Online first im Elektronikhandel? Nicht mit Expert. Die Verbundgruppe will ihr stationäres Netz vergrößern und hat Standorte eines Konkurrenten im Blick.

In den hartumkämpften Einzelhandel mit Fernsehern, Computern und Telefonen kommt Bewegung. Die Verbundgruppe Expert weitet trotz des Internet-Booms sein Ladennetz deutlich aus und erwägt, sich Teile des zum Verkauf stehenden Konkurrenten ProMarkt einzuverleiben.

Expert-Chef Volker Müller sprach am Donnerstag in Hannover bei der Bilanzvorlage von einem schwierigen ersten Halbjahr 2013 für die Branche, weil im gleichen Zeitraum des Vorjahres die Umstellung auf digitale Satellitentechnik und die Fußball-Europameisterschaft für hohe Umsätze gesorgt hätten. Neue Modelle bei den gefragten Smartphones und Tablet-PCs dürften aber für ein besseres zweites Halbjahr sorgen.

"Jeder schaut sich Standorte an"

"Jeder schaut sich die Standorte an", sagte Müller auf die Frage, ob Expert Interesse an der Rewe-Tochter ProMarkt habe. Wenn Expert die Möglichkeit hätte, passende Filialen zu übernehmen, würde man das wahrscheinlich tun. "Das ist ein ganz offenes Rennen." Für wie viele der mehr als 50 ProMarkt-Filialen sich Expert interessiert, ließ er nicht erkennen.

Rewe hatte Mitte Mai den Rückzug aus dem umkämpften Markt für Unterhaltungselektronik angekündigt und lotet für die verlustreiche Tochter ProMarkt sowohl einen Komplettverkauf als auch Filialverkäufe aus. Aber auch so ist Expert auf Erfolgskurs: In dem seit April laufenden Geschäftsjahr 2013/14 wird die Zahl der angeschlossenen Fachmärkte um mindestens 19 auf rund 470 steigen. Gleichzeitig wird ein Umsatzplus von etwa 2,5 Prozent angepeilt.

Sinkende Gewinne, aber stabile Erträge

Doch die schwächere Nachfrage etwa nach Fernsehern in den ersten drei Monaten 2013 bremste Expert: In dem Ende März abgelaufenen Geschäftsjahr 2012/2013 stagnierte letztlich das Einkaufsvolumen der angeschlossenen selbstständigen Fachhändler bei rund 1,95 Milliarden Euro. Für das Kalenderjahr 2012 hatte die Expert AG zuvor von 6,9 Prozent Umsatzwachstum berichtet.

Der Gewinn sank im abgelaufenen Geschäftsjahr 2012/13 um mehr als ein Drittel auf 4,2 Millionen Euro. "Aber die Ertragskraft ist genauso hoch wie im Vorjahr", unterstrich Müller. Er verwies auf eine Sonderdividende zum 50-jährigen Bestehen der Verbundgruppe, die an die 232 Gesellschafter ausgeschüttet werden solle. In der Expert-Zentrale soll die Mitarbeiterzahl von 425 in Richtung 450 steigen, gerade im IT-Bereich würden Experten gesucht.