Schmuck, Möbel und sogar Grabsteine - immer mehr Produkte stammen aus dem boomenden fairen Handel. Nach dem Erfolg mit Lebensmitteln ziehen andere Branchen nach.

Wenn Thomas Speck über die Gepa spricht, denkt er an einen Eisbrecher: "Wir schlagen die Schneise, damit die großen Tanker durchfahren können." Zu den Tankern der Lebensmittelbranche gehört der größte Hersteller von Fairtrade-Produkten in Europa mit gut 61 Millionen Euro Umsatz freilich nicht.

Gepa-Geschäftsführer Speck ist nach einem Umsatzplus von 5,2 Prozent im Geschäftsjahr 2011/12 dennoch zuversichtlich: "Fairtrade hat keine Grenze, was das Produkt angeht. Im Prinzip könnte jedes Produkt fair gehandelt sein."

Was auf den ersten Blick nach Wunschdenken klingt, ist für Transfair-Geschäftsführer Dieter Overath schon ein kleines Stück Wirklichkeit. Zwar sind Kaffee und Bananen mit dem grünblauen Fairtrade-Siegel noch immer die Umsatzbringer im Geschäft mit gerechter Ware, doch andere Branchen ziehen nach.

Fair gehandelter Goldschmuck

Im Geschäft mit Rosen machen Blumenhändler laut Transfair schon knapp 7 Prozent ihres Umsatzes mit fairer Ware. Für die aus Afrika stammenden Blumen rechnet Overath in diesem Jahr mit einem deutlichen Schub: "Das wird das erste Produkt, bei dem wir einen zweistelligen Marktanteil bekommen." Die Siegelorganisation Transfair feiert dieses Jahr Jubiläum - sie wurde vor 20 Jahren gegründet.

Auch bei Möbelhäusern wie Schaffrath, Segmüller und dem Onlinehändler Otto können Verbraucher beim Einkauf etwas für das gute Gewissen tun. Für Pinienholz aus Bolivien etwa, das in Mexiko zu Möbeln verarbeitet und bei deutschen Händlern verkauft wird, erhalten südamerikanische Kleinwaldbetriebe einen gerechten Preis.

Schmuckateliers schmieden inzwischen Trauringe mit fairen Diamanten, gerecht gehandeltem Silber und Gold. Selbst bei Grabsteinen können Käufer dank des Siegels der Zertifizierungsorganisation Xertifix darauf achten, dass den Naturstein keine Kinder aus Indien klopfen mussten.

Erfolg trotz Billig-Mentalität

Für Dieter Overath bleibt der Lebensmittelmarkt ein Vorreiter. "Der Umsatz hat sich verachtfacht", sagt er über die vergangenen zehn Jahre. 172 neue Produkte mit Fairtrade-Logo kamen 2011 auf den Markt, 2.000 sind es insgesamt.

Zwar sei der Preis noch immer "Lotse des Handels", beklagt Overath die Billig-Mentalität. Doch selbst Discounter wie Lidl, Penny und Aldi Süd haben faire Ware im Sortiment.

Laut Marktforschern ist das Fairtrade-Siegel heute eines der drei bekanntesten Siegel Deutschlands - zusammen mit dem grünen Bio-Zeichen und dem blauen Umweltengel.

Für rund 400 Millionen Euro kauften deutsche Verbraucher 2011 fair gehandelte Produkte. Für das laufende Jahr hat Overath sich schon ein Ziel gesetzt: "Wir möchten die 500 Millionen knacken."

Johannes Schmitt-Tegge, dpa

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