Stationäre Händler haben weniger Angst vor dem Internet als gedacht. Sie drängt es mit neuen Läden in die Innenstädte. Doch dort beklagen sie hohe Mieten und bürokratische Restriktionen.

Der Onlinehandel wächst. Im August setzte die Branche real (preisbereinigt) 2,5 Prozent mehr um als im Vorjahresmonat, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch in Wiesbaden mitteilte. Treiber war erneut der Internet- und Versandhandel mit einem Plus von 7,4 Prozent.

Insgesamt haben Deutschlands Einzelhändler in den ersten acht Monaten 2015 preisbereinigt 2,8 Prozent mehr umgesetzt als im Vorjahreszeitraum. Sie steuern somit auf das sechste Wachstumsjahr in Folge zu. Erst kürzlich hatte der Handelsverband Deutschland daher seine Umsatzprognose für 2015 von 1,5 auf 2,0 Prozent angehoben.

Mehr Standorte als im Vorjahr

Eigentlich sprechen diese Zahlen gegen den stationären Handel. Doch das Gegenteil ist der Fall. Die Branche expandiert weiter, das Filialnetz wird ausgebaut, heißt es in der Studie "Expansionstrends 2015", die das EHI Retail Institute in Kooperation mit dem Immobiliendienstleister Hahn-Gruppe durchgeführt hat.

So werden zwei Drittel der befragten Händler Ende 2015 mehr Standorte als im Vorjahr haben, während nur 13 Prozent ihr Filialnetz ausdünnen. Besonders expansive Branchen sind Lebensmittel, Drogerie, Gesundheit & Beauty sowie Bekleidung und Bau & Gartenmärkte.

Auf die Größe kommt es an

44 Prozent der Händler setzen außerdem auf größere Verkaufsflächen, weil sie ihren Kunden mehr Komfort und ein größeres Warenangebot bieten wollen. Nur etwa jeder vierte der Befragten verkleinert seine Verkaufsflächen - in erster Linie, um dadurch Kosten zu sparen. Auch die Multi-Channel-Vernetzung, bei der Lagerflächen und Präsenzware reduziert werden können, trägt zur Verkleinerung der Verkaufsflächen bei, heißt es in der Studie.

Den ersten Rang der beliebtesten Standorte teilen sich einzelne Geschäftshäuser und Fachmarktzentren. Shopping-Center belegen den dritten Platz. Die beliebteste Lage sind die Innenstädte - 70 Prozent suchen dort schwerpunktmäßig nach Flächen. Ebenfalls beliebt sind für 64 Prozent die Fachmarktagglomerationen. Die A-Lagen sind aufgrund der kleinteiligen Bausubstanz vieler Innenstädte vor allem für kleinflächige Formate geeignet: So geben 92 Prozent der Händler mit Verkaufsflächen unter 100 Quadratmeter die A-Lagen als Lagefavoriten an.

Die Flächen werden knapp

Gebremst wird der Expansionsdrang allerdings von verfügbaren Flächen - deren Mietpreise und Nebenkosten zudem nicht zu teuer sind. Auch baurechtliche Rahmenbedingungen haben eine hohe Bedeutung für großflächige Einzelhändler.

Und diese Sorgen belasten die Händler mehr als das Internet. Fast jeder zweite Händler sieht in der Konkurrenz durch den E-Commerce kaum eine Bedeutung für die stationäre Expansion. Gleichwohl gibt es auch Händler, die aufgrund des stärkeren Onlinehandels in den letzten 12 Monaten Frequenzrückgänge in ihren Läden zu verzeichnen haben.

Das Baurecht nervt die Händler

70 Prozent der Händler wünschen von der Politik, dass baurechtliche Restriktionen abgebaut werden. Auch die Stärkung öffentlicher Verkehrsmittel und eine autofreundlichere Politik fordern mehr als die Hälfte der Händler. Eine stärkere rechtliche Regulierung von Onlinehändlern ist keine favorisierte Maßnahme.

80 Prozent sehen den Markt für Shopping-Center in Deutschland als gesättigt an. 90 Prozent halten den Lebensmitteleinzelhandel aufgrund seiner Zugkraft für einen guten Ankermieter. Auch andere klassische Ankermieter in Shoppingcentern wie große Textil- oder Warenhäuser bleiben Magneten, glauben zwei Drittel der befragten Händler.