Trotz spürbarer Produktionsrückgänge gibt sich die Fahrradbranche optimistisch. Elektro-Räder sollen für gute Absätze sorgen. Experten sprechen aber von einer langen Durstrecke für die Branche.

Die Fahrradbranche erwartet eine Abschwächung der Konsumflaute und ab 2010 wieder bessere Geschäfte. In diesem Jahr werde der deutsche Markt noch um fünf bis sechs Prozent schrumpfen, teilte der Zweirad-Industrie-Verband (ZIV) am Dienstag in Friedrichshafen vor Beginn der Internationalen Fachmesse Eurobike mit.

Im ersten Halbjahr betrug das Minus noch acht Prozent. Rund 2,5 Millionen Fahrräder seien in diesem Zeitraum an den Handel ausgeliefert worden.

Discounter werden schwerer getroffen

Der ZIV verwies darauf, dass der Fahrradhandel im ersten Halbjahr seine Lagerbestände leicht abgebaut habe, so dass der Verkauf an den Endverbraucher weniger stark zurückgegangen sein könnte.

Das Minus habe ohnehin vor allem Warenhäuser und Discounter getroffen, während der Fachhandel seinen Marktanteil von 63 Prozent im vergangenen Jahr auf 65 Prozent im ersten Halbjahr 2009 erhöht habe.

Elektro-Räder sollen Umsätze garantieren

Der Branche ist vor der Zukunft nicht bange. "Für das Jahr 2010 und die folgenden Jahre sehen wir große Möglichkeiten, durch die steigende Popularität des Fahrrades wieder Zuwächse zu erreichen", sagt ZIV-Geschäftsführer Rolf Lemberg. In einer Branchenstudie schreibt allerdings BBE Retail Experts, dass sich der Fahrradmarkt erst 2011 erholen werde.

Die größten Absatzhoffnungen verbindet die Branche mit Rädern mit Elektroantrieb, bei denen ein kleiner Motor den Fahrer beim Treten unterstützt. Die Zahl der ausgelieferten E-Bikes oder Pedelecs, die 2005 bei 25.000 Stück lag, steigerte sich 2008 auf 100.000 Exemplare und erreichte einen Anteil am Fahrradmarkt von 2,5 Prozent. Im laufenden Jahr rechnet der Verband mit 120.000 Stück.

Rückgang der Produktion

Diese Innovationen rausgerechnet durchlebt der Fahrradmarkt schwierige Zeiten. Die Produktion ging im ersten Halbjahr um neun Prozent auf 1,4 Millionen Räder zurück. Gleichzeitig sank der Import von Fahrrädern um 5,4 Prozent auf 1,7 Millionen Stück. Die Zweiräder kamen hauptsächlich aus Taiwan, Thailand, Polen und den Niederlanden.

Bei den Fahrradtypen lagen 2008 die Trekkingräder mit einem Marktanteil von 33 Prozent und die Stadträder mit 23,5 Prozent vorn. Mountainbikes kamen auf 22 Prozent. Den Gesamtumsatz der Branche mit rund 30.000 Beschäftigten bezifferte Lemberg für 2008 auf mehr als drei Milliarden Euro, von denen 1,7 Milliarden auf Räder und 1,5 Milliarden auf Zubehör, Ersatzteile und Reparaturen entfielen.  In Deutschland gibt es laut Angaben der Messegesellschaft Friedrichshafen rund 68 Millionen Fahrräder.

Branchentreff Eurobike

Bei der Eurobike zeigen von diesem Mittwoch an bis zum 5. September 1.028 Aussteller aus 42 Ländern Zweiräder aller Art vom Stadt- bis zum Rennrad sowie Zubehör und Biker-Mode.

Die ersten drei Messetage sind dem Fachhandel vorbehalten. Der Samstag (5. September) ist Publikumstag.

dpa, DH