Der Ruf des Textildiscounters Kik ist wegen der Brände in asiatischen Bekleidungsfabriken stark beschädigt, sagt Tengelmann-Chef Haub. Derweil verlangt die Textilindustrie schärfere Kontrollen vom Handel.

"Für die Reputation ist der Schaden immens", sagte Karl-Erivan Haub, Inhaber des Handelskonzerns Tengelmann (Kik, Obi, Kaiser's, Tengelmann), dem Magazin "Wirtschaftswoche". "Wenn es um die Eröffnung neuer Läden geht, schauen viele Politiker skeptisch auf Kik."

Finanziell spüre Kik bisher aber keine Auswirkungen. "Es gab einzelne Kunden, die nachgefragt haben, aber eine breite Kritikwelle hat uns nicht erreicht. Auch das Einkaufsverhalten hat sich nicht verändert."

Vor wenigen Tagen waren bei einem Feuer in der Fabrik eines ehemaligen Kik-Zulieferers in Bangladesch mehr als 100 Menschen ums Leben gekommen. Zuvor hatte es bei einem Feuer in einer Fabrik eines Kik-Lieferanten in Pakistan 259 Todesopfer gegeben.

Industrie will bessere Kontrollen

Die deutsche Textilindustrie verlangt vom Handel eine schärfere Kontrolle der Arbeitsbedingungen in Niedriglohnländern. "Der aktuelle Fall zeigt, dass Takko oder Kik offenbar mehr tun müssen, die Produktion ist oft undurchsichtig", sagte der Präsident des Gesamtverbands Textil und Mode, Peter Schwartze, der Zeitung "Tagesspiegel".

Haub sagte, sein Unternehmen bemühe sich um mehr Sicherheit für die Arbeitnehmer in Billiglohnländern und überprüfe die Fabriken. Letztlich sei es aber an den Behörden in den betroffenen Ländern, für die Einhaltung vernünftiger Standards zu sorgen. "Als einzelner Abnehmer können wir da nur relativ wenig Einfluss nehmen."

Ordentliche Weihnachtssaison erwartet

Haub erwartet ein stabiles Weihnachtsgeschäft. "Wenn nicht neue Hiobsbotschaften die Kauflaune dämpfen, dürfte es ein ordentliches Weihnachtsgeschäft werden", sagte der Manager. Vor allem beim Onlinehandel rechnet er mit Zuwächsen.

Der Manager geht von einer Konsolidierung in der Handelsbranche aus. "Wir haben enorme Überkapazitäten: 25 bis 30 Prozent der Ladenflächen sind überflüssig", sagte Haub. "Es gibt zu viele Baumärkte und Textilhändler in Deutschland. Über kurz oder lang wird sich da etwas tun." Das gelte auch für viele Online-Anbieter. Diese Aussage von Haub ist jedoch nicht neu.

Zu Haubs Unternehmensgruppe gehören neben Kik die Obi-Baumärkte sowie die Supermarktketten Kaiser's und Tengelmann. Außerdem hat der Konzern Beteiligungen an Internet-Versandportalen, etwa dem Mode-Onlinehändler Zalando.