Soziale Netzwerke werden oft als banal belächelt. Tatsächlich stellen sie die Regeln der Kommunikation auf den Kopf - denn der Konsument gewinnt die Oberhand, zeigt eine Studie.  

Kontakte auf Facebook sind oft oberflächlich, die Bemerkungen meist unbedeutend und die Status-Aktualisierungen banal. Doch sie können sich - auch zur Vermarktung von Produkten - mehr lohnen, als man denken mag. Außerdem werden die Sozialen Medien mehr Kleinunternehmer hervorbringen. Zu diesen Ergebnissen kommt eine Studie der Universität Uppsala in Schweden.

Viele Menschen sind skeptisch gegenüber denjenigen, die Hunderte von sogenannten "Freunden" auf Facebook haben. Denn die Mehrheit dieser "Freunde" sind alte Klassenkameraden oder Bekanntschaften von Bekanntschaften – also Beziehungen, die im Wesentlichen eher schwach ausgeprägt sind. Hinzu kommt, dass die Anmerkungen und Aktualisierungen auf Facebook meist banaler Natur sind.

Doch der Doktorand Håkan Selg von der Uppsala Universität hat herausgefunden, dass diese Kontakte tatsächlich gut funktionierende soziale Netze sind, weil die scheinbar sinnlosen Bemerkungen und Aktualisierungen ein Gemeinschaftsgefühl vermitteln.

Freunde sind subjektiv näher

"Bilder, Bemerkungen und Aktualisierungen sind eine permanente Gedächtnisstütze dafür, dass man Freunde hat. Der Inhalt ist dabei nicht so bedeutend. Wichtiger ist die Wirkung, dass wir unsere Facebook-Freunde subjektiv näher wahrnehmen als andere Bekanntschaften, die nicht auf Facebook sind," erläutert Selg.

Der Wissenschaftler führt in der Studie auch aus, wie die Nutzung Sozialer Medien der traditionellen Tendenz in unserer Informationsgesellschaft zuwiderläuft: Früher haben Unternehmen und Behörden die neuen Kanäle für die Kommunikation verwaltet, etwa Mobiltelefone, E-Mail und Websites. Die privaten Haushalte sind ihnen gefolgt.

Die Sozialen Medien hingegen haben sich in erster Linie im privaten Bereich entwickelt. Damit haben die Nutzer die Hoheit über die Daten und Kontaktnetze – und an die wollen Unternehmen und Behörden kommen.

Soziale Netze stellen traditionelle Muster auf den Kopf

Wer Soziale Medien nutzt ist weniger abhängig von dem, was große Unternehmen anbieten, heißt es in der schwedischen Studie. Durch die selbstständige Nutzung der Netzwerke können sich Konsumenten eigenständig über Jobs, Unterkünfte und Geschäftskontakte informieren und auch Hilfe bei kleinen und großen Problemen bekommen.

Geld spielt dabei keine Rolle: Jeder Internetnutzer kann ohne großen Aufwand viele Menschen erreichen, kostenlos seine Meinung veröffentlichen und sich Geschäftsmodelle überlegen. "Das wird wahrscheinlich dazu führen, dass mehr Menschen in Zukunft ihre eigenes Unternehmen gründen. Nach und nach werden soziale Netzwerke somit auch das Arbeitsleben verändern," behauptet der Wissenschaftler Selg.