Der Umsatz mit fair gehandelten Produkten legte 2009 um 26 Prozent zu und stieg damit zum sechsten Mal in Folge. Auch 2010 rechnet die Fairtrade-Organisation mit Zuwächsen.

3,24 Euro - das ist der Betrag, den jeder Deutsche im Durchschnitt jährlich für Produkte mit dem Fairtrade-Logo ausgibt. Nicht viel auf den ersten Blick, vor allem, wenn man den europäischen Spitzwert aus der Schweiz mit rund 23 Euro pro Kopf dagegen hält.

Dennoch ist die deutsche Dependance der in 21 Ländern vertretenen Dachorganisation - der Kölner Transfair e.V. - hochzufrieden mit der Entwicklung des vergangenen Jahres. Geschäftsführer Dieter Overath berichtet im Jahresrückblick von einem 26-prozentigen Umsatzplus auf 267 Millionen Euro; 2004 waren es noch 50 Millionen Euro.

150 Lizenznehmer in Deutschland

„Fairtrade-Produkte sind im Markt gefestigt, und sie bewegen den Markt auch", freut sich Overath, ein Hinweis auf die wachsende Anzahl anderer Sozial-Labels im deutschen Einzelhandel.

Für das eigene Fairtrade-Siegel, das in Deutschland derzeit an 150 Lizenznehmer vergeben wird, gab es 2009 neben dem Umsatzzuwachs auch weitere gute Nachrichten: So stieg die Anzahl deutscher Partnerstädte und -gemeinden - sogenannte „Fairtrade-Towns" - auf 17, eine globale Studie in 15 Ländern wies eine 50-prozentige Bekanntheit und 90-prozentige Wertschätzung nach, und auch das Siegel „Goodweave" für sozial produzierte Teppiche ohne Kinderarbeit wurde eingeführt. Sie sollen künftig in Deutschland breiter vermarktet werden, etwa in Möbelhäusern.

Das Hauptgeschäft bestreitet der Verein in Deutschland freilich mit Lebensmitteln im Einzelhandel. Zwei Drittel der 267 Millionen Euro erlösen Vollsortimenter und Discounter, nur ein Drittel entfällt auf Dritte-Welt-Läden oder ähnliche Handelsformate. Bedeutende Absatzsprünge innerhalb der Segmente gelang Transfair etwa mit Saft, der breiter gelistet wurde: plus 37 Prozent oder ein Gesamtabsatz von 6 Millionen Litern schlagen hier zu Buche.

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Engagement der Rewe-Gruppe

Besonders die Rewe engagierte sich stark, so Overath. Auf ein noch größeres Absatzplus - 40 Prozent - kommen Rosen aus Kenia oder Tansania (65 Mio. Stiele), denen ausdrücklich eine bessere CO2-Bilanz als holländischer Treibhausware attestiert wird. Insgesamt größtes Einzelsegment ist Kaffee mit 5600 t, der um 13 Prozent zulegte, im Einzelhandel um 3 Prozent. 

Weniger Spaß hatten die Kölner 2009 mit ihrem Bananengeschäft, das wegen der Auslistung beim Rewe-Discounter Penny um fast 20 Prozent einbrach. „Wir bewegen uns hier in einem absolut preisaggressiven Markt", so die Erklärung. Neulistungen bei Globus und Famila hätten den Verlust in diesem für Transfair so wichtigen Segment mittlerweile wieder wettgemacht.

Situation bei Textilien unzufriedenstellend

 
Noch unzufrieden ist Overath mit dem Geschäft für fair gehandelte Textilien, wo die Produzenten en gros noch nicht mitzögen. Hier stünde in den kommenden zwei Jahren „Baggerarbeit" an.

Trotz manch stotterndem Einzelsegment erwarten die Kölner auch von diesem Jahr viel. Geschäftsführer Overath avisiert ein abermals zweistelliges Wachstum. Erreichen möchte er dies etwa mit mehr Fairtrade-Eigenmarken, gerade im Vollsortiment. Discounter wie Lidl mit seinen zwölf „Fair Globe"-Produkten seien ein gutes Vorbild.

Auch bekannte Hersteller sollen angesprochen  werden: So wünscht sich Transfair noch einen namhaften deutschen Süßwarenhersteller als Träger der sozialen Botschaft. Vor allem aber gelte: „Die Produkte müssen am POS sichtbarer werden."

Andreas Hösch