepper Einsparungen in Höhe von rund 10 Prozent der aktuellen Kosten, die derzeit bei 55 Millionen Euro liegen.

Zum Stichtag 30. November 2010 erwirtschafteten beide Banken ein Minus von 4,7 Millionen Euro (pro forma), was laut Knepper im erwarteten Bereich lag und auf die Restrukturierungskosten zurückzuführen sei. Nach heutigen Planungen will die fusionierte Bank 2011 ein "deutlich positives Ergebnis" schreiben.

Neue Vorzeigekunden Tchibo und Ergo

Zu den Vorzeigeprojekten des Unternehmens gehört die "Tchibo PrivatCard Premium", eine für Inhaber kostenfrei Kreditkarte, die gleichzeitig als Bonuskarte des Kaffeerösters fungiert. Langfristig wollen die beiden Co-Branding-Partner rund 500.000 bis 700.000 Mastercard-Kreditkarten als Tchibo-Kundenkarte in Umlauf bringen.

Die Umwandlung des ehemaligen Karstadt-Kreditkarten-Portfolios zu Tchibo-Karten läuft seit Dezember. Zu den konkreten Zahlen wollte sich Axel Frein, Vorstand der Valovis Commercial Bank, jedoch nicht äußern, da sich Tchibo "ungern in die Karten schauen lässt". Man befinde sich jedoch im Rahmen der Erwartungen. Üblicherweise wechseln 10 bis 15 Prozent der angeschriebenen Bestandskunden auf das neue Angebot und dies bestätige sich auch im Falle Karstadt/Tchibo. Von der Karstadt-Mastercard waren zuletzt rund 650.000 Karten im Umlauf.

Ein weiterer Neukunde im Bereich der Co-Branding-Programme ist die Ergo Versicherungsgruppe, die jedoch mehr aus Prestigegründen als aus Ertragsperspektive interessant sei. An einer Partnerschaft mit einem Textilfilialisten verhandele man - wie bereits gemeldet - nach wie vor, zudem laufen Gespräche mit einer Mineralölgesellschaft, betonte Frein, der in der neuen Valovis Bank AG auf der Vorstandsebene den Vertrieb verantworten wird. Auch an Ausschreibungen von bestehenden Kartenprogrammen beteilige sich die ehemalige KarstadtQuelle Bank derzeit, so Frein.

Gute Chance in einem Verkaufsprozess

Da der KarstadtQuelle Mitarbeitertrust über keine Einnahmen mehr verfügt und nur noch Pensionsansprüche bedient, ist der Verkauf der Valovis Bank AG nur eine Frage der Zeit. Ältere Gerüchte über einen Verkauf an den US-Investor Apollo wollte Knepper nicht kommentieren, dies sei Sache der Aktionäre.

Knepper sieht jedoch generell gute Chancen für ein auf Retail Banking spezialisiertes Institut wie die künftige Valovis Bank AG: "Whole Sale Banking - wie es die Landesbanken betrieben haben -  ist ein Auslaufmodell. Für Banken, die wie wir Transaction Banking betreiben, bestehen aber gute Perspektiven, bei einem Verkauf auch den Buchwert zu erzielen", so der Vorstandsvorsitzende.