Stark in der Nische: Auch 2012 legte der Handel mit Fairtrade-Produkten zu. Ein großer Erfolg für die Branche ist, dass nun unter anderem auch Aldi solche Waren gelistet hat.

Deutsche Verbraucher greifen immer öfter zu Produkten aus Fairem Handel. Im Jahr 2012 wurden Waren im Wert von 533 Millionen Euro verkauft, das ist eine Steigerung um 33 Prozent im Vergleich zu 2011, wie der Verein Transfair an diesem Mittwoch mitteilte. Absolut gesehen fristen Faire Produkte weiterhin eher ein Nischendasein: Der gesamte deutsche Einzelhandelsumsatz lag 2012 laut Einzelhandelsverband HDE bei rund 428 Milliarden Euro.

Fairtrade kommt allerdings auch in kleinen Schritten stetig voran. "Seit dem vergangenen Jahr sind Fairtrade-Produkte flächendeckend im Lebensmitteleinzelhandel erhältlich", so Dieter Overath, Geschäftsführer von Transfair, der die Siegel für fair produzierte und gehandelte Produkte vergibt. Großes Engagement zeigte der Handel mit dem Ausbau von Fairtrade-gesiegelten Eigenmarken, die inzwischen über 60 Prozent ausmachen. "Wir sind auf dem richtigen Weg", betonte Transfair-Vorstand Volkmar Lübke, "denn erst durch relevante Absätze können die Produzentenorganisationen umfangreich vom Fairen Handel, den Mindestpreisen und Prämien profitieren."

Rosen, Kaffee und Bananen

Overath betonte, dass durch den Einstieg von Aldi Nord und Süd und der Drogeriemarkt-Kette dm Deutschland keine Fairtrade-freie Zone mehr hat. Bei Lidl gibt es schon seit einigen Jahren entsprechende Produkte. "Jetzt gilt es, die Sortimente weiter auszubauen und mehr Markenartikler ins Boot zu holen, insbesondere im Süßwarenbereich", erklärte Overath.

Die Liste mit den am besten verkauften Fairtrade-Produkten wird nach wie vor angeführt von den Klassikern. So wurden 2012 laut Transfair über 250 Millionen Rosen verkauft - das ist eine Steigerung um 20 Prozent. Fairer Kaffee hat mit 9.322 Tonnen Absatz mittlerweile einen Marktanteil von 2,3 Prozent. Gewaltig war der Zuwachs bei Bananen: Hiervon kauften die Verbraucher mehr als 21.000 Tonnen - das ist ein Plus von 78 Prozent. Damit hat die Fairtrade-Banane mittlerweile einen Marktanteil von 3,5 Prozent. Bei Eiscreme betrug der Absatzzuwachs gar 214 Prozent, Stückzahlen nannte Transfair allerdings nicht.

Die Süßwarenhersteller bereiten Transfair freilich Sorgen, denn der Schokoladenabsatz war 2012 rückläufig. "Uns fehlt nach wie vor das Engagement der großen Schokoladenhersteller. Kakaobauern können ihre Ernte oft nur zu einem kleinen Teil unter Fairtrade-Bedingungen absetzen", klagte Overath. Transfair würde derzeit an neuen Modellen zur Rohstoff-Zertifizierung arbeiten, um Verkäufe von Fairtrade-Kakao zu steigern.

6 Euro pro Kopf

Trotzdem sieht sich Transfair weiter auf einem erfolgreichem Weg. So sei das Fairtrade-Siegel mittlerweile bei 80 Prozent der Verbraucher bekannt, 67 Prozent der Konsumenten wüssten um den Zweck des Fairen Handels. Diese Zahlen lassen sich auch auf die Marketingkampagnen zurückführen, die Transfair 2012 aus Anlass seines 20jährigen Bestehens initiiert hatte. Mittlerweile gibt es 150 "Fairtrade-Städte", wo in einer Mindestzahl von Geschäften oder Einrichtungen fair gehandelte Produkte angeboten werden.

Das Jahr 2013 hat für Transfair mit dem Oswald-von-Nell-Preis begonnen, den die Stadt Trier vergibt für Organisationen, die christliche Grundsätze umsetzen. Am 22. April startet der Verein seine bundesweite Frühstückskampagne, die vom Fernsehkoch Ralf Zacherl als Schirmherr begleitet wird und mit der bis zum 6. Mai für Frühstück aus Fairem Handel geworben wird. Und als Ausblick für das Jahr nannte Dieter Overath das Ziel, in Deutschland den Pro-Kopf-Verbrauch an Fairtrade-Produkten um 20 Prozent zu erhöhen. Übersetzt in Euro ist das aber bescheiden: 2012 gaben Deutsche im Schnitt 6 Euro für Fair gehandelte Waren aus.