Land der Extreme: Deutschland ist Fairtrade-Rosen-Weltmeister. Aber immer mehr Konsumenten wollen billige Blumen. Und so liegt der Marktanteil der Discounter bei Schnittblumen schon bei rund 40 Prozent - Tendenz steigend.

Rosen mit dem Fairtrade-Siegel schreiben Erfolgsgeschichte: Seit ihrer Einführung 2005 stiegen die Absatzzahlen kontinuierlich, aber das Jahr 2012 brach alle Rekorde, meldet der Verein TransFair, der das Fairtrade-Siegel für fair gehandelte Produkte vergibt.

Demnach wurden in Deutschland gut 260 Millionen faire Rosen verkauft, gegenüber dem Vorjahr ist das ein Plus von mehr als 200 Prozent. Der Marktanteil betrage inzwischen knapp 20 Prozent. Damit ist Deutschland weltweit Marktführer im Absatz von Fairtrade-Rosen.

"Die meisten Fairtrade-Rosen werden nach wie vor in Supermärkten vertrieben", sagt Dieter Overath, Geschäftsführer von TransFair. Rund 95 Prozent der Blumen verkaufte demnach im vergangenen Jahr der Lebensmitteeinzelhandel. In bundesweit rund 22.500 Verkaufsstellen finde man die Blumen mit dem Siegel.

Auch im Fachhandel wachse die Bedeutung fairer Blumen: Aktuell bieten gut 1.000 Floristen Fairtrade-Rosen an. "Wir wollen das Erfolgsmodell auch auf andere Blumensorten und Herkunft übertragen, wie zum Beispiel Nelken, Schleierkraut, Zimmerpflanzen bis hin zu Weihnachtssternen", erläutert Overath.

Billig-Blumen vom Discounter

Neben den fairen Rosen, bei denen unter anderem darauf geachtet wird, dass die Pflanzen unter guten Arbeitsbedingungen gepflückt werden, sind aber auch Billig-Blumen auf dem Vormarsch. Den bunten Strauß suchen sich viele Verbraucher mittlerweile nämlich lieber beim Discounter zwischen Müsli und Toilettenpapier aus, statt in den Fachhandel zu gehen. In der grünen Branche werde der Konkurrenzkampf zunehmend härter, berichtet der Präsident des Zentralverbands Gartenbau, Jürgen Mertz.

Den Anteil der Discounter, Supermärkte und Baumärkte an dem Geschäft sei in den vergangenen Jahren stetig gewachsen, berichtet Franz Jäger vom Zentralverband Gartenbau. Der Discounter Aldi zähle bereits zu den größten deutschen Händlern von Schnittblumen. Derzeit liege der Anteil derartiger Anbieter bereits bei rund 40 Prozent - mit steigender Tendenz. Rund 8,7 Milliarden Euro haben die deutschen Verbraucher im vergangenen Jahr für Schnittblumen, Garten - und Zimmerpflanzen ausgegeben - das waren rund 106 Euro pro Kopf.

Wirtschaftskrise ist auch Blumenkrise

Während die Freude der Deutschen an Blumen und Pflanzen nach Einschätzung der Branche weiter ungebrochen ist, treten viele Griechen, Spanier und Portugiesen aufgrund der Wirtschaftskrise bei ihrem grünen Hobby lieber kürzer. Stabilisiert werde der Markt in Europa aber durch die hohe Nachrage in Deutschland und England.

Eine geradezu stürmische Nachfrage nach Blumen und Topfpflanzen erlebe die Branche derzeit aus Russland, berichtet der Präsident des Landesverbands Gartenbau Rheinland, Heinrich Hiep. Allein im ersten Halbjahr 2012 seien die Schnittblumenexporte nach Russland um 26 Prozent gestiegen.

wim / dpa